Bakterielle Nassfäule — wenn fleischiges Gewebe zu stinkendem Brei zerfällt
Bakterielle Nassfäule — wenn fleischiges Gewebe zu stinkendem Brei zerfällt
Du holst eine Kartoffel aus der Lagerkiste und greifst statt einer festen Knolle in eine glitschige, weiche Masse, die zwischen den Fingern zerläuft — und dann steigt dir der Geruch in die Nase: faulig, stechend, durchdringend. Genau das ist die bakterielle Nassfäule. Sie macht aus fleischigem, wasserreichem Gewebe innerhalb weniger Tage einen schleimigen Brei, und der penetrante Gestank ist ihr untrüglichstes Erkennungszeichen. Ob faulende Kartoffeln im Keller, eine matschig zusammenfallende Zwiebel, ein wegfaulender Sellerie oder ein Chinakohl, dessen Herz von innen heraus zerläuft — überall steckt dasselbe Grundmuster dahinter.
Verursacher sind keine Pilze, sondern Fäulnisbakterien — vor allem Arten der Gattungen Pectobacterium und Dickeya (früher unter Erwinia carotovora zusammengefasst), teils auch Pseudomonas. Diese Weichfäule-Erreger leben überall im Boden, im Wasser und an Pflanzenresten und warten nur auf zwei Dinge: eine Wunde, durch die sie eindringen können, und feucht-warme Bedingungen, unter denen sie sich explosionsartig vermehren. Die gute Nachricht: Weil die Nassfäule so eng an Verletzungen und Feuchte gekoppelt ist, hast du sie mit schonender Ernte, trockener Lagerung und sauberem Arbeiten erstaunlich gut im Griff — eine Heilung gibt es nämlich nicht.
Was ist die bakterielle Nassfäule? — Definition und Erreger
Die bakterielle Nassfäule — auch Bakterielle Weichfäule genannt — ist eine Sammelbezeichnung für Fäulnisprozesse, bei denen Bakterien das fleischige Gewebe von Pflanzen zersetzen. Verursacher sind keine Pilze, sondern echte Bakterien: vor allem Arten der Gattungen Pectobacterium und Dickeya, die früher gemeinsam als Erwinia carotovora geführt wurden, sowie teilweise Arten von Pseudomonas. Diese Erreger werden als Weich- oder Nassfäule-Bakterien zusammengefasst, weil sie alle denselben Trick beherrschen: Sie produzieren Enzyme, die das pflanzliche Bindemittel zwischen den Zellen auflösen. Dadurch verliert das Gewebe seinen Halt und zerfällt zu einer weichen, wässrigen Masse.
Das Besondere an der Nassfäule ist, dass sie ein Schwäche- und Wundparasit ist: Gesundes, unverletztes Gewebe können die Bakterien kaum angreifen. Sie brauchen eine Eintrittspforte — eine Wunde, eine natürliche Öffnung oder bereits geschädigtes Gewebe. Betroffen sind fast immer fleischige, wasserreiche Pflanzenteile: Kartoffelknollen, Zwiebeln, Kohl und Chinakohl, Sellerie und anderes Lagergemüse, dazu Wurzelgemüse wie Möhre und viele fleischige Zierpflanzen. An der Kartoffel tritt die Krankheit auch als Stängelnassfäule oder Schwarzbeinigkeit auf — dabei fault der Stängelgrund schwarz weg, während die Pflanze noch im Beet steht.
Im Unterschied zu vielen Pilzkrankheiten gibt es bei der Nassfäule keinen sichtbaren Belag, kein Myzel und keine Sporen — sondern weiches, zerfließendes Gewebe und den charakteristischen Gestank. Genau das macht sie zur klassischen Lagerkrankheit: Eine einzige angesteckte, feucht eingelagerte Knolle kann im warmen Lager binnen Tagen ihre Nachbarn anstecken und einen ganzen Vorrat zum Einsturz bringen.
| Eigenschaft | Bakterielle Nassfäule in Kürze |
|---|---|
| Erreger (wissenschaftlich) | Pectobacterium spp., Dickeya spp. (früher Erwinia carotovora), teils Pseudomonas spp. |
| Erregertyp | Bakterien (Fäulnis-/Weichfäule-Bakterien), Schwäche- und Wundparasiten |
| Betroffene Pflanzen | fleischiges Lagergemüse: Kartoffel, Zwiebel, Kohl, Chinakohl, Sellerie, Möhre; fleischige Zierpflanzen |
| Hauptsymptom | weiche, wässrig-schleimige Fäule; Gewebe zerfällt zu Brei; übelriechender, fauliger Geruch |
| Begünstigende Bedingungen | Feuchtigkeit/Staunässe, Wärme, Sauerstoffmangel, Wunden, warmes Lager |
| Übertragung / Eintritt | über Wunden (Ernte, Lager, Insekten, Frost) und natürliche Öffnungen; Boden, Wasser, Spritzwasser |
| Überdauerung | an Pflanzenresten, im Boden und im Wasser |
| Verwechslung | Pilzfäulen wie Grauschimmel und Sklerotinia, Trockenfäule (Fusarium), Kraut- und Braunfäule der Knolle |
Schadbild erkennen
Das Schadbild der bakteriellen Nassfäule ist so unverwechselbar wie unappetitlich. Befallenes Gewebe wird zunächst wässrig-glasig und verfärbt sich, dann wird es weich, und schließlich zerfällt es zu einem glitschig-schleimigen Brei. Drückst du auf eine befallene Stelle, fließt eine trübe, schleimige Flüssigkeit heraus, und die Oberfläche fällt regelrecht in sich zusammen. Das sicherste Erkennungsmerkmal ist aber der Geruch: ein durchdringender, fauliger, manchmal stechend-säuerlicher Gestank, der sofort die Nase erreicht. Bei Pilzfäulen fehlt dieser typische Verwesungsgeruch — wenn es so penetrant stinkt, sind fast immer Bakterien am Werk.
Der Befall beginnt fast immer an einer Eintrittsstelle: einer Quetschung, einem Schnitt, einer Druckstelle, einem Insektenfraßloch oder einem Frostriss. Von dort breitet sich die Fäule in das fleischige Gewebe aus, oft mit einem deutlich abgegrenzten Rand zwischen dem matschigen, kranken und dem noch festen Bereich. An der Kartoffel fault das Innere der Knolle weg, während die Schale anfangs noch erstaunlich intakt aussehen kann — ein Druck genügt, und die Knolle bricht ein. Als Stängelnassfäule / Schwarzbeinigkeit zeigt sich an der Kartoffelpflanze im Beet ein schwarz faulender, schleimiger Stängelgrund; die Pflanze vergilbt, welkt und kippt um.
An der Zwiebel beginnt die Fäule häufig im Hals und arbeitet sich nach unten; die Zwiebel wird weich, matschig und fällt zusammen, wenn man sie drückt. Beim Chinakohl und Kopfkohl fault das Herz von innen heraus weg, oft mit braun-schwarzen, glasigen Blattbasen. Sellerie, Möhre und anderes Lagergemüse zeigen dasselbe Muster: weiche, schleimige, stinkende Fäulnisherde, die sich rasch ausbreiten. Besonders tückisch ist der Verlauf im Lager: Eine unscheinbar angesteckte, feucht eingelagerte Knolle oder Zwiebel überzieht sich nicht etwa mit Schimmel, sondern zerfließt — und der austretende Schleim steckt die direkt anliegenden Nachbarn an, sodass sich ein Fäulnisnest bildet, das von Stück zu Stück wächst.
| Symptom | Wo an der Pflanze | Verlauf |
|---|---|---|
| Wässrig-glasige, weiche Stellen | Knollen, Zwiebeln, Kohl, Sellerie, Wurzeln | erstes Anzeichen, ausgehend von einer Wunde |
| Schleimiger, zerfließender Brei | fleischiges Innengewebe | Gewebe verliert Halt, zerfällt; trüber Schleim tritt aus |
| Übelriechender, fauliger Geruch | gesamte befallene Stelle | begleitet die Fäule, sicherstes Erkennungszeichen |
| Schwarz faulender Stängelgrund | Kartoffelstängel im Beet (Schwarzbeinigkeit) | Pflanze vergilbt, welkt und kippt um |
| Von innen wegfaulendes Herz | Chinakohl, Kopfkohl | Blattbasen werden glasig-braun, Kopf fällt zusammen |
| Wachsendes Fäulnisnest | gelagerte Knollen, Zwiebeln, Gemüse | austretender Schleim steckt anliegende Nachbarn an |
Ursache & Biologie
Um die bakterielle Nassfäule zu verstehen, musst du drei Dinge zusammendenken: die Erreger, ihren Weg ins Gewebe und die Bedingungen, unter denen sie explodieren. Die Fäulnisbakterien — Pectobacterium, Dickeya, teils Pseudomonas — sind im Garten praktisch allgegenwärtig. Sie leben im Boden, im Wasser und an Pflanzenresten und überdauern dort von Saison zu Saison. Eine bakterienfreie Umgebung gibt es im Freiland nicht; entscheidend ist allein, ob die Bakterien einen Weg ins Pflanzeninnere finden und dort gute Vermehrungsbedingungen vorfinden.
Genau hier liegt der Schlüssel: Die Bakterien können gesunde, unverletzte Pflanzenhaut nicht durchdringen. Sie sind auf Wunden angewiesen — Quetschungen und Druckstellen von der Ernte, Schnitt- und Schälverletzungen, Insektenfraß, Frostrisse, durch andere Krankheiten geschädigtes Gewebe — sowie auf natürliche Öffnungen wie Spaltöffnungen oder die Lentizellen (Korkporen) der Kartoffelschale. Sind sie einmal im fleischigen Gewebe, geben sie die zellauflösenden Enzyme ab, die das Bindemittel zwischen den Zellen zersetzen. Das Gewebe verliert seinen Zusammenhalt und zerfällt — die typische Weichfäule entsteht.
Damit aus ein paar Bakterien eine massive Fäule wird, müssen drei Begünstiger zusammenkommen: Feuchtigkeit, Wärme und Sauerstoffmangel. Feuchtigkeit — etwa Staunässe im Beet, Kondenswasser im Lager oder Spritzwasser — gibt den Bakterien das nötige Wasser. Wärme beschleunigt ihre Vermehrung enorm, weshalb ein zu warmes Lager der häufigste Auslöser für Lagerverluste ist. Und Sauerstoffmangel — etwa in einer dichten, schlecht belüfteten, feuchten Lagerschicht oder im wassergesättigten Boden — verschiebt das Milieu zugunsten dieser Bakterien, die unter Luftabschluss besonders gut gedeihen. Sind diese Bedingungen erfüllt, vermehren sich die Erreger explosionsartig, und die Fäule frisst sich rasch durch das Gewebe und im Lager von Stück zu Stück weiter.
Wichtig zur Einordnung: Die Nassfäule ist zwar übertragbar — über austretenden Schleim, Spritzwasser, kontaminierte Werkzeuge, Erde und Insekten gelangen die Bakterien von Stück zu Stück und von Pflanze zu Pflanze. Sie ist aber keine Krankheit, die gesunde Bestände aus der Luft heraus überrennt wie ein Sporenpilz. Sie braucht immer die Kombination aus Eintrittswunde und Feuchte-Wärme. Genau das ist die gute Nachricht für die Vorbeugung: Wer Verletzungen vermeidet und trocken-kühl lagert, nimmt den Bakterien die beiden Dinge, ohne die sie nichts ausrichten.
| Faktor | Warum er die Nassfäule fördert |
|---|---|
| Wunden & Verletzungen | einzige Eintrittspforte — ohne Wunde kaum Befall |
| Feuchtigkeit / Staunässe | Bakterien brauchen Wasser; Nässe im Beet und Lager treibt die Fäule |
| Wärme | beschleunigt die Bakterienvermehrung stark — warmes Lager = hohes Risiko |
| Sauerstoffmangel | dichte, feuchte Lagerung und nasser Boden begünstigen die Weichfäule-Erreger |
| Natürliche Öffnungen | Lentizellen und Spaltöffnungen als zusätzliche Eintrittswege |
| Befallenes Nachbargewebe | austretender Schleim steckt anliegende Stücke direkt an |
| Erregerquellen | Boden, Wasser, Pflanzenreste, kontaminiertes Werkzeug und Pflanzgut |
Vorbeugen
Weil es gegen die bakterielle Nassfäule keine Heilung gibt, ist die Vorbeugung praktisch die ganze Miete — und sie ist erfreulich konkret machbar, weil die Krankheit so eindeutig von Wunden und Feuchte-Wärme abhängt. Der rote Faden lautet: nicht verletzen, trocken und kühl lagern, sauber arbeiten. Wenn du der Ware keine Eintrittswunden zufügst und ihr im Lager weder Feuchtigkeit noch Wärme gönnst, fehlt den Bakterien die Grundlage, noch bevor sie loslegen.
Der wichtigste Hebel beginnt schon bei der Ernte: Geh schonend vor, vermeide Quetschungen, Druck- und Schnittstellen, und transportiere die Ware vorsichtig, ohne sie zu werfen oder zu stoßen. Ernte möglichst bei trockener Witterung und lass die Knollen, Zwiebeln und das Lagergemüse vor dem Einlagern gut abtrocknen (bei Kartoffeln und Zwiebeln ist das Abhärten der Schale besonders wichtig). Lagere ausschließlich gesunde, unbeschädigte und gut abgetrocknete Stücke ein — jede angeschlagene oder leicht angefaulte Knolle ist ein Startpunkt für ein Fäulnisnest. Das Lager selbst sollte trocken, kühl und luftig sein, damit weder Wärme noch Kondenswasser die Bakterien füttern; eine gute Luftzirkulation hält die Ware trocken und beugt Sauerstoffmangel vor.
Im Beet geht es vor allem darum, Staunässe zu vermeiden — durch lockeren, gut durchlässigen Boden, maßvolles Gießen und das Anlegen leicht erhöhter Dämme bei der Kartoffel. Eine konsequente Hygiene entzieht den Bakterien Quellen: Entferne Pflanzenreste, reinige Werkzeuge und Lagerkisten, und sortiere kranke Stücke konsequent aus. Verwende nur gesundes Pflanz- und Saatgut beziehungsweise einwandfreie Pflanzkartoffeln, und halte eine weite Fruchtfolge ein, damit sich die Erreger im Boden nicht anreichern. Schon während der Lagerung gilt: regelmäßig kontrollieren und befallene Stücke sofort aussortieren, bevor sie ihre Nachbarn anstecken.
| Maßnahme | So beugst du vor |
|---|---|
| Schonend ernten & transportieren | Quetschungen, Druck- und Schnittstellen vermeiden — keine Eintrittswunden |
| Trocken ernten & abtrocknen lassen | gut abgehärtete, trockene Schale erschwert den Bakterien den Einstieg |
| Nur gesunde Ware einlagern | beschädigte und angefaulte Stücke konsequent aussortieren |
| Trocken, kühl, luftig lagern | weder Wärme noch Kondenswasser; gute Luftzirkulation |
| Staunässe im Beet vermeiden | durchlässiger Boden, maßvoll gießen, Kartoffeln anhäufeln |
| Hygiene | Pflanzenreste, Werkzeuge und Lagerkisten sauber halten |
| Gesundes Pflanzgut & Fruchtfolge | einwandfreie Pflanzkartoffeln, weite Anbaupausen senken den Bodendruck |
| Lager regelmäßig kontrollieren | kranke Stücke sofort entfernen, bevor das Fäulnisnest wächst |
Bekämpfen
Hier muss man ehrlich sein: Gegen die bakterielle Nassfäule gibt es keine Heilung und keine sinnvolle Spritzung. Ist ein Stück erst einmal befallen, lässt es sich nicht retten — Fungizide wirken gegen Bakterien ohnehin nicht, und für den Hausgarten gibt es kein Mittel, das eine bestehende Weichfäule stoppt. Die gesamte „Bekämpfung” ist deshalb in Wahrheit Schadensbegrenzung: das befallene Material schnell aus dem Verkehr ziehen, die Ausbreitung stoppen und für die Zukunft konsequent vorbeugen.
Der erste und wichtigste Schritt ist, befallene Pflanzen, Knollen, Zwiebeln und Gemüsestücke sofort und vollständig zu entfernen. Wartest du zu, frisst sich die Fäule weiter und der austretende Schleim steckt die Nachbarn an. Entsorge das matschige Material über den Restmüll, nicht über den Kompost — die Fäulnisbakterien überdauern an Pflanzenresten und kämen mit dem Kompost in den Garten zurück. Im Lager heißt das: Kontrolliere die eingelagerte Ware regelmäßig, hole jedes weiche, stinkende oder verdächtige Stück heraus und prüfe auch die direkten Nachbarn, denn ein Fäulnisnest breitet sich von Stück zu Stück aus. Halte das Lagerklima trocken und kühl und sorge für gute Belüftung — das ist die wirksamste laufende Gegenmaßnahme, weil sie den Bakterien die Wärme und Feuchte nimmt, die sie zum Weiterfaulen brauchen.
Steht die Nassfäule als Schwarzbeinigkeit an der Kartoffel im Beet, entfernst du die befallenen Pflanzen samt schwarz faulendem Stängelgrund möglichst frühzeitig, um die Bakterienquelle aus dem Bestand zu nehmen. Reinige nach dem Arbeiten mit befallenem Material Hände und Werkzeuge, damit du die Erreger nicht auf gesunde Stücke überträgst. Und dann gilt: Weil sich der akute Befall nicht heilen lässt, verlagert sich alles auf die nächste Saison — schonend ernten, gesundes Pflanzgut, weite Fruchtfolge und vor allem trockene, kühle Lagerung. Wer hier sauber arbeitet, hat die Nassfäule weitgehend im Griff, auch ohne jedes Spritzmittel.
| Stufe | Maßnahme | Was womit / Hinweis |
|---|---|---|
| 1. Sofort entfernen | befallene Stücke und Pflanzen vollständig herausnehmen | nicht warten — Schleim steckt Nachbarn an |
| richtig entsorgen | Restmüll, nicht Kompost (Bakterien überdauern an Resten) | |
| 2. Ausbreitung stoppen | Lager regelmäßig kontrollieren, Nachbarstücke prüfen | Fäulnisnest früh herausbrechen |
| Klima trockenlegen | Lager trocken, kühl und luftig halten | |
| 3. Hygiene | Hände, Werkzeuge, Kisten reinigen | keine Verschleppung auf gesunde Ware |
| 4. Keine „Heilung” | keine Spritzung, kein Fungizid hilft | bei akutem Befall nur Schadensbegrenzung |
| 5. Nächste Saison | schonend ernten, gesundes Pflanzgut, Fruchtfolge, trockene Lagerung | Vorbeugen ist die eigentliche „Bekämpfung” |
Eine klassische Schadschwelle im Sinne wandernder Schädlinge gibt es bei der Nassfäule nicht — sobald ein Stück fault, muss es raus, denn es gefährdet die ganze Charge. Mehr zum Konzept, ab wann ein Eingreifen sich überhaupt lohnt und warum es hier keine Toleranzgrenze gibt, findest du unter Schadschwelle. Die praktische Regel lautet: lieber ein verdächtiges Stück zu viel aussortieren als ein faulendes zu lange im Lager dulden.
Häufige Fehler und Mythen
„Ein Fungizid oder eine Spritzung bringt die faulende Knolle wieder in Ordnung.” Nein. Die Nassfäule wird von Bakterien verursacht, gegen die Fungizide grundsätzlich nicht wirken — und ein einmal zerfallenes Gewebe lässt sich ohnehin nicht reparieren. Es gibt im Hausgarten kein Mittel, das eine bestehende Weichfäule heilt. Die einzige Antwort ist Entfernen und Vorbeugen.
„Die matschigen Stücke kann ich einfach auf den Kompost werfen.” Besser nicht. Die Fäulnisbakterien überdauern an Pflanzenresten und gelangen mit dem Kompost wieder in den Garten und ans nächste Lagergemüse. Befallenes Material gehört in den Restmüll, nicht auf den Kompost.
„Eine einzelne faulige Knolle im Vorrat ist nicht weiter schlimm.” Im Gegenteil — sie ist der Zünder. Aus dem austretenden Schleim steckt sie im warmen, feuchten Lager rasch die direkten Nachbarn an, und aus einem Stück wird ein wachsendes Fäulnisnest. Kontrolliere regelmäßig und hole jedes verdächtige Stück sofort heraus.
„Die Nassfäule kommt von selbst, da kann man nichts machen.” Falsch. Die Bakterien brauchen immer eine Wunde und Feuchte-Wärme, um loszulegen. Wer schonend erntet, abtrocknen lässt und trocken-kühl lagert, nimmt ihnen genau diese Voraussetzungen — die Nassfäule ist sehr gut vermeidbar.
„Warm und dicht gelagert hält die Ernte am besten.” Das ist die ideale Einladung zur Nassfäule. Wärme beschleunigt die Bakterienvermehrung, Dichte und Feuchte führen zu Kondenswasser und Sauerstoffmangel. Lagere kühl, trocken und luftig — das ist der wirksamste Schutz.
Abgrenzung zu verwechselbaren Fäulen
Faulendes Lagergemüse hat nicht immer dieselbe Ursache. Die entscheidenden Fragen bei der Abgrenzung lauten: Wie fühlt sich die Fäule an, gibt es einen Belag, und wie riecht es? Die bakterielle Nassfäule ist weich, schleimig und stinkt faulig — und genau das unterscheidet sie von den Pilzfäulen. Diese Übersicht hilft beim Auseinanderhalten.
| Schaden | Ursache | Typisches Erkennungszeichen | Unterschied zur Nassfäule |
|---|---|---|---|
| Bakterielle Nassfäule | Bakterien (Pectobacterium, Dickeya) | weiches, schleimiges, zerfließendes Gewebe, fauliger Gestank, kein Belag | die hier beschriebene Krankheit |
| Grauschimmel | Pilz (Botrytis cinerea) | grau-brauner, stäubender Pilzpelz auf der Fäule | sichtbares Pilzgeflecht und Sporen; nicht der reine, stinkende Schleim |
| Sklerotinia | Pilz (Sclerotinia) | weißes, watteartiges Myzel mit großen schwarzen Sklerotien | sichtbares Pilzgeflecht und Dauerkörper; anderer Geruch |
| Trockenfäule (Fusarium) | Pilz (Fusarium) | eher trocken-eingesunkene, schrumpelige Stellen, oft mit Pilzpolstern | trocken statt schleimig; kein fauliger Verwesungsgestank |
| Kraut- und Braunfäule der Knolle | Eipilz (Phytophthora infestans) | braun-marmorierte, innen rostbraune Fäule der Knolle | oft Vorläufer, dem dann die bakterielle Nassfäule folgt |
Zwei Abgrenzungen sind besonders praxisrelevant. Gegen die Pilzfäulen (Grauschimmel, Sklerotinia, Trockenfäule): Achte auf einen sichtbaren Belag — grauer Pelz, weißes Wattegeflecht, schwarze Sklerotien oder Pilzpolster. Wo ein solches Pilzgeflecht zu sehen ist, sind Pilze am Werk; die reine bakterielle Nassfäule zeigt keinen Belag, sondern nur weichen Schleim und den fauligen Gestank. Und beachte das Zusammenspiel mit der Kraut- und Braunfäule: An der Kartoffel öffnet die Phytophthora-Fäule oft das Tor, durch das die Nassfäule-Bakterien dann nachrücken — eine zunächst typisch braun-marmorierte Knolle kann im Lager zusätzlich in stinkenden Schleim übergehen.
Mitnehmen
-
Bakterien, keine Pilze. Die bakterielle Nassfäule (Bakterielle Weichfäule) wird von Fäulnisbakterien wie Pectobacterium und Dickeya (früher Erwinia carotovora) verursacht, die das Gewebe von innen auflösen — kein Pilz, kein Myzel, keine Sporen.
-
Das Schadbild ist eindeutig. Weiches, wässrig-schleimiges Gewebe, das zu Brei zerfällt, mit durchdringendem, fauligem Gestank — an der Kartoffel auch als schwarz faulender Stängelgrund (Schwarzbeinigkeit), am Kohl als wegfaulendes Herz.
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Wunden plus Feuchte-Wärme sind der Auslöser. Die Bakterien dringen nur über Verletzungen und natürliche Öffnungen ein und vermehren sich bei Feuchtigkeit, Wärme und Sauerstoffmangel explosionsartig — vor allem im warmen, feuchten Lager.
-
Vorbeugen ist alles. Schonend ernten ohne Quetschen, trocken ernten und abtrocknen lassen, nur gesunde Ware trocken, kühl und luftig lagern, Staunässe meiden, sauber arbeiten, gesundes Pflanzgut und weite Fruchtfolge.
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Keine Heilung — nur Schadensbegrenzung. Es gibt keine wirksame Spritzung. Befallene Stücke sofort entfernen und über den Restmüll entsorgen (nicht kompostieren), das Lager regelmäßig kontrollieren und kranke Stücke aussortieren.
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Eine faule Knolle ist der Zünder. Im warmen, feuchten Lager steckt austretender Schleim die Nachbarn an und lässt ein Fäulnisnest wachsen — lieber ein verdächtiges Stück zu viel aussortieren als ein faulendes zu lange dulden.
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