Monat für Monat wissen, was im Gemüsegarten sinnvoll ist

Gallmücken & Gallmilben — die Gallbildner, die Knospen, Blätter und Früchte verformen

Gallmücken & Gallmilben — die Gallbildner, die Knospen, Blätter und Früchte verformen

Du gehst durch den Garten und entdeckst seltsame Wucherungen: das Herz deines jungen Kohls ist verdreht und treibt nicht weiter, an den Birnenblättern sitzen gelb-rote Pocken wie kleine Blasen, die Johannisbeere trägt im Winter merkwürdig dicke, kugelige Knospen, und am Ahorn leuchten rote Hörnchen auf den Blättern. So unterschiedlich diese Erscheinungen aussehen, sie haben eines gemeinsam: Es sind Gallen — krankhafte Wucherungen, die ein winziges Tier in der Pflanze auslöst. Die meisten Gärtner stehen ratlos davor, weil die Verursacher selbst kaum oder gar nicht zu sehen sind.

Hinter den Gallen stecken zwei sehr verschiedene Tiergruppen, die man oft in einem Atemzug nennt: die Gallmücken (winzige Mücken, also echte Insekten) und die Gallmilben (mikroskopisch kleine Spinnentiere). Bevor du zu Schere oder Spritze greifst, lohnt sich genaues Hinsehen — denn ein großer Teil aller Gallen ist vollkommen harmlos und der Pflanze völlig gleichgültig, während einige wenige Arten ernsthaften Schaden anrichten oder sogar Viren übertragen. Auf dieser Seite lernst du, die Gallbildner sauber einzuordnen, die wichtigen Schadbilder zu erkennen und nur dort einzugreifen, wo es sich wirklich lohnt.


Was sind Gallmücken & Gallmilben?

Als Gallbildner fasst man Tiere zusammen, die in einer Pflanze eine Galle auslösen — eine örtlich begrenzte Wucherung aus pflanzlichem Gewebe, in der das Tier geschützt lebt und frisst. Bei den hier behandelten Verursachern handelt es sich um zwei völlig verschiedene Tiergruppen, die man nur wegen des ähnlichen Schadbilds gemeinsam betrachtet:

Die Gallmücken (Cecidomyiidae) sind winzige, langbeinige Mücken und damit echte Insekten (Zweiflügler, sechs Beine). Ihre weichen, oft orange-gelblichen Maden entwickeln sich im Inneren der Galle. Bekannte schädliche Arten sind die Kohldrehherzmücke (Contarinia nasturtii) und die Birnengallmücke (Contarinia pyrivora). Wichtig zu wissen: Nicht alle Gallmücken schaden — einige sind sogar wertvolle Nützlinge, allen voran die räuberische Gallmücke Aphidoletes aphidimyza, deren Larven Blattläuse vertilgen.

Die Gallmilben (Eriophyidae) dagegen sind keine Insekten, sondern winzige Spinnentiere. Sie sind mit bloßem Auge unsichtbar (oft unter 0,2 mm), wurmförmig gebaut und tragen — anders als alle anderen Milben und Spinnentiere — nur zwei Beinpaare ganz vorn am Körper. Du erkennst sie ausschließlich an ihren Gallen. Wichtige Arten im Garten sind die Birnenpockenmilbe (Eriophyes pyri) und die Johannisbeergallmilbe (Cecidophyopsis ribis), die zusätzlich das gefürchtete Reversionsvirus übertragen kann.

MerkmalGallmücken (Cecidomyiidae)Gallmilben (Eriophyidae)
EinordnungInsekten (Zweiflügler/Mücken), 6 Beine, FlügelSpinnentiere (Milben), wurmförmig, nur 4 Beine (2 Paare vorn)
GrößeMücke wenige Millimeter, Made meist 1–3 mmmikroskopisch klein, meist unter 0,2 mm — mit bloßem Auge unsichtbar
BefallspflanzenKohl, Birne, Weizen, viele Zier- und WildpflanzenBirne, Johannisbeere, Ahorn, Reben, Obst- und Laubgehölze
SchadenDrehherz beim Kohl, schwarze Birnenfrüchtchen — daneben viele harmlose GallenBlattpocken, Filzgallen, Rundknospen; teils Virusübertragung
Generationen/Jahrje nach Art eine bis mehrereoft mehrere, überlappende Generationen in Knospen und Gallen
Überwinterungals Larve oder Puppe im Boden oder in Pflanzenrestenals adulte Milben in Knospen, Gallen oder Knospenschuppen
Hauptgegenspielerbegrenzt; manche Gallmücken sind selbst Nützlingesehr begrenzt; Raubmilben spielen kaum eine Rolle

Erkennen & Schadbild

Die Verursacher selbst wirst du fast nie zu Gesicht bekommen. Gallmücken sind als winzige Mücken nur kurz und unauffällig unterwegs; ihre Maden entdeckst du allenfalls, wenn du eine Galle oder ein befallenes Früchtchen aufschneidest. Gallmilben sind ohnehin nur unter dem Mikroskop sichtbar. Deshalb richtet sich dein Blick auf das, was die Tiere hinterlassen: die Galle selbst. Und die ist je nach Art sehr verschieden — von dramatisch schädlich bis vollkommen harmlos.

Bei der Kohldrehherzmücke legt das Weibchen seine Eier ins Herz junger Kohlpflanzen; die Maden saugen am Vegetationspunkt. Die Folge ist ein verdrehtes, „drehherziges” Kohlherz — die Pflanze treibt verkrüppelt, vielblättrig oder gar nicht weiter, ein vermarktbarer Kopf bleibt aus. Die Birnengallmücke befällt die jungen Fruchtansätze: Die Früchtchen werden früh schwarz, deformiert und fallen ab; schneidest du sie auf, wimmelt es im Inneren von weißen Maden. Die Birnenpockenmilbe erzeugt auf den Birnenblättern zunächst gelb-rote, später schwarze Pocken und Blasen — auffällig, aber meist nur kosmetisch. Die Johannisbeergallmilbe lässt die Knospen kugelig aufschwellen zu sogenannten „Rundknospen”, die im Frühjahr nicht austreiben, sondern vertrocknen.

Demgegenüber stehen die vielen harmlosen Gallen, die du getrost ignorieren kannst: die leuchtend roten Hörnchengallen auf Ahornblättern (durch eine Gallmilbe), Filzgallen, Pustelgallen und ähnliche Wucherungen an Laubbäumen. Sie sehen mitunter alarmierend aus, beeinträchtigen die Pflanze aber nicht nennenswert.

SchadbildWie es entstehtWoran du es erkennst
Drehherz (Kohl)Maden der Kohldrehherzmücke saugen im Herz der jungen Pflanzeverdrehte, verkrüppelte Herzblätter, kein Kopfansatz, „herzloser” Wuchs
Schwarze BirnenfrüchtchenMaden der Birnengallmücke fressen im jungen Fruchtansatzfrüh geschwärzte, aufgeblähte, abfallende Früchtchen mit weißen Maden innen
Blattpocken (Birne)Birnenpockenmilbe saugt im Blattgewebegelb-rote, später schwarze Pocken und Blasen auf den Birnenblättern
Rundknospen (Johannisbeere)Johannisbeergallmilbe lebt massenhaft in den Knospenkugelig aufgeschwollene, runde Knospen, die im Frühjahr nicht austreiben
Harmlose BlattgallenGallmilben/Gallmücken an Laubgehölzen (z. B. Ahorn)rote Hörnchen, Filz- oder Pustelgallen ohne Schaden an der Gesundheit

Eine einfache Faustregel hilft dir beim ersten Einordnen: Sitzt die Galle an Nutzteilen — am Kohlherz, an Früchten oder an den Knospen von Beerensträuchern —, schau genau hin, denn hier kann es ernst werden. Sitzt die Galle dagegen nur auf Blättern von Laubbäumen und Ziergehölzen, ist sie fast immer harmlos und du kannst sie als naturkundliche Kuriosität stehen lassen.


Lebensweise & Vermehrung

So verschieden die beiden Tiergruppen sind, ihr Erfolgsprinzip ähnelt sich: Sie leben geschützt im Inneren der Galle, die ihnen die Pflanze selbst baut. Dort sind sie weitgehend vor Witterung, Spritzmitteln und vielen Feinden abgeschirmt — das macht eine direkte Bekämpfung so schwierig. Erkannt wird der Befall meist erst, wenn die Galle längst gebildet und das Tier im Inneren bereits versorgt ist.

Die Gallmücken durchlaufen einen typischen Insektenzyklus: Aus dem Ei schlüpft die Made, die in der Galle frisst, anschließend verpuppt sich das Tier — bei vielen Arten im Boden — und schlüpft als adulte Mücke zur Eiablage. Die Kohldrehherzmücke bildet in warmen Jahren mehrere Generationen, sodass der Befallsdruck über die Saison anhalten kann; sie überwintert als Larve oder Puppe im Boden. Die Birnengallmücke hat dagegen meist nur eine Generation, deren Flugzeit eng an die Birnenblüte gekoppelt ist.

Die Gallmilben vermehren sich anders: Sie überdauern als adulte Tiere geschützt in Knospen oder Gallen, oft in großer Zahl, und wandern im Frühjahr in die frisch austreibenden Knospen und Blätter ein, wo die nächste Galle entsteht. Bei der Johannisbeergallmilbe sitzen in einer einzigen Rundknospe tausende Milben — und mit ihnen kann das Reversionsvirus weitergegeben werden, das die Sträucher dauerhaft ertragsschwach macht.

PhaseGallmückenGallmilben
Überwinterungals Larve oder Puppe im Boden oder in Pflanzenrestenals adulte Milben dicht gedrängt in Knospen oder Gallen
FrühjahrSchlupf der Mücken, Eiablage an Herz, Frucht oder TriebAuswanderung aus den Knospen in den frischen Austrieb
EntwicklungMade frisst in der Galle, verpuppt sich (oft im Boden)Milben saugen im jungen Gewebe, die Galle wächst um sie herum
Generationeneine (Birnengallmücke) bis mehrere (Kohldrehherzmücke)meist mehrere, überlappende Generationen pro Jahr
Besonderheitmanche Arten sind Nützlinge (Aphidoletes)Übertragung von Viren möglich (Reversionsvirus)

Aus dieser Biologie folgt der wichtigste praktische Hebel: Weil die Tiere im Verborgenen überdauern — in befallenen Knospen, alten Gallen, Fallfrüchten oder im Boden unter der Pflanze —, lässt sich der Startbestand für das nächste Jahr durch konsequente Hygiene spürbar senken. Wer befallene Knospen, geschwärzte Früchtchen und alte Gallen entfernt und entsorgt, nimmt der nächsten Generation einen großen Teil ihrer Grundlage.


Natürliche Gegenspieler

Bei den schädlichen Gallbildnern musst du dich auf eine unbequeme Wahrheit einstellen: Die natürlichen Gegenspieler sind begrenzt. Sobald das Tier in seiner Galle sitzt, ist es für die meisten Räuber und Parasiten schwer erreichbar — genau das ist der biologische Sinn der Galle. Einen allgemeinen Überblick über die Helfer im Garten findest du auf der Seite Nützlinge.

Bei den Gallmücken greifen vor allem Schlupfwespen an, die ihre Eier in die Maden legen, sowie räuberische Bodentiere wie Laufkäfer, die verpuppungsbereite Larven und Puppen im Boden erbeuten. Eine wichtige Klarstellung gehört hierher: Längst nicht jede Gallmücke ist ein Schädling. Die räuberische Gallmücke Aphidoletes aphidimyza ist ein geschätzter Nützling, deren orangefarbene Larven große Mengen Blattläuse vertilgen — du solltest „Gallmücke” also nie pauschal mit „Schädling” gleichsetzen.

Bei den Gallmilben ist die Lage schwieriger. Räuberische Milben spielen kaum eine Rolle, weil die Gallmilben tief in Knospen und Gallen verborgen sitzen — anders als die frei lebende Spinnmilbe, gegen die Raubmilben gut wirken. Bei den Gallmilben bleibt die natürliche Regulierung daher schwach, und die Hygiene durch Herausschneiden bleibt das wichtigste Mittel.

GegenspielerWirkt gegenBesonderheit
SchlupfwespenGallmücken-Madenparasitieren die Maden in der Galle, oft hohe natürliche Parasitierungsrate
LaufkäferGallmücken (Boden)erbeuten Larven und Puppen im Boden unter der Pflanze
RaubmilbenGallmilben (begrenzt)erreichen die in Knospen versteckten Gallmilben kaum — geringe Wirkung
Räuberische Gallmücke (Aphidoletes)— (selbst Nützling)KEIN Schädling: ihre Larven fressen Blattläuse, gezielt einsetzbar

Der wichtigste Schluss daraus: Verlass dich bei den schädlichen Gallbildnern nicht allein auf Nützlinge. Schaffe Lebensraum für Schlupfwespen und Laufkäfer, verzichte auf Breitbandgifte, die diese Helfer mit treffen — aber rechne damit, dass du bei Kohldrehherzmücke und Johannisbeergallmilbe vor allem mit Hygiene, Netz und Sortenwahl arbeiten musst.


Vorbeugen & Regulieren

Bevor du tätig wirst, steht hier ganz besonders die Frage am Anfang: Schadet die Galle überhaupt? Ein riesiger Teil aller Gallen — fast alle Blattgallen an Ahorn, Linde und anderen Laubgehölzen — ist vollkommen harmlos und braucht keinerlei Maßnahme. Bevor du eingreifst, prüfe also die Schadschwelle: Nur wenn Nutzteile betroffen sind (Kohlherz, Früchte, Beerenknospen) und der Befall ein wirtschaftlich oder gärtnerisch relevantes Ausmaß erreicht, lohnt sich überhaupt eine Reaktion. Greife dann abgestuft ein, vom Schonendsten zum Stärksten.

  1. Vorbeugen über Hygiene, Sortenwahl und Standortwechsel.
  2. Mechanisch/kulturell befallene Teile entfernen, Netze und Fruchtfolge nutzen.
  3. Biologisch Lebensraum für Schlupfwespen und Laufkäfer schaffen.
  4. Letztes Mittel nur in seltenen Ausnahmefällen — bei Gallbildnern meist wirkungslos.
MaßnahmeStufeWann / wie
Harmlose Gallen belassenVorbeugenBlattgallen an Ahorn & Co. einfach stehen lassen — keine Bekämpfung nötig
Befallene Teile entfernenMechanisch/kulturellDrehherz-Pflanzen, schwarze Birnenfrüchtchen, Gallen und Blütenstände früh ausbrechen
Rundknospen herausschneidenMechanisch/kulturellaufgeschwollene Johannisbeerknospen samt Trieb entfernen und entsorgen (nicht kompostieren)
Netz/Vlies auflegenMechanisch/kulturellKohl mit engmaschigem Kulturschutznetz gegen die Eiablage der Drehherzmücke schützen
Weite FruchtfolgeVorbeugenKohl nach den Regeln der Fruchtfolge jährlich an neue Stelle setzen
Robuste Sorten / PflanzgutVorbeugenvirusfreies, gesundes Pflanzgut wählen; bei Johannisbeeren toleranten Sorten Vorzug geben
Fallobst & Reste räumenVorbeugenbefallene Früchtchen und Pflanzenreste aufsammeln, damit keine Larven im Boden überdauern
Nützlinge fördernBiologischLebensraum für Schlupfwespen und Laufkäfer schaffen, auf Breitbandgift verzichten
InsektizidLetztes Mittelbei Gallbildnern meist wirkungslos (Tier sitzt geschützt) — kaum sinnvoll, nur sehr selten begründbar

Der entscheidende Punkt bei den Gallbildnern ist, dass die klassische Spritze fast immer versagt: Das Tier sitzt tief in der Galle oder Knospe und wird vom Mittel kaum erreicht. Dein wirksamster Hebel ist deshalb die Hygiene in Kombination mit klugem Timing. Schneide bei der Johannisbeere die kugeligen Rundknospen im Winter samt befallener Triebe heraus und entsorge sie über den Restmüll, nicht den Kompost — so unterbrichst du zugleich die Weitergabe des Reversionsvirus. Beim Kohl ist das engmaschige Netz über die anfällige Jugendphase die zuverlässigste Vorbeugung gegen die Drehherzmücke, ergänzt durch eine weite Fruchtfolge. Befallene Birnenfrüchtchen liest du auf, bevor die Maden in den Boden abwandern.

Und der wichtigste Hinweis bleibt: Tu bei den harmlosen Gallen einfach nichts. Die roten Hörnchen am Ahorn, die Filzgallen und Pusteln an Laubblättern kosten die Pflanze nichts und sind ein faszinierendes Stück Naturkunde — jede Bekämpfung wäre verschwendete Mühe und schadet eher den Nützlingen.


Häufige Fehler und Mythen

„Jede Galle ist eine Krankheit und muss weg.” Falsch — der größte Teil aller Gallen ist vollkommen harmlos. Rote Hörnchengallen am Ahorn, Filz- und Pustelgallen an Laubblättern stören die Pflanze nicht im Geringsten. Hier ist Nichtstun die richtige „Maßnahme”.

„Gallmücken und Gallmilben sind das Gleiche.” Nein, das sind zwei völlig verschiedene Tiere. Gallmücken sind Insekten (winzige Mücken mit sechs Beinen und Flügeln), Gallmilben sind Spinnentiere (wurmförmig, mit nur vier Beinen, mikroskopisch klein). Das ist mehr als Wortklauberei, denn ihre Lebensweise und die sinnvollen Gegenmaßnahmen unterscheiden sich.

„Eine Gallmücke ist immer ein Schädling.” Stimmt nicht. Die räuberische Gallmücke Aphidoletes aphidimyza ist ein wertvoller Nützling, deren Larven Blattläuse vertilgen — sie wird im Gewächshaus sogar gezielt ausgebracht. „Gallmücke” ist ein Sammelbegriff, kein Schimpfwort.

„Gegen Gallbildner hilft eine Spritzung.” Meist nicht. Das Tier sitzt geschützt tief in der Galle oder Knospe und wird vom Mittel kaum erreicht. Hygiene, Netz, Herausschneiden und Fruchtfolge sind hier fast immer wirksamer als jede Spritze.

„Dicke Johannisbeerknospen sind nur ein Zeichen guter Ernte.” Genau das Gegenteil. Kugelig aufgeschwollene Rundknospen sind von der Johannisbeergallmilbe besetzt, treiben nicht aus und können das Reversionsvirus tragen — sie gehören samt Trieb herausgeschnitten und entsorgt.


Abgrenzung zu ähnlichen Wucherungen

Nicht jede Verdickung oder Wucherung an einer Pflanze stammt von Gallmücken oder Gallmilben. Andere Verursacher — Pilze, Wespen, Blattläuse oder Bakterien — erzeugen ähnlich aussehende Strukturen, brauchen aber ganz andere Maßnahmen. Diese Übersicht hilft beim Auseinanderhalten.

WucherungVerursacherWie du sie von Gallmücken/Gallmilben unterscheidest
Gallmücken-GallenInsekt (Mücke)weiche Made im Inneren; an Kohlherz, Frucht oder als Blattgalle
Gallmilben-GallenSpinnentier (Milbe)Pocken, Filz oder Rundknospen; Verursacher mikroskopisch klein, unsichtbar
Wurzelgallen der KohlhernieSchleimpilz, kein Tierknollige Wucherungen an den Wurzeln, kein Tier darin; Pflanze welkt
Gallwespen-GallenInsekt (Wespe), z. B. Wespe-Verwandteoft an Eiche/Rose, kugelig und holzig; meist harmlos, andere Tiergruppe
Blattlaus-GallenInsekt (Laus), siehe Blattlausbeulige, oft rote Falt- oder Beutelgallen mit Läusen darin
Bakterielle/virale WucherungenBakterien/Virenunförmige Tumore (z. B. Wurzelkropf) oder Verkrüppelungen ohne Tier

Die wichtigste Unterscheidung ist die Wurzelgalle der Kohlhernie: Sieht dein Kohl kümmerlich aus und welkt bei Sonne, und findest du beim Ausgraben knollige Wucherungen an den Wurzeln, dann steckt kein Tier dahinter, sondern ein Schleimpilz — dagegen helfen Kalkung und Fruchtfolge, nicht das Entfernen von Gallen. Sitzt die Verformung dagegen am Herz der Pflanze und findest du beim Aufschneiden weiße Maden, ist es die Kohldrehherzmücke. Und während die frei saugende Spinnmilbe ein flächiges Sprenkeln auf Blättern erzeugt, hinterlassen Gallmilben immer klar umgrenzte Wucherungen, Pocken oder Filze.


Mitnehmen

  1. Zwei verschiedene Tiergruppen, ein Schadbild. Gallmücken (Cecidomyiidae) sind Insekten — winzige Mücken mit Maden; Gallmilben (Eriophyidae) sind mikroskopisch kleine Spinnentiere mit nur vier Beinen. Gemeinsam haben sie nur, dass sie Gallen auslösen.

  2. Die meisten Gallen sind harmlos. Rote Hörnchengallen am Ahorn, Filz- und Pustelgallen an Laubblättern schaden der Pflanze nicht — sie gehören belassen, nicht bekämpft.

  3. Gefährlich wird es an Nutzteilen. Kohldrehherzmücke (verdrehtes, „herzloses” Kohlherz), Birnengallmücke (schwarze, abfallende Früchtchen mit Maden) und Johannisbeergallmilbe (Rundknospen, dazu Reversionsvirus) sind die wirklich relevanten Schädlinge.

  4. Du erkennst sie an der Galle, nicht am Tier. Die Verursacher sind klein bis unsichtbar; Diagnose und Einordnung laufen über Form und Sitz der Wucherung — und über das Aufschneiden befallener Teile.

  5. Hygiene schlägt Spritze. Befallene Knospen, Gallen, Früchtchen und Blütenstände entfernen, Rundknospen samt Trieb herausschneiden, Kohl mit Netz und weiter Fruchtfolge schützen — Spritzmittel erreichen die geschützt sitzenden Tiere kaum.

  6. Erst Schadschwelle prüfen. Frag dich vor jedem Eingriff, ob die Galle überhaupt schadet — und greife nur dort ein, wo Nutzteile betroffen und der Befall wirklich relevant ist.


Verwandte Seiten

Infografik