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Kohlweißlingsraupe — der gefräßige Kohlschädling im Beet

Kohlweißlingsraupe — der gefräßige Kohlschädling im Beet

Du gehst im Hochsommer durch dein Kohlbeet und stutzt: Die kräftigen Blätter deines Wirsings sind durchlöchert wie ein Sieb, an manchen ist nur noch das Blattgerüst stehen geblieben, und tief im Herzen klebt eine Schicht aus grünen Körnchen. Drehst du ein Blatt um, findest du die Verursacher — mal eine Gruppe gelb-schwarz gefleckter, behaarter Raupen dicht beieinander, mal einzelne, samtgrüne Tiere, die so gut getarnt auf der Blattader sitzen, dass du sie fast übersiehst. Das ist die Kohlweißlingsraupe, der wohl bekannteste Fraßschädling an Kohl und allen anderen Kreuzblütlern.

Bevor du resigniert das ganze Beet abschreibst oder zur Spritze greifst, lohnt der genaue Blick. Denn hinter dem Sammelbegriff stecken zwei Arten mit sehr unterschiedlichem Verhalten, und beide haben verlässliche Gegenspieler und eine klare Schwachstelle: ihren Lebenszyklus. Wer weiß, wann die Falter fliegen, wo die Eier kleben und wer die Raupen frisst, der reguliert sie mit wenig Aufwand — vor allem mit einem einfachen Netz zur richtigen Zeit. Auf dieser Seite erfährst du, wie du die beiden Kohlweißlinge sicher erkennst, welches Schadbild sie hinterlassen, wer sie in Schach hält und in welcher Reihenfolge du eingreifst.


Was ist die Kohlweißlingsraupe?

Als Kohlweißlingsraupe bezeichnet man die Larven zweier naher verwandter Tagfalter aus der Familie der Weißlinge (Pieridae): des Großen Kohlweißlings (Pieris brassicae) und des Kleinen Kohlweißlings (Pieris rapae). Beide Falter sind cremeweiß mit schwarzen Flügelspitzen — beim Großen Kohlweißling kräftiger gezeichnet, beim Kleinen zarter — und gehören zu den häufigsten Tagfaltern Mitteleuropas. Die fressende, schädliche Phase ist aber nicht der Falter, sondern ausschließlich die Raupe.

Die Raupen sind ausgesprochene Nahrungsspezialisten: Sie fressen an Pflanzen, die das scharf schmeckende Senföl (Glucosinolate) enthalten, also vor allem an Kreuzblütlern (Brassicaceae). Dazu zählt das gesamte Kohlsortiment — Weiß-, Rot- und Wirsingkohl, Blumenkohl, Brokkoli, Rosenkohl, Kohlrabi und Grünkohl — ebenso wie Radieschen, Rettich, Senf, Kapuzinerkresse und die Zierpflanze Levkoje. Genau dieser scharfe Stoff, der die meisten anderen Tiere abschreckt, ist für die Kohlweißlingsraupe das Lockmittel: Die Falter finden ihre Wirtspflanzen über den Geruch und legen gezielt dort ihre Eier ab.

Wichtig ist die ehrliche Doppelrolle dieser Art. Der erwachsene Falter saugt Nektar und ist ein völlig harmloser Bestäuber, der Pollen von Blüte zu Blüte trägt. Erst seine Raupe wird im Gemüsebeet zum Schädling — und auch das nur, wo viele Kreuzblütler dicht beieinander stehen, wie eben im Kohlbeet. In der freien Landschaft an Wildkreuzblütlern fällt sie kaum auf. Im Garten dagegen ist sie der klassische Kohlschädling, mit dem fast jeder Gemüsegärtner irgendwann zu tun bekommt.

MerkmalAngabe
Wissenschaftlicher NameRaupen von Pieris brassicae (Großer Kohlweißling) und Pieris rapae (Kleiner Kohlweißling)
EinordnungFamilie Weißlinge (Pieridae), Ordnung Schmetterlinge (Lepidoptera)
Größe der Raupeausgewachsen je nach Art etwa 25–40 mm (Großer) bzw. 25–35 mm (Kleiner)
WirtspflanzenKreuzblütler (Brassicaceae): alle Kohlarten, Radieschen, Rettich, Senf, Kapuzinerkresse, Levkoje
SchadenLoch- und Skelettierfraß, Verschmutzung des Kohlherzens mit Kot
Generationen/Jahrmeist 2–3, in warmen Jahren und milden Lagen auch mehr
Überwinterungals Puppe (Gürtelpuppe) an Mauern, Zäunen, Stämmen und in geschützten Ecken
HauptgegenspielerSchlupfwespen (v. a. Cotesia glomerata), Vögel, Raupenfliegen, Schlupf- und Brackwespen

Erkennen & Schadbild

Die beiden Kohlweißlingsraupen unterscheidest du an Aussehen und Verhalten zuverlässig. Die Raupe des Großen Kohlweißlings wird bis zu vier Zentimeter lang, ist gelblich-grün mit kräftigen schwarzen Flecken und Punkten, deutlich behaart und trägt einen gelben Längsstreifen auf dem Rücken. Sie lebt gesellig: Aus einem Eigelege schlüpfen oft dutzende Raupen, die anfangs eng beisammen fressen und sich erst später verteilen. Diese auffällige Färbung ist eine Warntracht — die Tiere reichern das Senföl der Wirtspflanze an und schmecken Fressfeinden bitter.

Die Raupe des Kleinen Kohlweißlings dagegen ist einfarbig samtgrün mit feiner, heller Behaarung und einem schwachen gelben Streifen, wirkt fast unscheinbar und ist hervorragend getarnt. Sie lebt einzelgängerisch und sitzt oft tief im Blattinneren oder am Strunk, wo du sie leicht übersiehst. Beide Arten durchlaufen als Raupe fünf Stadien (Larvenhäutungen), wobei der Fraßhunger mit jeder Häutung stark zunimmt — die letzten Stadien richten den größten Schaden an.

Die Eier beider Arten sind gelb und länglich-flaschenförmig und kleben an der Blattunterseite. Beim Großen Kohlweißling stehen sie in auffälligen Gelegen von dutzenden Eiern dicht beieinander, beim Kleinen werden sie einzeln abgelegt. Wer die Blattunterseiten regelmäßig kontrolliert, entdeckt den Befall oft schon im Eistadium — lange bevor die ersten Löcher entstehen.

SchadbildWie es entstehtWoran du es erkennst
LochfraßRaupen fressen rundliche Löcher in die BlattflächeDurchlöcherte Blätter, anfangs an den Außenblättern, Fensterfraß bei Jungraupen
Skelettierfraß / Kahlfraßältere Raupen fressen das ganze Blattgewebe bis auf die BlattadernNur noch das Blattgerüst bleibt stehen; bei starkem Befall ganze Pflanzen entblättert
Verschmutzte KohlherzenRaupen dringen ins Herz und scheiden dort Kot ausGrüne bis schwarze Kotkrümel zwischen den Innenblättern; Ernte unappetitlich, fäulnisanfällig
Versteckte TiereKleiner Kohlweißling sitzt einzeln und getarnt im BlattinnerenFraß ohne sichtbare Raupe; erst genaues Suchen an Blattader und Strunk zeigt sie
EigelegeFalter legt gelbe Eier an der Blattunterseite abGelbe, längliche Eier in Gruppen (Großer) oder einzeln (Kleiner) unter dem Blatt

Besonders ärgerlich ist die Verschmutzung des Kohlherzens: Selbst wenn der reine Blattverlust verkraftbar wäre, machen die Kotkrümel zwischen den Innenblättern den Kohl unappetitlich und fördern Fäulnis bei der Lagerung. Junge Pflanzen können bei starkem Befall regelrecht kahlgefressen werden und gehen ein, während kräftige, gut entwickelte Kohlpflanzen einen mäßigen Blattverlust an den Außenblättern meist gut wegstecken. Genau diese Unterscheidung ist später für die Frage wichtig, ab wann du eingreifen musst.


Lebensweise & Vermehrung

Die Kohlweißlingsraupe durchläuft wie alle Schmetterlinge eine vollständige Verwandlung (Holometabolie) mit vier Stadien: Ei, Raupe, Puppe und Falter. Entscheidend für die Regulierung ist, dass beide Arten pro Jahr mehrere Generationen bilden — meist zwei bis drei, in warmen Jahren und milden Lagen sogar mehr. Dadurch überlappen sich die Stadien im Sommer, und du findest oft gleichzeitig Eier, Raupen verschiedener Größe und frisch schlüpfende Falter im Beet.

Der Zyklus beginnt im Frühjahr, wenn die überwinterten Puppen die ersten Falter entlassen. Diese fliegen ab April/Mai, suchen über den Geruch Kreuzblütler und legen ihre gelben Eier an die Blattunterseite. Nach etwa ein bis zwei Wochen schlüpfen die Raupen, fressen sich durch fünf Stadien und sind nach zwei bis vier Wochen ausgewachsen. Dann verpuppen sie sich als aufrechte, von einem Seidenfaden gegürtelte Gürtelpuppe an Mauern, Zäunen, Baumstämmen oder in geschützten Ecken — nicht im Boden. Aus der Sommerpuppe schlüpft nach etwa zwei Wochen die nächste Faltergeneration, sodass im Hochsommer der Befallsdruck am höchsten ist. Die letzte Generation des Jahres verpuppt sich im Herbst und überwintert als Puppe; daraus schlüpfen im Folgefrühjahr wieder die ersten Falter.

JahreszeitStadium / FormWas passiert
WinterPuppe (Gürtelpuppe)Überdauert frostsicher an Mauern, Zäunen, Stämmen und in geschützten Ecken
Frühjahr (April/Mai)erste FalterSchlüpfen aus den überwinterten Puppen, suchen Kreuzblütler und legen Eier ab
FrühsommerEier und JungraupenGelbe Eier an der Blattunterseite; aus ihnen schlüpfen die ersten Raupen (1. Generation)
Hochsommerüberlappende GenerationenRaupen, Puppen und Falter gleichzeitig im Beet; höchster Befallsdruck (2.–3. Generation)
Herbstletzte Raupen und PuppenDie letzte Generation verpuppt sich; die Puppe geht in die Winterruhe

Für dich praktisch wichtig: Weil die Falter zu klar erkennbaren Zeiten fliegen und ihre Eier offen an der Blattunterseite ablegen, ist der Lebenszyklus die große Schwachstelle dieses Schädlings. Wer die Kohlpflanzen genau dann abdeckt, wenn die Falter fliegen, unterbricht den Kreislauf an seiner empfindlichsten Stelle — die Eiablage kann gar nicht erst stattfinden. Diese Vorhersehbarkeit macht die Kohlweißlingsraupe trotz mehrerer Generationen vergleichsweise leicht in Schach zu halten.


Natürliche Gegenspieler

Die Kohlweißlingsraupe steht keineswegs allein da — sie hat eine ganze Reihe natürlicher Gegenspieler, die ihre Zahl in einem naturnahen Garten deutlich drücken. Wenn du diesen Helfern Lebensraum bietest, erledigen sie einen erheblichen Teil der Arbeit. Einen Überblick über alle Helfer findest du auf der Seite Nützlinge.

Der wichtigste spezialisierte Gegenspieler ist die Schlupfwespe Cotesia glomerata (eine Brackwespe). Das Weibchen legt mit seinem Legestachel viele Eier in eine lebende Raupe; die Wespenlarven fressen den Wirt von innen auf und verlassen ihn kurz vor seinem Tod, um sich außen in auffälligen gelben Kokon-Knäueln neben der vertrockneten Raupe zu verpuppen. Diese gelben Kokongruppen neben einer absterbenden Raupe sind ein sicheres Zeichen, dass die natürliche Regulierung läuft — mehr über diese Gegenspieler liest du auf der Seite Schlupfwespe. Daneben parasitieren weitere Schlupf- und Brackwespen sowie Raupenfliegen (Tachinidae) die Raupen.

GegenspielerWirkprinzipBesonderheit
Schlupfwespe (Cotesia glomerata)ParasitoidLegt viele Eier in die Raupe; gelbe Kokon-Knäuel neben der toten Raupe als Erkennungszeichen
Vögel (Meisen, Sperlinge, Stare)RäuberVerfüttern besonders zur Brutzeit große Mengen Raupen an ihre Jungen
Raupenfliegen (Tachinidae)ParasitoidLegen Eier auf oder in die Raupe; die Larve frisst den Wirt von innen
Schlupf- und Brackwespen (weitere Arten)ParasitoidParasitieren Eier oder Raupen; halten den Befall über die Generationen niedrig
Laufkäfer, Spinnen, WespenRäuberErbeuten Jungraupen und heruntergefallene Tiere am Boden und an der Pflanze

Ein wichtiges Detail: Auch hier gilt, die “gefährlich” aussehenden gelben Kokons nicht zu zerstören — sie sind keine Eier des Schädlings, sondern die Verpuppung deiner Helfer. Wer eine parasitierte Raupe samt Kokons entfernt, vernichtet die nächste Schlupfwespen-Generation. Bedenke außerdem, dass breit wirkende Spritzmittel die Gegenspieler genauso treffen wie die Raupen, sodass der nächste Befall oft stärker ausfällt. Vögel wiederum förderst du mit Hecken, Sträuchern und Nistkästen in Beetnähe — gerade während der Brutzeit tragen Meisen und Sperlinge enorme Mengen Raupen zu ihren Jungen.


Vorbeugen & Regulieren

Der erste Schritt steht vor jeder Maßnahme: abwägen, ob du überhaupt eingreifen musst. Ein paar Fraßlöcher an den Außenblättern einer kräftigen Kohlpflanze sind kein Drama — die Pflanze verkraftet das, und du fütterst nebenbei die Gegenspieler. Frag dich erst, ob die Schadschwelle wirklich überschritten ist: Junge, frisch gepflanzte Setzlinge und Pflanzen, bei denen die Raupen ins Herz vordringen, brauchen Schutz; gut entwickelte Pflanzen mit etwas Lochfraß an den Außenblättern dagegen nicht. Greife erst dann ein, und zwar in abgestufter Reihenfolge vom Schonendsten zum Stärksten.

  1. Vorbeugen ist die wirksamste und nachhaltigste Stufe — allen voran das Kulturschutznetz.
  2. Mechanisch absammeln, wenn doch Eier oder Raupen auftauchen.
  3. Biologisch unterstützen, indem du Gegenspieler förderst oder Bacillus thuringiensis einsetzt.
  4. Letztes Mittel nur gezielt und nützlingsschonend.
MaßnahmeStufeWann / wie
Kulturschutznetz / InsektennetzVorbeugenWichtigste Maßnahme: ab dem Pflanzen engmaschig auflegen, hält die eierlegenden Falter ab
Mischkultur mit DuftkräuternVorbeugenTomaten, Sellerie, Tagetes und stark duftende Kräuter überdecken den Kohlgeruch (siehe Mischkultur)
Nützlinge fördernVorbeugenBlühstreifen, Doldenblütler, Hecken und Nistkästen ziehen Schlupfwespen und Vögel an (Nützlinge)
Blattunterseiten kontrollierenVorbeugenRegelmäßig nach gelben Eigelegen suchen und sie früh abstreifen
Eier und Raupen absammelnMechanischGelege abstreifen, Raupen ablesen — bei kleinen Beständen gut machbar
Befallene Außenblätter entfernenMechanischStark besetzte Blätter abnehmen und mitsamt Raupen entsorgen
Bacillus thuringiensis (Bt)BiologischBakterienpräparat, das gezielt Raupen abtötet; Nützlinge und Bienen werden geschont
Gezielte Behandlung nur im NotfallLetztes MittelNur bei massivem Befall, punktuell und nützlingsschonend statt flächig

Die mit Abstand wirksamste Maßnahme ist das Kulturschutznetz: Ein engmaschiges Netz, das du gleich nach dem Pflanzen über die Kohlreihe legst, hindert die Falter daran, ihre Eier abzulegen — und ohne Eiablage gibt es keine Raupen. Achte darauf, dass das Netz an den Rändern dicht am Boden abschließt und genug Spielraum nach oben lässt, damit die wachsenden Pflanzen nicht durch die Maschen ragen, wo Falter dann doch Eier ablegen könnten. Das Netz schützt nebenbei auch vor Erdflöhen und der Kohlfliege.

Wo kein Netz liegt, sind regelmäßige Kontrolle und Absammeln das A und O: Wer die Blattunterseiten wöchentlich nach gelben Gelegen absucht und diese abstreift, verhindert den Befall an der Wurzel. Reicht das nicht, hilft das biologische Präparat Bacillus thuringiensis (Bt) — ein Bodenbakterium, dessen Eiweiß gezielt fressende Schmetterlingsraupen abtötet, während Bienen, Schlupfwespen und andere Nützlinge verschont bleiben; es wirkt nur, wenn die Raupen es fressen, also rechtzeitig auf den jungen Raupenbefall ausbringen. Die Mischkultur mit stark duftenden Begleitpflanzen wie Tomate, Sellerie, Bohnenkraut oder Tagetes erschwert den Faltern zusätzlich das Auffinden der Kohlpflanzen. Erst wenn all das versagt und der Befall die Ernte massiv bedroht, kommt eine gezielte, punktuelle Behandlung als letztes Mittel infrage — niemals vorbeugend und flächig, weil das die Gegenspieler härter trifft als den Schädling.


Häufige Fehler und Mythen

“Jede Raupe am Kohl ist eine Kohlweißlingsraupe.” Nicht ganz. Am Kohl fressen auch die grüne Raupe der Kohleule und die kleinen Raupen der Kohlmotte, dazu am Boden die Erdraupen der Eulenfalter. Wer die Verursacher verwechselt, wählt leicht die falsche Maßnahme oder den falschen Zeitpunkt — der Blick auf Färbung, Verhalten und Schadbild lohnt sich.

“Der weiße Falter im Garten frisst meinen Kohl.” Nein. Der Falter saugt nur Nektar und ist ein harmloser Bestäuber. Schaden richtet ausschließlich die Raupe an. Den Falter zu vertreiben bringt wenig — entscheidend ist, die Eiablage mit dem Netz zu verhindern.

“Ein paar Löcher im Kohlblatt ruinieren die Ernte.” Meist nicht. Eine kräftige Kohlpflanze steckt mäßigen Fraß an den Außenblättern gut weg. Kritisch wird es erst, wenn junge Pflanzen kahlgefressen werden oder die Raupen das Herz verschmutzen — daran, nicht am ersten Loch, machst du die Schadschwelle fest.

“Die gelben Kokons neben der Raupe sind ihre Eier — weg damit.” Ein folgenschwerer Irrtum. Diese gelben Kokon-Knäuel sind die Verpuppung der parasitischen Schlupfwespe Cotesia glomerata, also deiner Helfer. Wer sie entfernt, vernichtet die nächste Nützlings-Generation.

“Stark duftende Kräuter halten die Falter sicher fern.” Sie helfen, aber sie sind kein Vollschutz. Mischkultur und Duftpflanzen erschweren das Auffinden der Wirtspflanze und senken den Befall — eine sichere Barriere gegen die Eiablage ist allein das Kulturschutznetz.


Abgrenzung zu ähnlichen Kohlschädlingen

Mehrere Raupen und Larven fressen am Kohl und werden mit der Kohlweißlingsraupe verwechselt — sie sehen anders aus, fressen zu anderen Zeiten und brauchen teils andere Maßnahmen. Diese Übersicht hilft dir, sie auseinanderzuhalten.

SchädlingAussehenWie du ihn von der Kohlweißlingsraupe unterscheidest
Raupe Großer Kohlweißling (Pieris brassicae)bis 4 cm, gelb-grün mit schwarzen Flecken, behaart, geselligLebt in Gruppen, auffällige Warntracht; frisst offen an den Außenblättern
Raupe Kleiner Kohlweißling (Pieris rapae)bis 3,5 cm, einfarbig samtgrün, fein behaart, einzelnGut getarnt und einzelgängerisch; sitzt versteckt im Blattinneren und am Strunk
Kohleule (Mamestra brassicae, Raupe)grün bis braun, glatt, ohne deutliche Behaarung, einzelnNachtaktiv, frisst sich tief ins Herz; meist erst später im Jahr, glatte statt behaarte Haut
Kohlmotte (Plutella xylostella, Raupe)sehr klein (bis 1 cm), grün, sehr beweglich, lässt sich abseilenWinzig, macht Fensterfraß; zappelt heftig und seilt sich an einem Faden ab, wenn man sie stört
Erdraupen (Raupen von Eulenfaltern)grau-braun, glatt, einrollend, im BodenLeben im Boden, fressen nachts an Wurzelhals und Strunk; nicht an den Blättern in der Krone

Die wichtigste Faustregel: Schau auf Färbung, Verhalten und Fraßort. Behaarte, gesellige gelb-schwarze Tiere sind der Große Kohlweißling, einzelne samtgrüne der Kleine. Glatte grüne Raupen, die nachts tief im Herzen fressen, deuten auf die Kohleule. Winzige Raupen, die sich an einem Faden abseilen, sind die Kohlmotte. Und was am Wurzelhals im Boden sitzt und sich beim Anfassen einrollt, ist eine Erdraupe. Alle vier fressen an Kreuzblütlern — gegen die blattfressenden Arten wirkt das Kulturschutznetz, gegen die bodengebundenen Erdraupen dagegen nicht.


Mitnehmen

  1. Hinter dem Begriff stecken zwei Arten. Die Raupe des Großen Kohlweißlings (Pieris brassicae) ist gelb-schwarz gefleckt, behaart und gesellig; die des Kleinen Kohlweißlings (Pieris rapae) ist samtgrün, getarnt und einzelgängerisch.

  2. Nur die Raupe schadet, nicht der Falter. Der weiße Falter ist ein harmloser Bestäuber. Schaden machen ausschließlich die Raupen — durch Loch- und Skelettierfraß und durch die Verschmutzung des Kohlherzens mit Kot.

  3. Der Lebenszyklus ist die Schwachstelle. Mit zwei bis drei Generationen pro Jahr legen die Falter ihre gelben Eier offen an die Blattunterseite — wer dann das Netz auflegt oder die Gelege absammelt, unterbricht den Kreislauf früh.

  4. Das Kulturschutznetz ist die wichtigste Maßnahme. Gleich nach dem Pflanzen aufgelegt und dicht am Boden abschließend, verhindert es die Eiablage komplett — ganz ohne Mittel und ganz nebenbei auch gegen Erdflöhe und Kohlfliege.

  5. Nützlinge erledigen viel. Die Schlupfwespe Cotesia glomerata (gelbe Kokons nicht zerstören!), Vögel und Raupenfliegen drücken den Befall — fördere sie und greife nicht voreilig mit Gift ein.

  6. Halte die Stufenfolge ein. Erst Schadschwelle abwägen, dann vorbeugen (Netz, Mischkultur, Nützlinge), dann mechanisch absammeln, dann biologisch mit Bacillus thuringiensis — und eine gezielte Behandlung nur als letztes Mittel.


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