Maikäfer — der brummende Blatthornkäfer, dessen Engerling im Boden zuschlägt
Maikäfer — der brummende Blatthornkäfer, dessen Engerling im Boden zuschlägt
An einem lauen Abend im Mai sitzt du im Garten, als plötzlich etwas Schweres, Brummendes gegen die Hauswand prallt und tollpatschig zu Boden fällt: ein daumengliedgroßer, kastanienbrauner Käfer mit kleinen, aufgefächerten Fühlern, der sich am Strauch festkrallt und das frische Laub anknabbert. Der Maikäfer ist zurück — und mit ihm ein Stück Kindheitserinnerung, denn in manchen Jahren schwärmen die Tiere so massenhaft, dass ganze Baumkronen von ihrem nächtlichen Brummen erfüllt sind. Der knabbernde Käfer am Laub ist dabei der harmlosere Teil der Geschichte.
Denn der eigentliche Schaden spielt sich unsichtbar ab, tief unter deinen Füßen. Während du den brummenden Käfer am Strauch bestaunst, wächst im Boden schon die nächste Generation heran: dicke, weißliche Engerlinge, die jahrelang an den Wurzeln fressen, bis Rasenflächen plötzlich braun werden und Jungpflanzen einfach welken. Wer den Maikäfer verstehen will, muss deshalb beide Seiten kennen — den auffälligen Käfer über der Erde und seine heimliche Larve darunter. Auf dieser Seite erfährst du, wie du den Käfer sicher bestimmst, woran du Reifungsfraß und Wurzelschaden erkennst, warum sich der ganze Lebenszyklus über drei bis vier Jahre zieht und welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge wirklich helfen.
Was ist der Maikäfer?
Der Maikäfer ist ein großer, brauner Blatthornkäfer aus der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae), Unterfamilie der Maikäferartigen (Melolonthinae). In Mitteleuropa kommen zwei sehr ähnliche Arten vor: der weiter verbreitete Feldmaikäfer (Melolontha melolontha) und der Waldmaikäfer (Melolontha hippocastani). Wenn von “dem Maikäfer” die Rede ist, ist meist der Feldmaikäfer gemeint. Sein deutscher Name verrät den Schwärmtermin: Die Käfer fliegen vor allem im Mai und Juni, an warmen Abenden, oft in beeindruckenden Massenflügen.
Das namensgebende Merkmal aller Blatthornkäfer steckt in den Fühlern: Ihre Enden sind in fächerartige Lamellen aufgegliedert, die der Käfer bei Bedarf wie einen kleinen Fächer aufspreizen kann — beim Männchen besonders auffällig mit sieben großen Blättchen, beim Weibchen mit sechs kleineren. Über diese vergrößerte Oberfläche nimmt der Käfer Duftstoffe wahr und findet so Geschlechtspartner und Futterpflanzen. Der erwachsene Käfer frisst als sogenannter Reifungsfraß am Laub von Laubbäumen und Sträuchern; dieser Fraß über der Erde ist meist verkraftbar.
Das eigentlich Problematische am Maikäfer ist seine Larve, der Engerling. Er lebt mehrere Jahre im Boden und ernährt sich von Pflanzenwurzeln — von Rasengräsern ebenso wie von den Feinwurzeln junger Bäume, Stauden und Gemüsepflanzen. Genau dieser unterirdische Wurzelfraß macht den Maikäfer zum Schädling: Befallene Rasenflächen werden fleckig braun und lassen sich später wie ein Teppich abheben, weil die Wurzeln durchtrennt sind; Jungpflanzen welken trotz ausreichender Bewässerung und sterben ab. Heute treten Maikäfer meist nur noch lokal massenhaft auf — in vielen Gegenden sind sie selten geworden, in einzelnen Befallsgebieten dagegen weiterhin in großer Zahl.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Melolontha melolontha (Feldmaikäfer), Blatthornkäfer (Scarabaeidae) |
| Einordnung | Blatthornkäfer, Unterfamilie Maikäferartige (Melolonthinae); nahe verwandt: Waldmaikäfer (M. hippocastani) |
| Größe (Käfer) | etwa 25–30 mm; länglich-walzig, kastanienbraune Deckflügel, schwarzes Halsschild, fächerförmige Fühler |
| Wirtspflanzen | Käfer: Laub von Laubbäumen/Sträuchern (Eiche, Buche, Obst u. a.); Engerling: Wurzeln von Gräsern, Jungpflanzen, Stauden, Gehölzen |
| Schaden | Käfer: Reifungsfraß am Laub (meist gering); Engerling: Wurzelfraß → Welke, abgestorbene Pflanzen, abhebbarer Rasen |
| Schadensverursacher | vor allem der mehrjährige Engerling im Boden; der Käfer nur mäßig |
| Generationen/Jahr | keine — eine Generation über mehrere Jahre; Massenflüge in mehrjährigen Zyklen (regional oft 3- oder 4-jährig) |
| Überwinterung | als Engerling tief im Boden, über mehrere Winter; junger Käfer überwintert nach der Verpuppung im Boden |
| Hauptgegenspieler | Vögel, Igel, Maulwurf, Spitzmäuse; insektenpathogene Pilze und Engerling-Nematoden |
Erkennen & Schadbild
Den erwachsenen Maikäfer erkennst du an seiner länglich-walzigen, etwa zweieinhalb bis drei Zentimeter langen Gestalt mit kastanienbraunen Deckflügeln und einem schwarzen, fein behaarten Halsschild. Charakteristisch sind die kleinen, weiß-schwarz gewürfelten Dreiecksflecken an den Körperseiten und der zugespitzte, nach hinten herausragende Hinterleibszipfel (das Pygidium), der beim Feldmaikäfer lang und schlank ausläuft. Unverwechselbar machen ihn aber die fächerförmigen Fühler: Klappt der Käfer sie auf, sieht es aus, als trage er an jeder Fühlerspitze einen winzigen Lamellenfächer. So sicher diese Merkmale sind — verwechseln kannst du den Maikäfer am ehesten mit dem etwas kleineren Junikäfer oder dem grünlich glänzenden Rosenkäfer (siehe Abgrenzung weiter unten).
Die eigentliche Schadensquelle ist jedoch der Engerling, die Larve. Sie ist dick, weichhäutig und gelblich-weiß gefärbt, mit einem kräftigen bräunlichen Kopf, drei Paar deutlich erkennbaren Brustbeinen und einem dunkel durchschimmernden Hinterleibsende. Charakteristisch ist die typische C-Form: In Ruhe liegt der Engerling eingekrümmt da. Ausgewachsen erreicht er mehrere Zentimeter Länge und damit eine beachtliche Größe. Verwechseln kannst du ihn mit anderen weißlichen Käferlarven im Boden — die genaue Unterscheidung der Engerling-Arten lohnt sich, weil längst nicht jeder Engerling ein Schädling ist (siehe Engerling).
Achte bei einem Verdacht gezielt auf die Kombination aus oberirdischem und unterirdischem Schaden. Über der Erde zeigt sich der Reifungsfraß der Käfer im Mai/Juni als buchtenförmig angefressenes Laub, im Extremfall als kahl gefressene Triebe an Laubbäumen; bei Massenflügen kann ein einzelner Baum stark gerupft aussehen. Unter der Erde verrät sich der Engerling über die Symptome des Wurzelfraßes: Rasenflächen werden in unregelmäßigen Flecken braun und welk, die Grasnarbe lässt sich später ohne Widerstand wie ein Teppich abheben, und einzeln stehende Jungpflanzen welken und kippen um, obwohl der Boden feucht ist.
| Schadbild | Wie es entsteht | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| Reifungsfraß am Laub | erwachsene Käfer fressen im Mai/Juni am Blattwerk von Laubbäumen und Sträuchern | buchtig angefressene Blätter, kahle Triebe; bei Massenflug ganze Kronenpartien gerupft |
| Welkende Jungpflanzen | Engerlinge durchtrennen im Boden die Feinwurzeln | Pflanzen welken trotz feuchtem Boden, lassen sich leicht aus der Erde ziehen, Wurzeln angefressen |
| Braune Rasenflecken | Engerlinge fressen die Graswurzeln direkt unter der Narbe ab | unregelmäßige braune, welke Flecken im Rasen, die größer werden |
| Abhebbare Grasnarbe | die Wurzelschicht ist großflächig durchtrennt | der Rasen lässt sich wie ein loser Teppich anheben oder aufrollen |
| Sekundäre Wühlschäden | Vögel, Dachs und Wildschwein wühlen nach den fetten Engerlingen | aufgewühlte Rasen- und Beetflächen, Löcher und umgedrehte Soden |
Wichtig ist der zeitliche und räumliche Zusammenhang: Ein Massenflug der Käfer im Mai ist das oberirdische Vorspiel; der Wurzelschaden durch die daraus hervorgehende Engerling-Generation zeigt sich erst in den Folgejahren und nimmt zu, je größer die Larven werden. Wer im Boden gräbt und unter braunen Rasenflecken oder welken Jungpflanzen die dicken, C-förmigen Engerlinge findet, hat die Ursache gefunden — die Bestätigung gelingt also fast immer mit dem Spaten.
Lebensweise & Vermehrung
Der Maikäfer ist ein Musterbeispiel für einen mehrjährigen Entwicklungszyklus. Anders als viele Schädlinge bringt er nicht mehrere Generationen pro Jahr hervor, sondern braucht für eine einzige Generation je nach Region und Witterung drei bis vier Jahre. Weil große Teile einer Population gleichzeitig erwachsen werden, kommt es alle paar Jahre zu den berühmten Massenflügen — in vielen Befallsgebieten in einem festen, oft drei- oder vierjährigen Rhythmus, sodass man von “Maikäferjahren” spricht. Die Entwicklung durchläuft eine vollständige Verwandlung (Holometabolie): Ei, Engerling (Larve), Puppe und schließlich Käfer.
Nach dem Schwärmen und der Paarung im Mai/Juni graben sich die Weibchen einige Zentimeter tief in den Boden ein und legen dort ihre Eier in mehreren Schüben ab, oft auf Grünland und an Feldrändern. Aus den Eiern schlüpfen nach einigen Wochen die ersten, noch kleinen Engerlinge. In den folgenden Jahren wachsen die Larven über mehrere Häutungsstadien heran und fressen dabei immer stärker an den Wurzeln — der Wurzelschaden nimmt also mit jedem Jahr zu. Zum Überwintern ziehen sich die Engerlinge in tiefere, frostfreie Bodenschichten zurück und steigen im Frühjahr wieder zu den Wurzeln auf. Im letzten Sommer des Zyklus verpuppen sie sich in einer Erdhöhle; der frisch geschlüpfte Käfer überwintert noch im Boden und gräbt sich erst im folgenden Frühjahr aus, um zu schwärmen.
| Stadium | Dauer (typisch) | Was passiert |
|---|---|---|
| Schwärmen & Paarung | Mai/Juni | erwachsene Käfer schwärmen abends, Reifungsfraß am Laub, Paarung |
| Ei | einige Wochen | Weibchen legen Eier mehrere Zentimeter tief im Boden ab |
| Engerling, Jahr 1 | erster Sommer/Herbst | junger Engerling, geringer Wurzelfraß; überwintert tief im Boden |
| Engerling, Jahr 2 | zweiter Sommer | Engerling wächst, deutlich stärkerer Wurzelfraß |
| Engerling, Jahr 3 (–4) | dritter (vierter) Sommer | größter, gefräßigster Engerling — Hauptschaden an den Wurzeln |
| Puppe | Spätsommer des letzten Jahres | Verpuppung in einer Erdhöhle |
| Jungkäfer | Herbst bis Frühjahr | fertiger Käfer überwintert im Boden, schwärmt erst im nächsten Frühjahr |
Diese Biologie hat zwei praktische Folgen. Erstens: Weil der Engerling über mehrere Jahre im Boden frisst und mit der Zeit immer größer und gefräßiger wird, baut sich der Schaden langsam auf und erreicht im dritten beziehungsweise vierten Jahr seinen Höhepunkt — wer in einem Befallsgebiet gärtnert, sollte den lokalen “Maikäfer-Rhythmus” kennen. Zweitens: Da Eiablage und Engerlingsentwicklung an lockere, grasreiche Böden gebunden sind, lässt sich der Befall durch Bodenpflege und Standortwahl beeinflussen — Massenflüge selbst kannst du aber nicht verhindern, sie folgen dem überregionalen Zyklus.
Natürliche Gegenspieler
Anders als beim eingeschleppten Kartoffelkäfer hat der Maikäfer als heimische Art ein breites Spektrum an natürlichen Gegenspielern — sowohl gegen den Käfer in der Luft als auch gegen den Engerling im Boden. Gerade die fetten, eiweißreichen Engerlinge sind ein begehrtes Futter, und ein artenreicher Garten profitiert hier doppelt: Wer die Helfer fördert, hält die Larvendichte ganz von selbst niedriger.
Über der Erde machen sich vor allem Vögel über die schwärmenden und am Laub sitzenden Käfer her; bei Massenflügen ist der Tisch reich gedeckt. Im und auf dem Boden sind es Igel, Spitzmäuse und vor allem der Maulwurf, die gezielt nach den Engerlingen graben — der Maulwurf, oft selbst als Störenfried verschrien, ist hier ein wertvoller Verbündeter. Hinzu kommen natürliche Krankheitserreger: insektenpathogene Pilze wie Beauveria und Metarhizium sowie spezialisierte Fadenwürmer (Nematoden) befallen die Engerlinge im Boden. Eine Übersicht über die Helfer im Garten findest du unter Nützlinge.
| Gegenspieler | Wirkprinzip | Besonderheit |
|---|---|---|
| Vögel (Stare, Krähen, Drosseln u. a.) | Räuber | erbeuten schwärmende und sitzende Käfer sowie an die Oberfläche kommende Engerlinge |
| Igel | Räuber | frisst Engerlinge und Käfer; profitiert von wilden Gartenecken und Laubhaufen |
| Maulwurf & Spitzmäuse | Räuber im Boden | graben gezielt nach Engerlingen — als Nützlinge schätzen, nicht vertreiben |
| Insektenpathogene Pilze (Beauveria, Metarhizium) | Krankheitserreger | befallen Engerlinge im Boden; teils als biologisches Präparat erhältlich |
| Engerling-Nematoden (Heterorhabditis u. a.) | parasitische Fadenwürmer | dringen in Engerlinge ein und töten sie; gezielt ausbringbar (siehe unten) |
Die praktische Konsequenz ist erfreulich: Beim Maikäfer kannst du stark auf die natürlichen Gegenspieler setzen. Ein Garten mit Hecken und Nistmöglichkeiten für Vögel, mit Laub- und Reisighaufen als Igelquartier und mit ungestörten, lebendigen Böden hält die Engerlingdichte oft schon von allein im Rahmen. Den Maulwurf solltest du nicht als Schädling missverstehen — wo er gräbt, jagt er auch Engerlinge. Die Hauptarbeit übernimmt damit, anders als beim Kartoffelkäfer, in gesunden Gärten weitgehend die Natur selbst.
Vorbeugen & Regulieren
Bevor du zur Tat schreitest, steht die Abwägung: Musst du überhaupt eingreifen? Ein paar Käfer, die im Mai am Laub knabbern, und einzelne Engerlinge im Boden sind völlig normal und kein Grund zur Sorge — ein gesunder Garten verträgt das mühelos, und der harmlose Reifungsfraß wächst sich aus. Kritisch wird es erst, wenn Engerlinge in großer Zahl auftreten und sich Rasen oder Jungpflanzen sichtbar verabschieden. Frag dich also, ob die Schadschwelle wirklich überschritten ist, und greife dann in abgestufter Reihenfolge vom Schonendsten zum Stärksten ein. Den Massenflug selbst kannst du nicht stoppen — er folgt dem überregionalen Zyklus; beeinflussen kannst du nur, wie viele Engerlinge in deinem Boden durchkommen.
- Vorbeugen über Bodenpflege, Standort und die Förderung von Gegenspielern.
- Mechanisch durch Bodenbearbeitung und Absammeln.
- Biologisch mit Engerling-Nematoden und insektenpathogenen Pilzen.
- Letztes Mittel nur bei massivem, dauerhaft schädigendem Befall.
| Maßnahme | Stufe | Wann / wie |
|---|---|---|
| Gegenspieler fördern | Vorbeugen | Vögel, Igel und Maulwurf willkommen heißen (Hecken, Nistkästen, Laubhaufen, lebendiger Boden) |
| Rasen kräftig & dicht halten | Vorbeugen | gut gepflegter, tief wurzelnder Rasen steckt Wurzelfraß besser weg |
| Bei Schwärmen Jungpflanzen schützen | Vorbeugen | empfindliche Neupflanzungen in Befallsjahren schonen, Boden nicht offen liegen lassen |
| Boden bearbeiten | Mechanisch | Umgraben/Hacken legt Engerlinge frei und macht sie für Vögel zugänglich |
| Engerlinge absammeln | Mechanisch | beim Umgraben gefundene Engerlinge aufsammeln (für die Bestimmung siehe Engerling) |
| Käfer im Massenflug absammeln | Mechanisch | morgens, wenn die Käfer noch klamm sind, von Sträuchern schütteln und einsammeln |
| Engerling-Nematoden | Biologisch | Heterorhabditis-Nematoden zur richtigen Zeit in warmen, feuchten Boden gießen |
| Insektenpathogene Pilze | Biologisch | Beauveria- oder Metarhizium-Präparate gegen Engerlinge im Boden |
| Stärkere Mittel | Letztes Mittel | nur bei massivem, dauerhaft schädigendem Befall und ausgeschöpften Alternativen |
Die wirksamste Strategie im Hausgarten ist eine Kombination aus Förderung der Gegenspieler und gezielter Bodenbearbeitung. Wer beim Umgraben des Beets die freigelegten Engerlinge einsammelt oder den Vögeln überlässt, reduziert die Larvendichte ganz unmittelbar; ein lebendiger, gut durchwurzelter Boden und ein dichter Rasen verkraften den verbleibenden Fraß deutlich besser. Im Massenflugjahr kannst du die Käfer in den frühen Morgenstunden, wenn sie noch starr von der Nachtkühle sind, einfach von den Sträuchern schütteln und einsammeln.
Reicht das nicht aus, kommt der gezielte biologische Eingriff gegen die Larven im Boden: Engerling-Nematoden (vor allem Heterorhabditis-Arten) sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer, die aktiv in die Engerlinge eindringen und sie abtöten. Sie wirken nur bei warmem, feuchtem Boden und gegen die passenden Larvenstadien, müssen also zum richtigen Zeitpunkt ausgebracht und eingewässert werden. Ähnlich arbeiten insektenpathogene Pilze (Beauveria bassiana, Metarhizium), die die Engerlinge befallen. Breit wirkende chemische Bodenmittel sind das absolute letzte Mittel — sie treffen auch Regenwürmer und das Bodenleben und gehören nur in den seltenen, massiven Notfall.
Häufige Fehler und Mythen
“Der brummende Käfer richtet den Schaden an.” Nur am Rande. Der erwachsene Käfer betreibt im Mai/Juni Reifungsfraß am Laub, der meist verkraftbar ist. Den eigentlichen Schaden verursacht der Engerling, der über mehrere Jahre im Boden an den Wurzeln frisst. Wer nur die Käfer absammelt und den unterirdischen Wurzelfraß übersieht, bekämpft den harmloseren Teil.
“Jeder weiße Engerling im Boden ist ein Maikäfer.” Nein. Im Garten findest du verschiedene weißliche Käferlarven — neben dem Maikäfer auch die Engerlinge von Rosenkäfer, Junikäfer oder Nashornkäfer, von denen manche völlig harmlos oder sogar nützlich sind. Vor jeder Maßnahme lohnt die Bestimmung: Körperhaltung, Beine und das Hinterleibsende geben Hinweise (siehe Engerling).
“Der Maulwurf zerstört meinen Rasen, der muss weg.” Ein verbreiteter Irrtum. Der Maulwurf gräbt zwar Hügel, frisst dabei aber gezielt Engerlinge und andere Bodentiere — er ist ein Gegenspieler des Maikäfers, kein Schädling, und steht zudem unter Schutz. Wer ihn vertreibt, verliert einen wirksamen Helfer gegen den Wurzelfraß.
“Maikäfer gibt es heute praktisch nicht mehr.” Stimmt nur teilweise. In vielen Gegenden sind Maikäfer tatsächlich selten geworden, in einzelnen Befallsgebieten treten sie aber weiterhin lokal massenhaft in mehrjährigen Zyklen auf. “Verschwunden” sind sie nicht — sie konzentrieren sich heute auf bestimmte Regionen.
“Den braunen Brummer kann man bedenkenlos absammeln — Hauptsache Käfer weg.” Vorsicht bei der Verwechslung: Der ähnlich große, aber metallisch grün glänzende Rosenkäfer ist gesetzlich geschützt und darf nicht abgesammelt oder getötet werden. Bestimme den Käfer sicher, bevor du eingreifst — Schutzstatus und Rolle im Garten sind völlig unterschiedlich.
Abgrenzung zu ähnlichen Käfern
Der Maikäfer ist groß und auffällig, wird aber gern mit anderen Blatthornkäfern verwechselt — mit teils völlig anderer Rolle und sogar unterschiedlichem Rechtsstatus. Diese Übersicht hilft dir, den richtigen Käfer zu bestimmen, bevor du etwas Falsches absammelst.
| Käfer | Aussehen | Rolle / Status | Wie du ihn vom Maikäfer unterscheidest |
|---|---|---|---|
| Maikäfer (Melolontha melolontha) | länglich-walzig, 25–30 mm, kastanienbraun, schwarzes Halsschild, große Fächerfühler, langer Hinterleibszipfel | Schädling (Engerling) | groß, braun, mit aufgefächerten Fühlern; schwärmt im Mai/Juni |
| Junikäfer (Gerippter Brachkäfer, Amphimallon solstitiale) | hellbraun, behaart, deutlich kleiner (ca. 14–18 mm) | Schädling (Engerling), meist geringer | kleiner und heller als der Maikäfer; fliegt erst im Hochsommer (Juni/Juli) |
| Rosenkäfer (Cetonia aurata u. a.) | gedrungen, metallisch grün-golden glänzend, ca. 14–20 mm | Nützling-nah, gesetzlich geschützt | glänzend grün statt braun; fliegt tagsüber; darf nicht getötet werden |
| Nashornkäfer (Oryctes nasicornis) | groß, glänzend rotbraun, Männchen mit Kopfhorn | harmlos, geschützt | Horn am Kopf, lebt in Mulm/Kompost; kein Wurzelschädling |
| Maikäfer-Engerling | dick, gelblich-weiß, C-förmig, brauner Kopf, 3 Beinpaare | Schädling (Larve) | große C-förmige Bodenlarve an Wurzeln — Arten genau bestimmen (siehe Engerling) |
Merke dir die einfachste Faustregel: Groß, braun und mit Fächerfühlern im Mai — das ist der Maikäfer. Der Junikäfer ist die kleinere, hellere Sommerausgabe und fliegt erst später im Jahr. Der metallisch grün glänzende Rosenkäfer und der gehörnte Nashornkäfer dagegen sind geschützt und dürfen weder abgesammelt noch getötet werden — sie sind keine Schädlinge. Und die dicke, C-förmige weißliche Larve im Boden ist zwar typisch für den Maikäfer, aber nicht jeder Engerling gehört zu ihm: Vor jeder Maßnahme lohnt die Artbestimmung (siehe Engerling).
Mitnehmen
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Der Maikäfer ist ein großer, brauner Blatthornkäfer. Melolontha melolontha erkennst du an den kastanienbraunen Deckflügeln, dem schwarzen Halsschild und vor allem an den fächerförmig aufklappbaren Fühlern; er schwärmt im Mai/Juni, in vielen Gegenden nur noch lokal in mehrjährigen Zyklen.
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Der Engerling macht den Hauptschaden, nicht der Käfer. Der Reifungsfraß am Laub ist meist harmlos — gefährlich ist die weißliche, C-förmige Larve, die mehrere Jahre im Boden an Wurzeln frisst und Rasen sowie Jungpflanzen welken lässt.
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Der Zyklus dauert drei bis vier Jahre. Eine Generation entwickelt sich über mehrere Jahre, der Wurzelschaden nimmt mit der Engerlinggröße zu; weil große Teile der Population gleichzeitig schlüpfen, kommt es zu den typischen Massenflug-Jahren.
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Nicht jeder weiße Engerling ist ein Maikäfer. Im Boden leben auch harmlose oder geschützte Verwandte — vor jeder Maßnahme die Larve bestimmen (siehe Engerling).
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Setze auf die natürlichen Gegenspieler. Vögel, Igel, Spitzmäuse und gerade der oft verkannte Maulwurf jagen Käfer und Engerlinge; ein lebendiger Boden und eine vielfältige Gartenstruktur halten die Larvendichte von allein im Rahmen.
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Halte die Stufenfolge ein. Erst Schadschwelle abwägen, dann vorbeugen (Gegenspieler fördern, kräftiger Rasen), dann mechanisch (Boden bearbeiten, Engerlinge und Käfer absammeln), dann biologisch (Engerling-Nematoden, insektenpathogene Pilze) — chemische Mittel nur als letztes Mittel.
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