Taubenschwänzchen — der Kolibri-Falter im Garten

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Ein kleines, graubraunes Tier schwebt vor deinem Phlox. Seine Flügel sind kaum einzeln zu erkennen, und ein dünner Rüssel taucht in die Blüte. Dieser kolibriartige Gartenbesucher ist sehr wahrscheinlich ein Taubenschwänzchen — ein Schmetterling aus der Familie der Schwärmer. Kolibris sind in Europa keine heimischen Wildvögel.

Der tagaktive Falter besucht viele Gartenblumen und kann geeignete Blüten bestäuben. Wenn du ihn fördern möchtest, brauchst du neben Nektarblüten auch Futterpflanzen für seine Raupen. Hier erfährst du, welche Merkmale bei der Bestimmung helfen und was Wanderung und Überwinterung für deinen Garten bedeuten.

Was ist das Taubenschwänzchen?

Illustration eines Taubenschwänzchens mit orangefarbenen Hinterflügeln und langem Rüssel vor einer Röhrenblüte
Beim Nektarsaugen schwebt das Taubenschwänzchen meist vor der Blüte.

Das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) gehört zur Familie der Schwärmer (Sphingidae) innerhalb der Ordnung der Schmetterlinge. Es zählt zu den sogenannten Nachtfaltern, ist aber vor allem tagsüber aktiv. Diese Bezeichnung bedeutet also nicht, dass jede zugehörige Art nur nachts fliegt; auch andere Schwärmer sind tagaktiv.

Seinen Namen verdankt es dem breiten, schwarz-weiß gezeichneten Büschel am Hinterleibsende. Die scheinbaren Härchen bestehen aus verlängerten Schuppen und erinnern an einen kleinen Vogelschwanz. Mit schnellen Flügelschlägen kann der Falter vor einer Blüte schweben und seinen langen Saugrüssel zum Nektar führen. Zur Ruhe setzt er sich hin.

Das Taubenschwänzchen auf einen Blick

MerkmalEinordnung
Wissenschaftlicher NameMacroglossum stellatarum
FamilieSchwärmer (Sphingidae)
GrößeFlügelspannweite etwa 40–50 mm; gedrungener Körper
Nahrung des FaltersNektar, aufgenommen mit einem etwa 3 cm langen Saugrüssel
Nahrung der Raupevor allem Labkraut-Arten (Galium), außerdem unter anderem Färberröten (Rubia)
Beobachtungszeithäufig im Sommer bis Herbst; Zuflug schon im Frühjahr, einzelne Falter auch außerhalb dieser Zeit
Überwinterungals Falter in geschützten, frostfreien Quartieren; in Mitteleuropa nur teilweise erfolgreich
Bedeutung im GartenBlütenbesucher und möglicher Bestäuber; Raupen benötigen eigene Futterpflanzen

Taubenschwänzchen erkennen und unterscheiden

Achte auf die Kombination der Merkmale: graubraune Vorderflügel, orangefarbene Hinterflügel, helle Zeichnung am Hinterleib und den auffälligen Schwanzbüschel. Beim Saugen schwebt der Falter meist frei vor der Blüte und streckt seinen langen Rüssel aus. Im Sitzen sind die orangefarbenen Hinterflügel oft von den Vorderflügeln verdeckt.

Ein langer Rüssel oder Schweben allein reicht zur Bestimmung nicht aus. Auch andere Insekten können vor Blüten schweben. Sowohl das Taubenschwänzchen als auch eine Hummel haben sechs Beine und einen behaart wirkenden Körper. Hummeln landen zum Sammeln meist auf der Blüte; ihre Färbung und Rüssellänge unterscheiden sich je nach Art.

BesucherVerhalten an der BlüteHilfreiche Unterscheidungsmerkmale
Taubenschwänzchensaugt meist frei schwebendgraubraune Vorderflügel, orange Hinterflügel, schwarz-weißer Schwanzbüschel
Hummelschwärmer (Hemaris fuciformis) und verwandte Artenebenfalls tagaktiv und schwirrendüberwiegend durchsichtige Flügel mit dunklen Rändern; hummelartige Gestalt
Gammaeule (Autographa gamma)kann flatternd saugen, hält sich dabei häufig mit den Beinen an der Blüte festsilbrige, gammaförmige Zeichnung auf den braun gemusterten Vorderflügeln
Hummellandet zum Nektar- und Pollensammeln meist auf der Blütekeine orangefarbenen Hinterflügel oder Schwanzfächer; Zeichnung und Rüssellänge je nach Art verschieden

Für eine Bestimmung sind Fotos aus mehreren Blickwinkeln hilfreicher als ein kurzer Blick auf das Flugverhalten. Ein ruhender Falter bleibt ein Taubenschwänzchen, auch wenn er gerade nicht schwirrt.

Lebensweise, Wanderung und Überwinterung

Schematische Illustration der Wanderung eines Taubenschwänzchens aus wärmeren Regionen nach Norden
Wanderungen bringen Taubenschwänzchen aus wärmeren Regionen nach Mitteleuropa; der Pfeil zeigt schematisch die Richtung.

Das Taubenschwänzchen ist in weiten Teilen Europas, Asiens und Nordafrikas verbreitet. Als Wanderfalter erreicht es Mitteleuropa unter anderem aus dem Mittelmeerraum. Zuflug kann bereits im Frühjahr stattfinden; Zeitpunkt und Anzahl schwanken mit Witterung und Herkunftsbeständen. Die Falter pflanzen sich hier fort, sodass im Sommer auch vor Ort geschlüpfte Tiere unterwegs sind.

Die Entwicklung führt vom Ei über die Raupe und Puppe zum Falter. Das Weibchen legt seine Eier einzeln an passende Futterpflanzen. Bei uns sind vor allem Labkraut-Arten wichtig, beispielsweise Echtes Labkraut und Wiesen-Labkraut. Auch Waldmeister gehört zur Gattung Galium. Weitere Futterpflanzen sind bekannt, insbesondere Färberröten; Labkraut ist daher keine ausschließliche Voraussetzung für die Entwicklung.

Die Raupe ist meist grün, kann aber auch bräunlich sein. Typisch sind helle Längsstreifen und ein Schwanzhorn am Hinterende. Dieses Horn ist kein Stachel und kann nicht stechen. Grünfärbung und Horn allein erlauben keine sichere Artbestimmung, weil auch andere Schwärmerraupen solche Merkmale besitzen. Beziehe Zeichnung und Futterpflanze mit ein.

Schematische Illustration einer grünen Taubenschwänzchen-Raupe mit hellen Längsstreifen und blaugrauem Schwanzhorn mit orangegelber Spitze an einem Labkrautstängel
Labkraut ist eine wichtige Raupenfutterpflanze. Helle Längsstreifen und das Schwanzhorn sind typische Merkmale; die Illustration ersetzt keine sichere Artbestimmung.

Zur Verpuppung spinnt die Raupe einen lockeren Kokon zwischen bodennahen Pflanzenteilen oder in der Streu. Bei günstigen Temperaturen kann die Entwicklung innerhalb einiger Wochen voranschreiten. Zahl und zeitlicher Verlauf der Generationen hängen von Region und Witterung ab; eine feste Generationenzahl für jeden deutschen Garten lässt sich daraus nicht ableiten.

Kann das Taubenschwänzchen bei uns überwintern?

Ja, einige Falter überwintern auch in Deutschland. Mit milderen Wintern nehmen entsprechende Beobachtungen zu. Die Tiere suchen geschützte, frostfreie Quartiere wie Spalten, Höhlen oder Schuppen auf. Eine erfolgreiche Überwinterung ist jedoch nicht überall und in jedem Jahr zu erwarten. Die Puppe ist nicht das übliche Überwinterungsstadium.

An milden Winter- oder Frühlingstagen können überwinternde Falter aktiv werden und Blüten besuchen. Im Sommer fliegt die Art auch bei bedecktem Wetter oder Regen. Bei großer Hitze kann sie die Mittagsstunden meiden und eher morgens oder abends unterwegs sein. „Nur bei Sonnenschein“ und „bei Wärme immer ganztägig“ wären deshalb zu starre Regeln.

Bedeutung als Bestäuber

Illustration eines Taubenschwänzchens beim Nektarsaugen vor röhrenförmigen Blüten
Der lange Saugrüssel erreicht Nektar in Röhrenblüten; ob dabei Bestäubung erfolgt, hängt vom Blütenbau und Kontakt mit Pollen und Narbe ab.

Das Taubenschwänzchen kann passende Blüten bestäuben, wenn es bei einem Besuch Pollen aufnimmt und diesen auf die Narbe einer weiteren Blüte derselben Pflanzenart überträgt. Ein Nektarbesuch allein belegt noch keine erfolgreiche Bestäubung und Befruchtung.

Mit seinem langen Saugrüssel erreicht es auch Nektar in engen, tiefen Blüten, der für manche kurzrüsseligen Besucher schwer zugänglich ist. Es besucht beispielsweise Phlox, Spornblumen und Sommerflieder. Solche Pflanzen werden zum Teil auch von anderen Faltern oder langrüsseligen Bienen genutzt. Die Aufteilung in ausschließlich „Falterblüten“ und „Bienenblüten“ wäre zu einfach.

Wie groß sein Beitrag zur Bestäubung ist, hängt von Pflanzenart, passendem Blütenkontakt und Besuchshäufigkeit ab. Die weiten Wanderungen des Falters sind kein Beleg für erfolgreichen Pollentransport über entsprechend große Entfernungen. Im Garten ergänzt er die Vielfalt der Blütenbesucher, zu denen auch Wildbienen und Schwebfliegen gehören. Mehr dazu findest du bei den Wildbienen- und Bestäuber-Gilden.

So förderst du das Taubenschwänzchen

Nektarblüten und Raupenfutterpflanzen anbieten

Ein vielfältiges Angebot an nektarreichen, zugänglichen Blüten bietet dem Falter Nahrung. Duft allein ist kein zuverlässiges Auswahlkriterium: Bei der Blütensuche spielen visuelle Reize eine wichtige Rolle. Ungefüllte Blüten sind meist geeigneter als stark gefüllte Zuchtformen, bei denen Nektarangebot oder Zugang eingeschränkt sein können. Ob ein Garten besucht wird, hängt auch davon ab, ob die Falter gerade in der Umgebung vorkommen.

Die folgende Auswahl verbindet Nahrung für den Falter mit Futterpflanzen für die Raupe. Blütezeiten sind grobe Orientierung und variieren mit Art, Sorte, Standort und Wetter.

PflanzeVerwendungStandort und ungefähre Blütezeit
Winterblühender Duftschneeballmögliche frühe Nektarquelle für aktive ÜberwintererSonne bis Halbschatten; je nach Art und Witterung Winter bis Frühjahr
Primeln mit zugänglichen BlütenNektar für den FalterStandort je nach Art; überwiegend Frühjahr
Hoher Stauden-Phlox (Phlox paniculata)Nektar für den FalterSonne bis Halbschatten, nicht zu trocken; Sommer
Gewöhnliches Seifenkraut (Saponaria officinalis), ungefülltNektar für den Falter; heimische Wildpflanzesonnig; Sommer
Rote Spornblume (Centranthus ruber)Nektar für den Faltersonnig, durchlässiger Boden; Sommer bis Herbst
Echter LavendelNektar für den Faltersonnig, durchlässiger Boden; Sommer
Echtes Labkraut (Galium verum)Futterpflanze für die Raupesonnig, eher mager; Blüte im Sommer, Blätter als Raupenfutter erhalten
Wiesen- und Weißes Labkraut (Galium mollugo, G. album)Futterpflanzen für die Raupesonnig bis halbschattig; Blüte im Sommer, Bestände nicht vollständig abmähen

Plane eine kontinuierliche Blütenfolge möglichst vom Frühjahr bis in den Herbst. In milden Regionen können frühe Blüten auch überwinterten Faltern helfen. Sommerblumen allein decken diese frühe Zeit nicht ab.

Sommerflieder ist eine Nektarquelle, ersetzt aber keine Raupenfutterpflanzen. Buddleja davidii kann sich aus Gärten ausbreiten und an geeigneten Standorten heimische Vegetation verdrängen. Für Neupflanzungen sind heimische Nektar- und Futterpflanzen eine gute Grundlage. Wenn Sommerflieder bereits vorhanden ist, entferne verblühte Rispen vor der Samenreife, um die Ausbreitung zu begrenzen.

Futterpflanzen und Verstecke erhalten

Lass passende Labkraut-Bestände stehen und mähe sie abschnittsweise, statt gleichzeitig alles abzuräumen. Verzichte auf Insektizide: Je nach Mittel und Anwendung können sie Falter, Raupen und andere Insekten schädigen. Besonders an Nektar- und Raupenfutterpflanzen sind solche Behandlungen zu vermeiden.

Erhalte bodennahe Pflanzenteile und etwas Streu für die Verpuppung. Ungestörte, zugängliche Verstecke können den Faltern als Ruhe- oder Winterquartier dienen, sofern sie ausreichend geschützt und frostfrei bleiben. Labkraut, Nektarblüten und vielfältige Strukturen verbessern die Voraussetzungen für die Art; sie garantieren weder Eiablage noch Überwinterung.

Häufige Fragen zum Taubenschwänzchen

Kann der Falter oder seine Raupe stechen?

Nein. Der lange Saugrüssel des Falters dient der Nektaraufnahme. Das Schwanzhorn der Raupe ist ebenfalls kein Stechapparat. Lass die Tiere möglichst an ihren Blüten und Futterpflanzen ungestört.

Ist ein schwirrendes Tier automatisch ein Taubenschwänzchen?

Nein. Hummelschwärmer, Gammaeulen und weitere Insekten können ebenfalls beim Blütenbesuch schweben oder flattern. Prüfe zusätzlich Flügelfarbe, Hinterleibszeichnung und Körpergestalt. Hummeln und Taubenschwänzchen besitzen beide sechs Beine.

Warum sehe ich trotz geeigneter Pflanzen keinen Falter?

Als Wanderfalter tritt die Art je nach Jahr und Region unterschiedlich häufig auf. Geeignete Blüten bieten Nahrung, können aber keinen Besuch garantieren. Raupenfutterpflanzen bleiben auch dann sinnvoll, wenn gerade kein Falter zu sehen ist.

Das Wichtigste zum Taubenschwänzchen

  1. Schwirrflug und Zeichnung gemeinsam prüfen: Orange Hinterflügel und ein schwarz-weißer Schwanzbüschel helfen beim Erkennen; der Falter setzt sich zur Ruhe hin.
  2. Beide Lebensphasen fördern: Nektarblüten versorgen den Falter, passende Futterpflanzen wie Labkraut die Raupe.
  3. Bestäubung hängt von der Blüte ab: Der lange Rüssel erleichtert die Nektaraufnahme; jeder Besuch ist noch keine erfolgreiche Pollenübertragung.
  4. Überwinterung ist möglich, aber unsicher: Geschützte, frostfreie Quartiere und milde Winter verbessern die Chancen.
  5. Strukturen erhalten und Insektizide vermeiden: Ungemähte Futterpflanzen, Bodenstreu und ungestörte Verstecke helfen den unterschiedlichen Entwicklungsstadien.

Infografik

Taubenschwänzchen im Überblick: tagaktiver Schwärmer mit graubraunen Vorderflügeln, orangefarbenen Hinterflügeln und schwarz-weißem Schwanzbüschel. Entwicklung vom Ei über die Raupe an Labkraut und die Puppe im bodennahen Kokon zum nektarsaugenden Falter. Nektarblüten, Labkraut und Bodenstreu erhalten. Überwinterung als Falter in frostfreien Verstecken ist in Mitteleuropa nur teilweise erfolgreich.
Merkmale, Entwicklung und Förderung im Garten als schematische Übersicht. Zum Vergrößern die Grafik öffnen.

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