Weiße Fliege — die kleine weiße Wolke an der Blattunterseite
Weiße Fliege — die kleine weiße Wolke an der Blattunterseite
Du gießt deine Tomate im Gewächshaus oder rückst eine Zimmerpflanze am Fenster zurecht — und plötzlich stiebt aus dem Laub eine winzige weiße Wolke auf. Dutzende kaum stecknadelkopfgroße, weiß bestäubte Tierchen schwirren kurz umher und setzen sich gleich wieder unter die Blätter. Drehst du ein Blatt um, sitzen dort, dicht an dicht, weitere dieser kleinen “Mottchen”, dazwischen kaum sichtbare schuppige Flecken. Schon bald glänzen die Blätter darunter klebrig, und manche Stelle verfärbt sich schwarz wie mit Ruß bestäubt. Genau dieser Anblick — die auffliegende weiße Wolke und der klebrige, später schwarze Belag — ist das Markenzeichen der Weißen Fliege.
Bevor du zur Spritzflasche greifst, lohnt es sich, diesen Gegner einzuordnen — denn ihr Name führt in die Irre. Trotz Flügeln und Flugbewegung ist die Weiße Fliege gar keine echte Fliege, sondern ein Schnabelkerf, eng verwandt mit der Blattlaus. Wie diese sticht sie die Saftbahnen an, saugt Pflanzensaft und scheidet überschüssigen Zucker als klebrigen Honigtau aus. Und wie bei der Blattlaus liegt ihre Schwäche in ihrer Abhängigkeit von Wärme und im Heer ihrer natürlichen Gegenspieler. Auf dieser Seite erfährst du, wie du die Weiße Fliege und ihr Schadbild sicher erkennst, woher ihre rasante Vermehrung kommt, welche Nützlinge sie in Schach halten — und welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge wirklich helfen.
Was ist die Weiße Fliege?
Als Weiße Fliege bezeichnet man die winzigen, weiß bestäubten Pflanzensauger der Familie Mottenschildläuse (Aleyrodidae). Wichtig zuerst: Trotz des Namens ist sie keine echte Fliege (also kein Zweiflügler aus der Ordnung der Diptera), sondern ein Schnabelkerf (Pflanzensauger, Sternorrhyncha) — eng verwandt mit Blatt- und Schildläusen. Der irreführende Name stammt allein vom mehligen, weißen Wachsstaub auf Körper und Flügeln und von der Flugfähigkeit der erwachsenen Tiere. Mit nur etwa ein bis zwei Millimetern Länge wirken sie wie winzige weiße Mottchen, die beim Berühren der Pflanze als kleine weiße Wolke auffliegen und sich gleich wieder setzen.
Im Garten haben vor allem zwei Arten Bedeutung: die Gewächshaus-Weiße-Fliege (Trialeurodes vaporariorum), der wichtigste Schädling an Tomate, Gurke, Paprika und vielen Zier- und Zimmerpflanzen, sowie die Kohl-Weiße-Fliege (Aleyrodes proletella), die im Freiland an Kohlarten sitzt. Wie die Blattlaus lebt auch die Weiße Fliege vom Pflanzensaft: Sie zapft mit ihren Stechmundwerkzeugen die zuckerhaltigen Saftbahnen an, vor allem an den Blattunterseiten. Den überschüssigen Zucker scheidet sie als klebrigen Honigtau wieder aus — und genau der bringt den eigentlichen Folgeschaden.
Auf dem klebrigen Honigtau siedeln sich nämlich Rußtaupilze an, ein schwarzer Belag, der die Blattfläche überzieht. Dieser Rußtau schadet der Pflanze nicht durch Befall, sondern indem er das Licht abschattet und die Photosynthese behindert — die Pflanze wird geschwächt, ihr Laub vergilbt, bei starkem Befall bleiben Früchte und Triebe zurück. Besonders heikel ist die Weiße Fliege im Gewächshaus und an Zimmerpflanzen, weil dort ganzjährig Wärme herrscht und ihr die kalte Jahreszeit nichts anhaben kann — bei Wärme folgt eine Generation rasch auf die nächste, und aus wenigen Tieren wird in Wochen eine Plage.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Familie Mottenschildläuse (Aleyrodidae); v. a. Trialeurodes vaporariorum (Gewächshaus) und Aleyrodes proletella (Kohl) |
| Einordnung | Schnabelkerfe (Pflanzensauger, Sternorrhyncha) — keine echte Fliege, eng verwandt mit Blatt- und Schildläusen |
| Größe | etwa 1–2 mm; winzige, weiß bestäubte “Mottchen” mit zwei Paar mehligen Flügeln |
| Wirtspflanzen | Tomate, Gurke, Paprika, Bohne, viele Zier- und Zimmerpflanzen; Kohlarten im Freiland |
| Schaden | Saugschaden plus klebriger Honigtau und daraus folgender schwarzer Rußtau, der die Photosynthese hemmt |
| Generationen/Jahr | bei Wärme viele, sich überlappende Generationen; im beheizten Gewächshaus ganzjährig |
| Überwinterung | im Freiland je nach Art als Adulte oder Eier an Wirtspflanzen; im Gewächshaus durchgehend aktiv |
| Hauptgegenspieler | die Erzwespe Encarsia formosa, Florfliegen, Marienkäfer, Raubwanzen |
Erkennen & Schadbild
Die erwachsene Weiße Fliege erkennst du am leichtesten an ihrem Verhalten: Berührst du eine befallene Pflanze, stieben die Tiere als kleine weiße Wolke auf und setzen sich nach kurzem Flug wieder unter die Blätter. Aus der Nähe ist sie ein etwa ein bis zwei Millimeter langes Tierchen mit zwei Paar mehlig-weißen Flügeln, die es dachartig über dem Körper trägt, sodass der ganze Körper wie mit feinem weißem Puder bestäubt wirkt. Die Eier legt das Weibchen meist in kleinen Kreisen oder Bögen an die Blattunterseite, oft an einem winzigen Stiel. Aus ihnen schlüpft eine flache, ovale, blassgrüne Larve, die sich nach den ersten beweglichen Tagen festsaugt und kaum noch von der Stelle rührt — sie sieht aus wie ein winziges, durchscheinendes Schüppchen. Es folgt ein scheinbar reglos schuppenartiges Puppenstadium, aus dem das geflügelte Tier schlüpft.
Viel auffälliger als die Tiere selbst sind oft die Folgen des Saugens. Das erste verbreitete Zeichen ist der klebrige Honigtau: Blätter und alles darunter (auch der Boden oder die Fensterbank) glänzen klebrig und fühlen sich beim Anfassen leimig an. Auf diesem Zuckerfilm siedeln sich bald Rußtaupilze an — ein schmierig-schwarzer Belag, der sich abwischen lässt und die Blattfläche überzieht. Er bildet den eigentlichen Schaden, weil er das Blatt verschattet. Hinzu kommt der direkte Saugschaden: vergilbendes, fleckiges Laub, vorzeitiger Blattfall und bei starkem Befall zurückbleibendes Wachstum sowie schlechter Fruchtansatz.
Such bei Verdacht immer gezielt an der Blattunterseite — dort sitzen Eier, Larven, Puppen und die ruhenden Adulten dicht beieinander, während die Oberseite zunächst nur klebrig und später schwarz wird. Ein einfacher Test verrät dir die lebende Population: Schüttle die Pflanze leicht; fliegt eine weiße Wolke auf, sind erwachsene Tiere da. Klebrige, schwarze Stellen ohne auffliegende Tiere deuten dagegen auf einen schon zurückliegenden oder rein durch Larven getragenen Befall hin.
| Schadbild | Wie es entsteht | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| Auffliegende weiße Wolke | erwachsene Tiere ruhen unter den Blättern und stieben bei Störung auf | beim Berühren oder Schütteln schwirren winzige weiße Mottchen kurz umher |
| Schuppen an der Blattunterseite | festsitzende Larven und Puppen saugen reglos am Blatt | winzige, blassgrüne bis weißliche, schuppenartige Belege in Kreisen oder Gruppen |
| Klebriger Honigtau | die Tiere scheiden überschüssigen Zucker aus | Blätter und Unterlage glänzen klebrig, fühlen sich leimig an |
| Schwarzer Rußtau | Pilze siedeln auf dem Honigtau und beschatten das Blatt | abwischbarer, schmierig-schwarzer Belag auf Blättern und Früchten |
| Vergilbtes, fleckiges Laub | direkter Saugschaden plus Lichtmangel durch Rußtau | gelbliche Flecken, mattes Laub, vorzeitiger Blattfall, schwacher Wuchs |
Der zeitliche Ablauf hilft beim frühen Erkennen: Zuerst siehst du beim Hantieren die auffliegenden Tiere und an der Unterseite die Eier und Schuppen, dann wird das Laub klebrig, und erst zuletzt überzieht sich alles mit schwarzem Rußtau. Wer schon beim ersten Auffliegen der weißen Wolke hinschaut und die Blattunterseiten kontrolliert — besonders bei Wärme, im Gewächshaus und an Zimmerpflanzen —, fängt den Befall ab, bevor er kippt. Wartest du bis zum schwarzen Belag, sind oft schon ganze Pflanzen besetzt.
Lebensweise & Vermehrung
Die Schlagkraft der Weißen Fliege beruht wie bei der Blattlaus auf Tempo bei Wärme. Je wärmer es ist, desto schneller läuft ihr Lebenszyklus ab — vom gestielten Ei über die festsitzenden Larvenstadien und das schuppenartige Puppenstadium bis zum geflügelten Adulten. Unter warmen Bedingungen dauert eine ganze Generation nur rund drei bis vier Wochen, bei Kühle deutlich länger. Genau deshalb explodiert ein Befall im warmen Gewächshaus oder am sonnigen Fenster regelrecht, während es draußen bei kühlem Wetter oft lange ruhig bleibt. Im beheizten Gewächshaus fehlt der bremsende Winter ganz: Hier folgt das ganze Jahr über eine Generation auf die nächste.
Ein einzelnes Weibchen legt im Lauf seines Lebens viele Dutzend bis über hundert Eier, einzeln oder in den typischen kleinen Kreisen an die Blattunterseite. Weil viele Generationen sich überlappen, sitzen am selben Blatt gleichzeitig Eier, festsitzende Larven, Puppen und fliegende Adulte. Das hat eine wichtige Folge für die Regulierung: Die fliegenden Tiere sind leicht zu stören und abzufangen, die festsitzenden Larven und Puppen dagegen sitzen geschützt unter dem Blatt — eine einzelne Behandlung trifft fast nie alle Stadien zugleich. Erfolgreiche Regulierung braucht deshalb Wiederholung oder Gegenspieler, die gezielt die festsitzenden Stadien angreifen.
| Stadium | Dauer (warm) | Was passiert |
|---|---|---|
| Ei | wenige Tage | gestielt, einzeln oder in kleinen Kreisen an der Blattunterseite abgelegt |
| Larve (bewegliches Stadium) | kurz | frisch geschlüpft, sucht eine Saugstelle und setzt sich dann fest |
| Larve (festsitzend) | gut eine Woche | flach, oval, blassgrün; saugt reglos, sieht aus wie ein Schüppchen |
| Puppe | wenige Tage | schuppenartiges Ruhestadium, aus dem das geflügelte Tier schlüpft |
| Adult | mehrere Wochen | geflügelt, weiß bestäubt; saugt, fliegt auf und legt laufend Eier |
Aus dieser Biologie folgen zwei praktische Punkte. Erstens: Die Überwinterung unterscheidet sich nach Art und Standort. Die Gewächshaus-Weiße-Fliege übersteht im Freiland einen echten Winter kaum, hält sich aber im beheizten Gewächshaus und an Zimmerpflanzen ganzjährig; die Kohl-Weiße-Fliege überdauert dagegen draußen an winterharten Kohlarten, von denen aus sie im Frühjahr neue Bestände besiedelt. Saubere Kultur, das Entfernen von Ernteresten und Wildkohl sowie eine Pause zwischen den Kulturen senken den Startbestand spürbar. Zweitens: Weil sich die Stadien überlappen, ist frühes und wiederholtes Eingreifen entscheidend — ein einziger Eingriff lässt immer einen Teil der Population stehen.
Natürliche Gegenspieler
Hier liegt die gute Nachricht: Auch die Weiße Fliege hat wirksame natürliche Gegenspieler — und im geschützten Gewächshaus lassen sie sich sogar gezielt einsetzen. Der wichtigste ist eine winzige Schlupfwespe, die ihre Eier in die festsitzenden Larven legt und sie so von innen heraus tötet. Einen Überblick über die Helfer im Garten findest du auf der Seite Nützlinge, und wie das Parasitieren funktioniert, erklärt die Seite zur Schlupfwespe.
Der Standardnützling im Hobby- und Erwerbsgewächshaus ist die Erzwespe Encarsia formosa, eine nur etwa einen halben Millimeter kleine, parasitische Schlupfwespe. Sie legt ihre Eier in die festsitzenden Larven der Weißen Fliege; die parasitierte Larve verfärbt sich schwarz, und aus ihr schlüpft statt einer Weißen Fliege eine neue Erzwespe. Weil sie genau die geschützten, festsitzenden Stadien trifft, die man mit Abspülen kaum erreicht, ergänzt sie die anderen Maßnahmen ideal. Sie braucht allerdings Wärme und Licht und einen vorhandenen Befall als Wirt — im warmen Gewächshaus arbeitet sie zuverlässig, bei zu niedrigen Temperaturen lässt ihre Wirkung nach. Neben ihr machen sich auch breiter fressende Räuber an die Weiße Fliege.
| Gegenspieler | Wirkprinzip | Besonderheit |
|---|---|---|
| Erzwespe (Encarsia formosa) | Parasitoid | Standardnützling im Gewächshaus; legt Eier in die Larven, die sich schwarz verfärben; braucht Wärme und Licht |
| Schlupfwespe (weitere Arten) | Parasitoid | parasitieren ebenfalls Larven der Weißen Fliege; treten in naturnahen Beständen von selbst auf |
| Florfliege (Larve) | Räuber | die “Blattlauslöwen”-Larve frisst auch Larven der Weißen Fliege (Nützlinge) |
| Marienkäfer | Räuber | adulte Käfer und Larven fressen die saugenden Stadien |
| Raubwanzen | Räuber | saugen Larven und Adulte aus; nützlich vor allem im naturnahen Freiland |
Wie diese Helfer wirken, kannst du im Gewächshaus gut beobachten: Hängst du Encarsia-Kärtchen früh aus, solange der Befall noch klein ist, hält die Erzwespe die Weiße Fliege oft dauerhaft unter der Schadschwelle — vorausgesetzt, du hast nicht kurz zuvor breit gespritzt und die Nützlinge gleich miterschlagen. Genau das ist der häufigste Fehler: Breit wirkende Mittel treffen die winzigen Nützlinge härter als die Weiße Fliege, sodass der nächste Befall noch heftiger ausfällt. Im naturnahen Garten regulieren Schlupfwespen, Florfliegen, Marienkäfer und Raubwanzen einen Befall oft von selbst — wer ihnen Lebensraum bietet und auf Gift verzichtet, muss seltener selbst eingreifen.
Vorbeugen & Regulieren
Bevor du loslegst, steht auch hier die Abwägung: Musst du überhaupt eingreifen — und wie stark? Ein paar auffliegende Tiere an einer kräftigen Pflanze sind kein Notfall; ernst wird es, wenn die Population wächst, das Laub klebrig wird und sich Rußtau bildet. Frag dich also, ob die Schadschwelle wirklich überschritten ist, und greife dann in abgestufter Reihenfolge vom Schonendsten zum Stärksten ein. Weil sich die Stadien überlappen, zählt dabei vor allem eines: früh anfangen und dranbleiben.
- Vorbeugen über Kontrolle, saubere Kultur und Standort.
- Mechanisch mit Gelbtafeln, Abspülen und Entfernen befallener Teile.
- Biologisch mit der Erzwespe Encarsia formosa — im Gewächshaus die Standardlösung.
- Letztes Mittel nur bei massivem, anders nicht beherrschbarem Befall.
| Maßnahme | Stufe | Wann / wie |
|---|---|---|
| Blattunterseiten kontrollieren | Vorbeugen | regelmäßig Pflanzen schütteln und Unterseiten prüfen, um den Befall früh zu bemerken |
| Neue Pflanzen prüfen | Vorbeugen | Zukäufe und Zimmerpflanzen vor dem Einstellen auf Eier, Schuppen und auffliegende Tiere absuchen |
| Saubere Kultur | Vorbeugen | Ernte- und Pflanzenreste, Wildkohl und alte Wirtspflanzen entfernen, Gewächshaus reinigen |
| Standort & Stickstoff | Vorbeugen | nicht überdüngen — weiches, stickstoffreiches Gewebe fördert Sauger; luftige Stellung wählen |
| Gelbtafeln | Mechanisch | gelbe Leimtafeln ziehen die fliegenden Adulten an und fangen sie ab; auch zum Befallsmonitoring |
| Abspülen | Mechanisch | Pflanze (besonders Blattunterseiten) kräftig mit Wasser abbrausen, um Tiere und Honigtau zu entfernen |
| Befallene Teile entfernen | Mechanisch | stark besetzte, klebrige und verrußte Blätter herausschneiden und entsorgen |
| Isolieren | Mechanisch | befallene Zimmerpflanzen von gesunden trennen, um die Ausbreitung zu stoppen |
| Encarsia ausbringen | Biologisch | Encarsia formosa früh und bei Wärme einsetzen; trifft die festsitzenden Larven (Nützlinge) |
| Kali-Seife / Öl-Präparat | Letztes Mittel | benetzt und erstickt die Tiere; gezielt an Blattunterseiten, mehrfach, Nützlinge schonen |
| Stärkere Mittel | Letztes Mittel | nur im Notfall — Resistenzgefahr! Wirkstoff wechseln, nie vorbeugend und nie flächig spritzen |
Die klügste Strategie kombiniert mehrere schonende Hebel: Gelbtafeln fangen die fliegenden Tiere ab und zeigen dir zugleich, wie stark der Befall ist; kräftiges Abspülen der Blattunterseiten entfernt Tiere und klebrigen Honigtau; stark verrußte Blätter schneidest du heraus. Weil ein einzelner Eingriff immer Larven und Puppen stehen lässt, musst du diese Maßnahmen wiederholen. Befallene Zimmerpflanzen stellst du isoliert, damit die Tiere nicht weiterwandern, und du achtest auf einen luftigen Stand sowie maßvolle Stickstoffdüngung, denn weiches, überdüngtes Gewebe lockt Sauger an.
Reicht das nicht, ist im Gewächshaus der biologische Schritt der wirksamste: Bring die Erzwespe Encarsia formosa früh aus, solange der Befall noch überschaubar und es warm genug ist — sie erreicht die geschützten, festsitzenden Larven, an die du mit Wasser kaum herankommst. Kali-Seifen- oder Öl-Präparate können als Kontaktmittel die Tiere benetzen und ersticken, müssen aber gezielt und mehrfach an den Blattunterseiten ausgebracht werden und schonen die Nützlinge nur bei sparsamem Einsatz. Ein wichtiger Hinweis zum Schluss: Die Weiße Fliege neigt durch ihre kurzen Generationen rasch zu Resistenzen gegen Spritzmittel — chemische Mittel sind daher das absolute letzte Mittel, und wenn überhaupt, dann mit wechselndem Wirkstoff und niemals vorbeugend.
Häufige Fehler und Mythen
“Die Weiße Fliege ist eine kleine Fliege.” Nein. Trotz des Namens ist sie keine echte Fliege, sondern ein Schnabelkerf — ein Pflanzensauger, eng verwandt mit der Blattlaus. Das ist mehr als eine Spitzfindigkeit: Sie saugt Pflanzensaft und scheidet Honigtau aus wie eine Blattlaus, und genau wie diese regulierst du sie über das Stören des Saugens und parasitische Gegenspieler, nicht mit Mitteln gegen echte Fliegen.
“Wenn die weiße Wolke weg ist, ist der Befall erledigt.” Ein Trugschluss. Du hast nur die fliegenden Adulten vertrieben — die festsitzenden Larven und Puppen sitzen geschützt unter dem Blatt und entwickeln sich weiter. Ohne wiederholtes Eingreifen oder Gegenspieler ist die nächste Generation in wenigen Tagen da.
“Der schwarze Belag ist eine eigene Krankheit.” Nicht direkt. Der schwarze Rußtau ist ein Pilz, der sich auf dem klebrigen Honigtau der Weißen Fliege ansiedelt. Er schadet, indem er das Blatt verschattet — aber bekämpfen musst du nicht den Pilz, sondern die Sauger, dann verschwindet auch der Belag.
“Gegen die Weiße Fliege hilft nur Spritzen.” Das Gegenteil ist klüger. Gelbtafeln, Abspülen, saubere Kultur und vor allem die Erzwespe Encarsia formosa halten den Befall oft besser in Schach als jedes Mittel — und schonen die Nützlinge, die dir sonst noch helfen würden.
“Einmal kräftig spritzen reicht.” Selten. Weil sich Eier, Larven, Puppen und Adulte überlappen, trifft ein einzelner Eingriff nie alle Stadien. Wer dann immer dasselbe Mittel öfter einsetzt, züchtet durch die kurzen Generationen rasch resistente Stämme heran — und erschlägt die Nützlinge gleich mit.
Abgrenzung zu ähnlichen Schädlingen
Mehrere kleine Sauger und echte Fliegen werden mit der Weißen Fliege verwechselt — sie verursachen teils ähnliche Spuren, brauchen aber andere Maßnahmen und Gegenspieler. Diese Übersicht hilft dir, sie auseinanderzuhalten.
| Schädling | Aussehen / Schadbild | Wie du ihn von der Weißen Fliege unterscheidest |
|---|---|---|
| Weiße Fliege (Aleyrodidae) | 1–2 mm, weiß bestäubt, geflügelt; Schuppen an der Blattunterseite, Honigtau, Rußtau | fliegt beim Berühren als weiße Wolke auf; Larven sitzen als helle Schüppchen fest |
| Blattlaus (Aphidoidea) | 1–3 mm, weich, birnenförmig, meist ungeflügelt, mit zwei Siphonen | sitzt in dichten Kolonien und fliegt nicht auf; ebenfalls Honigtau, aber keine weißen Mottchen |
| Spinnmilbe (Tetranychidae) | < 0,5 mm, 8 Beine; helle Sprenkel, fahles Laub, feine Gespinste | krabbelt nur, fliegt nie; feine Gespinste statt weißer Wolke, kein Honigtau |
| Schildläuse (Coccoidea) | feste, gewölbte oder schildförmige Höckerchen am Trieb, unbeweglich | sitzen fest und fliegen nicht; harter Schild statt flacher heller Schuppe |
| Echte Fliegen (Diptera) | meist deutlich größer, mit nur einem Flügelpaar | echte Zweiflügler, oft an Früchten/Boden; die Weiße Fliege ist winzig, weiß und ein Sauger |
Die wichtigste Faustregel: Stör die Pflanze und schau auf die Unterseite. Stiebt eine weiße Wolke winziger Mottchen auf und sitzen darunter helle Schüppchen, ist es die Weiße Fliege. Sitzen weiche, birnenförmige Tiere in dichten Kolonien, ohne aufzufliegen, ist es die Blattlaus; finden sich feine Gespinste und krabbelnde Pünktchen, die nie fliegen, ist es die Spinnmilbe; harte, festsitzende Höckerchen ohne Wachsstaub deuten auf Schildläuse. Wer richtig zuordnet, wählt die richtigen Gegenspieler — denn die Weiße Fliege bekämpfst du im Gewächshaus mit der Erzwespe Encarsia formosa, nicht allein mit den klassischen Blattlausjägern.
Mitnehmen
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Die Weiße Fliege ist keine echte Fliege. Sie gehört zu den Mottenschildläusen (Aleyrodidae), ist ein Schnabelkerf und eng mit der Blattlaus verwandt — sie saugt Pflanzensaft und scheidet Honigtau aus.
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Die weiße Wolke ist ihr Erkennungszeichen. Berührst du eine befallene Pflanze, stieben die winzigen weiß bestäubten Tiere auf und setzen sich gleich wieder unter die Blätter; Eier, Larven und Puppen sitzen als helle Schüppchen an der Blattunterseite.
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Honigtau und Rußtau machen den eigentlichen Schaden. Auf dem klebrigen Honigtau siedelt schwarzer Rußtau, der das Blatt verschattet und die Photosynthese hemmt — die Pflanze wird geschwächt und vergilbt.
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Wärme ist ihr Turbo. Bei Wärme folgt eine Generation rasch auf die nächste, im beheizten Gewächshaus ganzjährig — deshalb ist sie vor allem dort und an Zimmerpflanzen sowie an Kohl im Freiland ein Problem.
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Gelbtafeln und Encarsia sind die zwei Schlüssel. Gelbe Leimtafeln fangen die fliegenden Tiere ab und zeigen den Befall an; die Erzwespe Encarsia formosa trifft im Gewächshaus die festsitzenden Larven, an die du mit Wasser kaum herankommst.
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Halte die Stufenfolge ein und meide Resistenz. Erst Schadschwelle abwägen, dann vorbeugen und kontrollieren, dann Gelbtafeln und Abspülen, dann Encarsia — chemische Mittel nur als letztes Mittel und wiederholt, da sich die Stadien überlappen und die Tiere rasch unempfindlich werden.
Verwandte Seiten
- Blattlaus — der nächste Verwandte der Weißen Fliege, ebenfalls ein Saftsauger mit Honigtau, aber ungeflügelt in dichten Kolonien statt als auffliegende Wolke
- Schlupfwespe — erklärt das Parasitieren, mit dem die Erzwespe Encarsia formosa die Larven der Weißen Fliege von innen tötet
- Spinnmilbe — der andere typische Gewächshaus-Sauger, der nur krabbelt und feine Gespinste spinnt, statt als weiße Wolke aufzufliegen
- Nützlinge — der Überblick über die natürlichen Gegenspieler im Garten, allen voran die Erzwespe gegen die Weiße Fliege
- Schadschwelle — der Maßstab, ab wann ein Befall die Pflanze wirklich bedroht und ein Eingreifen rechtfertigt