Zikaden — die sprungfreudigen Saftsauger mit der Weißsprenkelung
Zikaden — die sprungfreudigen Saftsauger mit der Weißsprenkelung
Du gehst an deinem Rhododendron oder einer Staudenrabatte vorbei und bemerkst, dass die Blätter nicht mehr satt grün, sondern fein gesprenkelt aussehen — wie mit einem hellen Salzstreuer überpudert. Beugst du dich näher heran und tippst ans Laub, schnellt plötzlich etwas weg: ein winziges, schlankes Tierchen, das mit einem erstaunlichen Satz davonspringt und verschwindet. Drehst du ein Blatt um, findest du auf der Unterseite weitere dieser flinken Sauger und vielleicht ein paar weiße, durchsichtige Hüllen. Genau dieses Bild — die grobe Weißsprenkelung und die wegspringenden, kaum greifbaren Tiere — ist das Markenzeichen der Zikaden.
Bevor du dir Sorgen machst, lohnt sich ein zweiter, ruhiger Blick — denn bei Zikaden ist der Schreck meist größer als der Schaden. Anders als bei vielen Saugern bleibt es hier in aller Regel bei einem kosmetischen Makel: aufgehellte Blätter, die zwar nicht schön, aber für eine kräftige Pflanze kaum bedrohlich sind. Nur wenige Arten machen ernsthaft Ärger — etwa weil sie indirekt einen Pilz fördern oder Krankheitserreger übertragen. Auf dieser Seite erfährst du, wie du Zikaden und ihre Spuren sicher von Thrips, Spinnmilbe und Blattläusen unterscheidest, wie ihr Leben zwischen Ei, Schaumnest und Sprung abläuft, welche Nützlinge sie in Schach halten — und wann du wirklich eingreifen musst (und wann besser nicht).
Was sind Zikaden?
Als Zikaden bezeichnet man eine große, vielgestaltige Gruppe pflanzensaugender Insekten, die zusammen die Unterordnung der Rundkopfzikaden und Spitzkopfzikaden (Auchenorrhyncha) bilden. Sie gehören damit — wie Blattläuse, Wanzen und Schildläuse — zu den Schnabelkerfen (Hemiptera) und sind über ihren saugenden Stechrüssel mit ihnen verwandt. Im Garten hast du es fast immer mit den kleinen, schlanken Kleinzikaden zu tun, nicht mit den großen, lauten Singzikaden des Mittelmeerraums. Typisch sind ihr keilförmiger Körper, die dachförmig über dem Rücken gehaltenen Flügel und vor allem die kräftigen Sprungbeine, mit denen sie sich bei Störung blitzschnell wegkatapultieren.
Mehrere Arten haben im Hausgarten Bedeutung. Auffällig und häufig ist die eingeschleppte Rhododendronzikade (Graphocephala fennahi), ein etwa neun Millimeter langes, grün-rot gemustertes Tier, das selbst kaum Saugschaden anrichtet, aber als Türöffner für die gefürchtete Knospenbräune gilt. An Reben und Obstgehölzen saugen die Grüne Rebzikade und die Apfelzikade, an Stauden, Rosen und Beeren zahlreiche kleine grünliche Kleinzikaden. Eine Sondergruppe sind die Schaumzikaden (etwa die Wiesenschaumzikade, Philaenus spumarius): Ihre Larven hüllen sich in ein weißes Schaumnest, den im Volksmund bekannten “Kuckucksspeichel”. Wie die Blattlaus leben alle vom Pflanzensaft, doch sie bilden keine dichten, klebrigen Kolonien, sondern sitzen einzeln und verstreut, vor allem auf den Blattunterseiten.
Das eigentlich Wichtige an den Zikaden ist ihre vergleichsweise harmlose Schadwirkung. Ihr Saugen erzeugt zwar eine deutliche, oft unschöne Aufhellung des Laubes, doch für eine gesunde Pflanze ist das meist ein rein kosmetisches Problem, das sie locker wegsteckt. Gefährlich werden Zikaden erst auf Umwegen: wenn sie — wie die Rhododendronzikade — einem Pilz den Weg bahnen, oder wenn sie als Überträger von Pflanzenviren und Phytoplasmen auftreten. Das gilt aber nur für bestimmte Arten und Situationen; im Normalfall ist die Weißsprenkelung ein Schönheitsfehler, kein Notfall.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Kleinzikaden (Unterordnung Auchenorrhyncha); z. B. Graphocephala fennahi (Rhododendronzikade), Philaenus spumarius (Wiesenschaumzikade), Grüne Rebzikade, Apfelzikade |
| Einordnung | Insekten, Schnabelkerfe (Hemiptera); schlanke, springende Pflanzensauger — verwandt mit Blattläusen und Wanzen |
| Größe | meist 2–6 mm (Kleinzikaden), die auffällige Rhododendronzikade rund 9 mm; keilförmig, mit kräftigen Sprungbeinen |
| Wirts-/Befallspflanzen | sehr breit: Rhododendron, Reben, Apfel und Obst, Rosen, Stauden, Beeren, Wiesenkräuter |
| Schaden | Saugschaden: grobe weiß-gelbliche Sprenkelung der Blätter (meist kosmetisch); einige Arten fördern Pilze oder übertragen Viren/Phytoplasmen |
| Generationen/Jahr | meist 1–2 Generationen pro Jahr |
| Überwinterung | je nach Art als Ei (z. B. Rhododendronzikade in den Knospen) oder als erwachsenes Tier in Pflanzenresten |
| Hauptgegenspieler | Spinnen, Raubwanzen, Vögel |
Erkennen & Schadbild
Die Tiere selbst verraten sich vor allem durch ihre Beweglichkeit. Eine Kleinzikade ist schlank und keilförmig, je nach Art zart grün, gelblich oder braun gefärbt, und hält ihre Flügel dachförmig über dem Rücken. Die meisten Arten messen nur zwei bis sechs Millimeter; die Rhododendronzikade sticht mit ihren rund neun Millimetern und der leuchtend grün-roten Zeichnung heraus. Das sicherste Erkennungszeichen ist nicht das Aussehen, sondern das Verhalten: Näherst du dich oder tippst ans Blatt, springen die Tiere mit einem überraschend weiten Satz seitwärts weg oder lassen sich fallen. Die Larven sind flügellos, oft heller und ebenfalls springfreudig; sie sitzen wie die Erwachsenen meist auf den Blattunterseiten. Ein weiteres verräterisches Zeichen sind die weißen, durchsichtigen Häutungshemden — leere Larvenhüllen, die nach jeder Häutung am Blatt zurückbleiben.
Viel auffälliger als die Tiere ist das Schadbild. Beim Saugen leeren die Zikaden einzelne Zellen, und an diesen Stellen verliert das Blatt seine grüne Farbe — es entsteht eine grobe, helle Sprenkelung: feine bis mittelgroße weiße bis gelbliche Punkte und Aufhellungen, die sich über die Blattoberseite verteilen. Auf den ersten Blick ähnelt das dem Schadbild von Thrips oder Spinnmilbe, doch der Unterschied ist entscheidend: Bei Zikaden findest du keine feinen Gespinste (wie bei der Spinnmilbe) und keine schwarzen Kotpünktchen (wie beim Thrips). Stattdessen sind die hellen Flecken meist gröber und unregelmäßiger gestreut, und du findest die typischen weißen Häutungshemden auf den Blattunterseiten.
Eine ganz eigene Spur hinterlassen die Schaumzikaden: An Stängeln und Blattachseln von Stauden und Wiesenkräutern sitzen im Frühsommer kleine, weiße Schaumnester — der bekannte “Kuckucksspeichel”. In diesem Schaum, den die Larve selbst erzeugt, sitzt sie geschützt vor Austrocknung und Feinden. Das sieht ungewöhnlich aus, ist aber für die Pflanze praktisch harmlos und kein Grund zur Sorge. Ernster ist ein Sonderfall der Rhododendronzikade: Sie legt im Spätsommer ihre Eier in die Blütenknospen und reißt dabei das Gewebe an. Über diese kleinen Wunden dringt der Pilz der Knospenbräune ein, der die Knospen braun und vertrocknet absterben lässt. Die Zikade richtet den Schaden also nicht direkt an, fördert ihn aber entscheidend — mehr zu solchen indirekten Übertragungswegen findest du bei den Pflanzenviren, denn manche Zikaden schleppen auch echte Viren und Phytoplasmen ein.
| Schadbild | Wie es entsteht | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| Grobe Weißsprenkelung | leergesaugte Zellgruppen verlieren ihr Blattgrün | unregelmäßig gestreute weiße bis gelbliche Punkte und Aufhellungen, vor allem oberseits |
| Weiße Häutungshemden | bei jeder Häutung bleibt die leere Larvenhülle zurück | durchsichtig-weiße, leere Hüllen auf den Blattunterseiten — ein sicheres Zikadenzeichen |
| Wegspringende Tiere | die Tiere fliehen bei Störung mit einem weiten Sprung | schlanke, keilförmige Tierchen schnellen seitwärts weg oder lassen sich fallen |
| Schaumnester (“Kuckucksspeichel”) | die Larven der Schaumzikaden hüllen sich in selbst erzeugten Schaum | weiße Schaumballen an Stängeln und Blattachseln von Stauden — meist harmlos |
| Vertrocknete, braune Knospen | die Rhododendronzikade öffnet beim Eilegen den Pilzen den Weg (Knospenbräune) | braun-schwarze, abgestorbene Blütenknospen am Rhododendron, oft borstig behaart |
| Virus-/Phytoplasmensymptome | überträgt einige Arten beim Saugen Erreger | Vergilbungen, Verkahlungen oder Wuchsstörungen — selten, aber bei manchen Arten möglich |
Der Unterschied zu den verwechselbaren Saugern lässt sich mit einer einfachen Regel fassen: Kein Gespinst, keine schwarzen Kotpunkte, aber springende Tiere und weiße Häutungshemden — das sind Zikaden. Wer schon bei den ersten hellen Sprenkeln ein Blatt umdreht und nach Häutungshemden und wegspringenden Tieren sucht, ordnet den Befall sicher zu und spart sich überflüssige Maßnahmen.
Lebensweise & Vermehrung
Das Leben der Zikaden ist überschaubar und im Garten gut beobachtbar. Aus dem Ei schlüpft eine flügellose Larve, die in mehreren Stadien an der Pflanze saugt und sich häutet — wobei sie jedes Mal eines der charakteristischen weißen Häutungshemden zurücklässt — und sich schließlich zum geflügelten, geschlechtsreifen Tier entwickelt. Anders als Thrips oder Spinnmilbe vermehren sich Zikaden nicht explosionsartig: Die meisten Gartenarten bringen nur ein bis zwei Generationen pro Jahr hervor. Genau deshalb baut sich ein Befall langsamer auf und bleibt häufiger im tolerierbaren Rahmen, statt in wenigen Wochen zu kippen.
Die Überwinterung unterscheidet sich von Art zu Art und bestimmt, wann und wo du eingreifen kannst. Viele Kleinzikaden überwintern als Ei im Pflanzengewebe, andere als erwachsenes Tier geschützt in Pflanzenresten, Falllaub oder immergrünem Laub. Besonders aufschlussreich ist der Zyklus der Rhododendronzikade: Die erwachsenen Tiere saugen über den Sommer am Laub, und die Weibchen legen ab dem Spätsommer bis Herbst ihre Eier in die Blütenknospen — genau dort, wo sie dem Pilz der Knospenbräune die Tür öffnen. Die Eier überwintern in den Knospen, und im Frühsommer schlüpft die nächste Generation. Daraus ergibt sich der wichtigste Eingriffshebel: Wer die mit Eiern belegten, bereits braunen Knospen ab Spätsommer entfernt, unterbricht zugleich den Zikaden- und den Pilzkreislauf.
| Stadium / Phase | Wann | Was passiert |
|---|---|---|
| Ei | je nach Art über Sommer oder als Überwinterungsform | einzeln ins Pflanzengewebe gelegt; bei der Rhododendronzikade in die Blütenknospen |
| Larve | Frühjahr bis Frühsommer | flügellos, saugt an den Blattunterseiten, hinterlässt bei jeder Häutung ein Häutungshemd |
| Schaumzikaden-Larve | Frühsommer | sitzt geschützt im selbst erzeugten Schaumnest (“Kuckucksspeichel”) |
| Adult | Sommer bis Herbst | geflügelt, springfreudig; saugt, paart sich und legt Eier |
| Überwinterung | Herbst bis Frühjahr | je nach Art als Ei (z. B. in Rhododendronknospen) oder als erwachsenes Tier in Pflanzenresten |
| Generationen/Jahr | — | meist 1–2, daher langsamer Aufbau als bei Thrips oder Spinnmilbe |
Aus dieser Biologie folgen zwei praktische Punkte. Erstens: Weil die meisten Arten nur wenige Generationen im Jahr haben und keine klebrigen Massenkolonien bilden, läuft ein Befall selten aus dem Ruder — Geduld und das Fördern von Gegenspielern reichen fast immer aus. Zweitens: Bei der Rhododendronzikade ist das Eilegen in die Knospen der Schlüssel. Wer den Zeitpunkt kennt und die befallenen Knospen rechtzeitig herausbricht, bekämpft nicht die Zikade um ihrer selbst willen, sondern unterbindet die viel ärgerlichere Knospenbräune gleich mit.
Natürliche Gegenspieler
Hier liegt die gute Nachricht: Zikaden haben eine ganze Reihe natürlicher Feinde, die einen Befall im naturnahen Garten meist von allein im Zaum halten. Weil sich Zikaden so langsam vermehren und einzeln sitzen, fällt es den Räubern leichter, mit ihnen Schritt zu halten — anders als bei den explosionsartigen Massenvermehrern. Einen Überblick über die Helfer im Garten findest du auf der Seite Nützlinge.
Zu den wirksamsten Gegenspielern zählen Spinnen, die die springenden Tiere in ihren Netzen oder als Jäger erbeuten — eine gut bewachsene, strukturreiche Rabatte mit vielen Spinnen ist ein schlechtes Zuhause für Zikaden. Ebenso wichtig sind räuberische Raubwanzen, die die Larven und ausgewachsenen Tiere aussaugen. Und schließlich machen Vögel Jagd auf die auffälligeren Arten, gerade in der Brutzeit, wenn sie ihre Jungen mit Insekten füttern. Daneben greifen breiter fressende Nützlinge wie Florfliegen- und Marienkäferlarven gelegentlich auch junge Zikaden ab.
| Gegenspieler | Wirkprinzip | Besonderheit |
|---|---|---|
| Spinnen | Räuber | fangen die springenden Tiere im Netz oder erjagen sie; profitieren von strukturreichen, ungestörten Beeten |
| Raubwanzen | Räuber | saugen Larven und ausgewachsene Zikaden aus; häufig in naturnahen Gärten |
| Vögel | Räuber | fressen vor allem die größeren, auffälligen Arten, besonders in der Brutzeit |
| Florfliegen- & Marienkäferlarven | Räuber | erbeuten nebenbei junge Zikadenlarven (Nützlinge) |
| Schlupfwespen & Ei-Parasitoide | Parasit | manche kleinen Wespen parasitieren Zikadeneier oder -larven und drosseln die Population |
Wie diese Helfer wirken, kannst du selbst fördern: Je strukturreicher, blütenreicher und ungespritzter dein Garten ist, desto mehr Spinnen, Raubwanzen und Vögel finden hier ihr Auskommen — und desto seltener wird die Weißsprenkelung überhaupt auffällig. Der häufigste Fehler ist hier dasselbe wie bei vielen Saugern: Wer breit gegen die harmlose Sprenkelung spritzt, erschlägt vor allem die Gegenspieler und macht die nächste Generation erst recht zum Problem. Bei Zikaden lohnt sich das ohnehin selten — sie sind die Paradebeispiele dafür, dass Stillhalten und Nützlinge fördern fast immer die klügere Strategie ist.
Vorbeugen & Regulieren
Bevor du loslegst, steht bei Zikaden mehr als bei jedem anderen Sauger die ehrliche Abwägung: Musst du überhaupt eingreifen? In den allermeisten Fällen lautet die Antwort Nein. Die Weißsprenkelung ist ein kosmetischer Schaden, den eine kräftige Pflanze problemlos verkraftet — sie bildet nach und nach gesundes Laub nach, und der Befall verschwindet von selbst, sobald die Gegenspieler nachziehen. Frag dich also ehrlich, ob die Schadschwelle wirklich überschritten ist. Ernst wird es eigentlich nur in zwei Fällen: bei der Rhododendronzikade wegen der drohenden Knospenbräune und bei den seltenen virus- oder phytoplasmenübertragenden Arten. Ansonsten gilt: abgestuft und zurückhaltend handeln, vom Schonendsten zum Stärksten.
- Vorbeugen über Nützlingsförderung, Monitoring und kräftige Pflanzen.
- Mechanisch/kulturell mit Gelbtafeln zum Fang und dem gezielten Entfernen befallener Teile (bei der Rhododendronzikade die braunen Knospen).
- Biologisch indem du den Gegenspielern Raum gibst — eigentlicher Bedarf an Präparaten besteht kaum.
- Letztes Mittel nur in seltenen Ausnahmefällen bei massivem, anders nicht beherrschbarem Befall.
| Maßnahme | Stufe | Wann / wie |
|---|---|---|
| Nützlinge fördern | Vorbeugen | strukturreiche, blütenreiche Beete und Verzicht auf Gift sichern Spinnen, Raubwanzen und Vögeln das Auskommen |
| Pflanzen kräftig halten | Vorbeugen | gleichmäßig wässern, maßvoll düngen, gute Standortwahl — eine vitale Pflanze steckt die Sprenkelung locker weg |
| Monitoring | Vorbeugen | regelmäßig Blattunterseiten auf Häutungshemden und springende Tiere kontrollieren, gerade am Rhododendron |
| Gelbtafeln aufhängen | Mechanisch | gelbe Leimtafeln ziehen die fliegenden Zikaden an — zum Monitoring und Wegfangen, besonders am Rhododendron |
| Braune Knospen entfernen | Mechanisch | bei der Rhododendronzikade die befallenen, braunen Knospen ab Spätsommer ausbrechen und entsorgen — gegen Zikade und Knospenbräune zugleich |
| Befallene Teile abbrausen | Mechanisch | bei Bedarf Blattunterseiten kräftig mit Wasser abspritzen, um Larven und Tiere zu entfernen |
| Schaumnester ignorieren | Kulturell | der “Kuckucksspeichel” der Schaumzikaden ist harmlos — bei Bedarf einfach mit Wasser abbrausen |
| Gegenspielern Raum geben | Biologisch | nicht spritzen, damit Spinnen, Raubwanzen und Schlupfwespen den Befall regulieren (Nützlinge) |
| Niem / Kali-Seife | Letztes Mittel | nur in seltenen Ausnahmefällen, gezielt an Blattunterseiten; benetzt die Tiere, schont Nützlinge nur bei sparsamem Einsatz |
| Stärkere Mittel | Letztes Mittel | praktisch nie nötig — der kosmetische Schaden rechtfertigt keine breite Spritzung |
Die klügste Strategie gegen Zikaden ist also fast immer das bewusste Stillhalten: Eine kräftige Pflanze mit gesunden Gegenspielern reguliert die Sprenkelung von allein, und der nächste Austrieb sieht wieder sauber aus. Die einzige Maßnahme, die sich regelmäßig wirklich lohnt, betrifft die Rhododendronzikade: Brichst du die befallenen, braunen Knospen ab Spätsommer aus und entsorgst sie, unterbrichst du den Lebenszyklus der Zikade und entziehst der Knospenbräune zugleich ihre Eintrittspforte. Gelbtafeln helfen dir, den Befall zu überwachen und die fliegenden Tiere wegzufangen.
Erst wenn ein Befall in einem Ausnahmefall — etwa bei einer virusübertragenden Art an einer empfindlichen Kultur — tatsächlich aus dem Ruder läuft, kommen gezielte Maßnahmen wie Niem oder Kali-Seife als Kontaktmittel an den Blattunterseiten in Frage; auch sie nur begrenzt und schonend, damit du die Gegenspieler nicht miterschlägst. Stärkere chemische Mittel sind bei Zikaden praktisch nie gerechtfertigt: Der Schaden ist meist rein optisch, und der Preis — verlorene Nützlinge und ein gestörtes Gartengleichgewicht — steht in keinem Verhältnis dazu.
Häufige Fehler und Mythen
“Weiß gesprenkelte Blätter bedeuten immer Spinnmilben.” Nicht unbedingt. Spinnmilbe, Thrips und Zikaden hinterlassen alle helle Sprenkel, doch die Zeichen sind verschieden: Die Spinnmilbe spinnt feine Gespinste, der Thrips setzt schwarze Kotpünktchen, und die Zikade hinterlässt keines von beidem — stattdessen weiße Häutungshemden und springende Tiere. Dreh ein Blatt um und sieh genau hin, bevor du das falsche Gegenmittel wählst.
“Der weiße Schaum an meinen Stauden ist eine gefährliche Krankheit.” Eine harmlose Verwechslung. Der “Kuckucksspeichel” ist kein Pilz und keine Seuche, sondern das Schaumnest einer Schaumzikaden-Larve, die darin geschützt sitzt. Für die Pflanze ist er praktisch bedeutungslos — du kannst ihn einfach mit Wasser abbrausen, musst aber gar nichts tun.
“Zikaden müssen sofort bekämpft werden, sonst geht die Pflanze ein.” Fast immer falsch. Der Saugschaden ist in der Regel rein kosmetisch; eine kräftige Pflanze verkraftet die Sprenkelung mühelos und treibt sauber nach. Wer hier breit spritzt, erschlägt vor allem die Nützlinge und schafft sich für die nächste Saison ein größeres Problem.
“Die Rhododendronzikade frisst die Knospen kahl.” So nicht. Die Zikade selbst macht an den Knospen kaum direkten Schaden — entscheidend ist, dass sie beim Eilegen das Knospengewebe verletzt und so dem Pilz der Knospenbräune den Weg bahnt. Die braunen, vertrockneten Knospen sind die Folge des Pilzes, nicht des Sauges. Deshalb hilft es, die befallenen Knospen zu entfernen.
“Zikaden sind völlig ungefährlich.” Meistens ja, aber nicht immer. Die Sprenkelung ist harmlos, doch einige Arten übertragen beim Saugen Pflanzenviren oder Phytoplasmen, und die Rhododendronzikade fördert die Knospenbräune. In diesen Sonderfällen lohnt es sich, genauer hinzuschauen und gezielt zu handeln — siehe Pflanzenviren.
Abgrenzung zu ähnlichen Saugern
Mehrere winzige Sauger werden mit Zikaden verwechselt — sie verursachen teils ähnliche Aufhellungen, brauchen aber andere Maßnahmen und Gegenspieler. Diese Übersicht hilft dir, sie auseinanderzuhalten.
| Sauger | Aussehen / Schadbild | Wie du ihn von Zikaden unterscheidest |
|---|---|---|
| Zikaden (Auchenorrhyncha) | 2–9 mm, schlank, keilförmig, mit Sprungbeinen; grobe Weißsprenkelung, Häutungshemden | springende Tiere und weiße Häutungshemden, kein Gespinst, keine schwarzen Kotpunkte |
| Thrips (Thysanoptera) | 1–2 mm, schmal; silbriger Glanz mit schwarzen Kotpunkten | silbriger Glanz und schwarze Kotpünktchen im Saugfleck; Tiere huschen, statt weit zu springen |
| Spinnmilbe (Tetranychidae) | < 0,5 mm, 8 Beine; helle Sprenkel, feine Gespinste | feine Gespinste statt Häutungshemden; winzige krabbelnde Pünktchen, keine springenden Tiere |
| Blattlaus (Aphidoidea) | 1–3 mm, weich, birnenförmig, in Kolonien | sitzen in dichten Kolonien mit klebrigem Honigtau; keine Sprenkelung, kein Sprung |
| Schaumzikaden-Nest (“Kuckucksspeichel”) | weiße Schaumballen an Stängeln | harmloser Schaum statt Krankheitsbelag; darin sitzt eine springende Zikadenlarve |
Die wichtigste Faustregel: Stör die Tiere und dreh das Blatt um. Springen schlanke, keilförmige Tierchen weit weg und findest du weiße Häutungshemden auf den Blattunterseiten, sind es Zikaden. Schimmern die Blätter silbrig mit schwarzen Kotpunkten, ist es der Thrips; findest du feine Gespinste und winzige krabbelnde Pünktchen, ist es die Spinnmilbe; sitzen weiche, birnenförmige Tiere in dichten Kolonien mit klebrigem Honigtau, ist es die Blattlaus; und der weiße Schaum an Stauden ist nur das harmlose Nest einer Schaumzikade. Wer richtig zuordnet, spart sich bei Zikaden die meiste Mühe — denn anders als bei den anderen ist hier Stillhalten fast immer die beste Antwort.
Mitnehmen
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Zikaden sind schlanke, springende Saftsauger. Die Kleinzikaden (Auchenorrhyncha) wie die Rhododendronzikade (Graphocephala fennahi) oder die Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) sind 2–9 mm groß, keilförmig und katapultieren sich bei Störung mit kräftigen Sprungbeinen davon.
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Grobe Weißsprenkelung und Häutungshemden sind ihr Zeichen. Ihr Saugen erzeugt eine grobe weiß-gelbliche Aufhellung der Blätter, und auf den Blattunterseiten bleiben weiße, durchsichtige Häutungshemden zurück — beides ohne Gespinst und ohne schwarze Kotpunkte.
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Der Schaden ist meist nur kosmetisch. Für eine kräftige Pflanze ist die Sprenkelung ein Schönheitsfehler, kein Notfall; sie treibt sauber nach, sobald die Gegenspieler nachziehen.
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Schaum an Stauden ist harmlos — die Rhododendronzikade ist der Sonderfall. Der “Kuckucksspeichel” der Schaumzikaden ist ungefährlich, doch die Rhododendronzikade öffnet beim Eilegen in die Knospen dem Pilz der Knospenbräune die Tür, und manche Arten übertragen Pflanzenviren oder Phytoplasmen.
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Nützlinge regeln das meiste von allein. Spinnen, Raubwanzen und Vögel halten Zikaden im naturnahen Garten in Schach — wer breit spritzt, erschlägt vor allem die Helfer und verschärft das Problem.
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Eingreifen nur dosiert und gezielt. Erst Schadschwelle abwägen, dann Nützlinge fördern und Gelbtafeln nutzen; beim Rhododendron die braunen Knospen ab Spätsommer ausbrechen — chemische Mittel sind bei Zikaden fast nie gerechtfertigt.
Verwandte Seiten
- Spinnmilbe — der andere Sauger mit heller Blattsprenkelung, der sich aber durch feine Gespinste statt Häutungshemden und durch fehlende Sprungtiere von Zikaden trennen lässt
- Thrips — verursacht ähnliche helle Saugstellen, verrät sich aber durch silbrigen Glanz und schwarze Kotpünktchen statt der groben Zikaden-Sprenkelung
- Pflanzenviren — die heimtückische Zusatzgefahr, denn einige Zikadenarten schleppen beim Saugen Viren und Phytoplasmen ein, die mehr Schaden anrichten als das Saugen selbst
- Nützlinge — der Überblick über die natürlichen Gegenspieler im Garten, allen voran Spinnen, Raubwanzen und Vögel, die Zikaden in Schach halten
- Schadschwelle — der Maßstab, ab wann ein Befall die Pflanze wirklich bedroht und ein Eingreifen rechtfertigt — bei Zikaden besonders wichtig, weil der Schaden meist nur kosmetisch ist