Blutlaus — der wollige Rindensauger am Apfelbaum
Blutlaus — der wollige Rindensauger am Apfelbaum
Du gehst im Sommer an deinem Apfelbaum vorbei und stutzt: An einer alten Astgabel, rund um eine verheilte Schnittwunde oder an jungen Trieben sitzen weiße, watteartige Polster, als hätte jemand Wattebäusche in die Rindenritzen gestopft. Auf den ersten Blick denkst du an Schimmel oder an einen Pilz. Doch wenn du mit dem Finger über den Belag fährst und die darunter verborgenen Tiere zerdrückst, färben sich deine Fingerkuppen rotbraun — wie von Blut. Genau dieser rote Saft ist das Markenzeichen der Blutlaus, eines wollig bewachsten Rindensaugers, der fast ausschließlich den Apfelbaum befällt.
Bevor du die Polster nur abwischst und weitergehst, lohnt es sich, diesen Gegner zu verstehen. Denn die Blutlaus saugt nicht harmlos am Laub wie ihre grünen Verwandten, sondern direkt an Rinde, Trieben und am Wurzelhals — und ihr Speichel reizt das Holz so stark, dass die Rinde mit knotigen, krebsartigen Wucherungen reagiert. Diese aufplatzenden Wülste werden zum Eintrittstor für gefährlichere Erreger wie den Obstbaumkrebs. Gerade junge Bäume leiden darunter. Auf dieser Seite erfährst du, wie du die Blutlaus sicher erkennst, woher die roten Spuren und die weiße Wolle kommen, wer sie in Schach hält — und welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge wirklich helfen.
Was ist die Blutlaus?
Die Blutlaus (Eriosoma lanigerum), genauer die Apfelblutlaus, ist eine Rindenlaus aus der Familie der Röhrenläuse (Aphididae) — also eine besondere Blattlaus, die sich auf das Saugen an Rinde und Holz statt an Blättern spezialisiert hat. Ursprünglich aus Nordamerika eingeschleppt, ist sie heute in fast allen Apfelanbaugebieten verbreitet. Ihr deutscher Name führt manchen in die Irre: Sie saugt kein Blut und überträgt keine Krankheiten auf den Menschen. Der Name stammt allein von der rotbraunen Körperflüssigkeit, die austritt, wenn man die Tiere zerdrückt — auf der hellen Rinde sieht das aus wie verschmiertes Blut.
Das Auffälligste an der Blutlaus ist nicht das Tier selbst, sondern seine weiße Schutzhülle. Die einzelne Laus ist nur ein bis zwei Millimeter groß, rotbraun bis purpurn gefärbt und weichhäutig. Über den Rücken scheiden die Tiere lange, wachsige Fäden aus, die zu einem dichten, watteartigen Belag verfilzen. Unter diesem Wachswollkleid sitzen die Läuse in dichten Kolonien, geschützt vor Austrocknung, Regen und vielen Spritzmitteln, die schlicht abperlen. Befallen wird fast ausschließlich der Apfel (Wild- und Kulturapfel); selten geht die Blutlaus auch an Verwandte wie die Quitte oder die Mehlbeere.
Wirtschaftlich und gärtnerisch bedeutsam ist die Blutlaus vor allem wegen ihrer Folgeschäden. Anders als die meisten Blattläuse, die “nur” Saft entziehen und Honigtau hinterlassen, regt der Speichel der Blutlaus das angesaugte Holz zu wucherndem Wachstum an. So entstehen die typischen knotigen, krebsartigen Verdickungen an Rinde und Trieben — der sogenannte Blutlauskrebs. Diese Wülste platzen auf und werden zur offenen Wunde, durch die Pilze und Bakterien eindringen. Gerade junge Bäume und Neupflanzungen kann ein starker Befall empfindlich schwächen.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Eriosoma lanigerum (Apfelblutlaus), Familie Röhrenläuse (Aphididae) |
| Einordnung | eine spezialisierte Rindenlaus (Blattlaus-Verwandte), kein Blut-/Stechinsekt am Menschen |
| Größe | einzelne Laus 1–2 mm, rotbraun bis purpurn, unter dichtem weißem Wachswollkleid |
| Befallspflanzen | fast nur Apfel (Wild- und Kulturapfel); selten Quitte, Mehlbeere und andere Kernobst-Verwandte |
| Schaden | Saugen an Rinde, Trieben, Ästen und Wurzelhals; knotiger Blutlauskrebs als Eintrittstor für Obstbaumkrebs |
| Generationen/Jahr | mehrere, sich überlappende Generationen pro Jahr (lebendgebärend durch Jungfernzeugung) |
| Überwinterung | meist als junge Larve in Rindenritzen und am Wurzelbereich/Wurzelhals |
| Hauptgegenspieler | Blutlauszehrwespe (Aphelinus mali), Ohrwürmer, Florfliegen, Marienkäfer |
Erkennen & Schadbild
Die Blutlaus erkennst du fast immer zuerst an ihrem weißen, watteartigen Belag. Anders als ein flächiger Pilzbelag sitzt diese Wolle in Polstern und Nestern: in Rindenritzen, an rauen Stellen alter Äste, rund um verheilte Schnitt- und Risswunden, an den Triebbasen und — leicht übersehen — am Stammfuß und Wurzelhals unter der Erde. Schiebst du die Wolle beiseite, kommen die dicht gedrängten, rotbraunen bis purpurnen Tiere zum Vorschein. Das sicherste Erkennungsmerkmal lieferst du selbst: Zerdrückst du eine Handvoll Läuse zwischen den Fingern oder wischst über die Kolonie, tritt eine rote bis braunrote Flüssigkeit aus und verschmiert wie Blut auf der hellen Rinde. Keine andere Laus am Apfel zeigt dieses Bild.
Das Schadbild verrät sich oft schon, bevor du die Wolle entdeckst. Die Blutlaus saugt mit ihrem Stechrüssel direkt am Rindengewebe von Trieben, Ästen, Stamm und Wurzelhals. Der Speichel reizt das Holz, das daraufhin mit überschießendem Wundgewebe reagiert. So bilden sich die typischen knotigen, krebsartigen Wucherungen — Verdickungen und Wülste, die anfangs glatt sind, später aufreißen und sich in offene, rissige “Krebsstellen” verwandeln. Diese Wunden sind das eigentliche Problem: Sie werden zum Eintrittstor für den Obstbaumkrebs (einen Rindenpilz) und andere Fäulniserreger. Junge Bäume mit dünner Rinde leiden besonders, weil ihr Holz noch weich und die Wuchsleistung empfindlicher ist.
Zwei weitere Spuren helfen dir beim Hinschauen. Erstens scheidet auch die Blutlaus Honigtau aus — den klebrigen, zuckrigen Saftüberschuss, auf dem sich später schwarze Rußtaupilze ansiedeln und Ameisen einfinden können. Zweitens lohnt im Spätsommer und Herbst ein Blick auf den Stammfuß und die Wurzeln: Dort überwintern viele Tiere, und ein unterirdischer Wurzelhalsbefall bleibt oberirdisch lange unauffällig, schwächt den Baum aber stetig. Drehe also bei verdächtigen weißen Polstern nicht nur einen Trieb um, sondern scharre auch am Stammgrund vorsichtig nach.
| Schadbild | Wie es entsteht | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| Weiße Wollpolster | die Läuse überziehen sich mit wachsigen Ausscheidungsfäden | watteartige, schimmelähnliche Nester in Rindenritzen, an Astgabeln und Wundrändern |
| Roter Saft | beim Zerdrücken tritt die rotbraune Körperflüssigkeit aus | rotbraune Schliere auf der Rinde, wenn du über die Kolonie wischst — das sichere Kennzeichen |
| Knotige Wucherungen (Blutlauskrebs) | der Speichel reizt das Rindengewebe zu überschießendem Wuchs | warzige Verdickungen und Wülste an Trieben und Ästen, die später aufreißen |
| Krebsstellen / offene Wunden | aufgeplatzte Wucherungen werden zum Eintrittstor für Erreger | rissige, eingesunkene Rindenstellen, oft begleitet von Obstbaumkrebs |
| Honigtau & Rußtau | überschüssiger Zucker wird ausgeschieden, Pilze siedeln darauf | klebriger Belag und schwarze Verschmutzung an Trieben unter der Kolonie, Ameisenverkehr |
Gerade der indirekte Schaden wiegt bei der Blutlaus oft schwerer als der reine Saftentzug: Nicht das bisschen entzogene Saft schwächt den Baum entscheidend, sondern die aufgerissenen Wucherungen, durch die der Obstbaumkrebs und andere Fäulniserreger eindringen. Ein vernachlässigter Befall an einem jungen Apfel kann so über Jahre zu deformierten, krebsigen Ästen führen. Achte deshalb besonders auf Bäume, die du frisch geschnitten oder gepflanzt hast — frische Wunden und weiches, neues Holz zieht die Blutlaus an.
Lebensweise & Vermehrung
Die Blutlaus vermehrt sich nach demselben Grundprinzip wie ihre Verwandten unter den Blattläusen: über Jungfernzeugung (Parthenogenese). Die Weibchen bringen ohne vorherige Paarung lebende Jungtiere zur Welt, und das in rascher Folge. So entstehen bei warmem Wetter im Lauf der Saison mehrere sich überlappende Generationen pro Jahr. An einer Kolonie sitzen deshalb meist alle Stadien gleichzeitig — frisch geborene Larven dicht neben ausgewachsenen, wollig bewachsten Tieren. In Mitteleuropa fehlen der Apfelblutlaus die für viele Blattläuse typische Geschlechtsgeneration und der Wirtswechsel weitgehend; sie bleibt ganzjährig am Apfel und pflanzt sich praktisch durchweg parthenogenetisch fort.
Den Winter übersteht die Blutlaus meist als junge Larve, die geschützt in Rindenritzen, unter abblätternder Borke und vor allem am Wurzelhals und an den Wurzeln überdauert. Gerade der unterirdische Teil der Population ist tückisch, weil er von Spritzungen und vom Abbürsten oberirdisch nicht erreicht wird und im Frühjahr für stetigen Nachschub sorgt. Sobald es wärmer wird, wandern die überwinternden Larven wieder an die Triebe und beginnen neue Kolonien aufzubauen. Die Ausbreitung im und zwischen den Bäumen erfolgt vor allem über die kleinen, beweglichen Wanderlarven, die zu Fuß neue Stellen besiedeln, sowie über den Wind, der sie verdriftet — seltener werden Tiere auch verschleppt.
| Jahreszeit | Stadium / Form | Was passiert |
|---|---|---|
| Winter | junge Larve | überdauert geschützt in Rindenritzen, unter Borke und am Wurzelhals/an den Wurzeln |
| Frühjahr | aufwandernde Larven | die Überwinterer wandern an die Triebe und gründen neue Kolonien |
| Frühsommer bis Sommer | ungeflügelte Jungfern (lebendgebärend) | rasche Massenvermehrung durch Parthenogenese; die Wollkolonien wachsen |
| Sommer | Wanderlarven | bewegliche Junglarven besiedeln neue Stellen am Baum und werden vom Wind verdriftet |
| Spätsommer/Herbst | abwandernde Larven | Rückzug in geschützte Ritzen und an den Wurzelhals zur Überwinterung |
Für dich praktisch wichtig ist der Zusammenhang zwischen Wuchs und Befall: Die Blutlaus bevorzugt üppige, weiche, stickstoffreiche Triebe und frische Wunden. Ein Baum, der durch Überdüngung oder einen zu starken Rückschnitt viele wasserreiche Wassertriebe schiebt, ist für sie ein gefundenes Fressen. Wer den Baum dagegen maßvoll versorgt und ihn nicht zu stark schneidet, nimmt der Blutlaus von vornherein ihre Lieblingsnahrung. Das macht die Wuchssteuerung zu einem der wirksamsten — und oft unterschätzten — Hebel gegen einen Befall.
Natürliche Gegenspieler
Auch die Blutlaus hat wirksame natürliche Gegenspieler — und einer davon ist auf sie spezialisiert. Wenn du diesen Helfern Lebensraum gibst und sie schonst, halten sie einen Befall in vielen Gärten von selbst auf erträglichem Niveau. Einen Überblick über die Nützlinge im Garten findest du auf der Seite Nützlinge.
Der wichtigste Gegenspieler ist die Blutlauszehrwespe (Aphelinus mali), eine winzige, auf die Blutlaus spezialisierte Schlupfwespe. Sie legt ihr Ei in die lebende Laus; die Larve frisst den Wirt von innen auf, und zurück bleibt eine schwarz verfärbte, aufgeblähte Mumie mit einem kreisrunden Schlupfloch. Diese mumifizierten, schwarzen Läuse zwischen der weißen Wolle sind ein gutes Zeichen, dass die Regulierung läuft — zerstöre sie nicht. Daneben machen sich auch breiter fressende Räuber an die Kolonien: der nachtaktive Ohrwurm, die Larven der Florfliege (“Blattlauslöwen”) und der Marienkäfer samt seiner gefräßigen Larve.
| Gegenspieler | Wirkprinzip | Besonderheit |
|---|---|---|
| Blutlauszehrwespe (Aphelinus mali) | Parasitoid | auf die Blutlaus spezialisierte Schlupfwespe; hinterlässt schwarze Lausmumien |
| Ohrwurm | Räuber | nachtaktiver Allesfresser, vertilgt an Obstgehölzen viele Läuse — mit Tontopf-Quartier fördern |
| Florfliege (Larve) | Räuber | die “Blattlauslöwen”-Larve leert auch Blutlauskolonien mit ihren Saugzangen |
| Marienkäfer (Käfer + Larve) | Räuber | vor allem die Larve frisst über ihr Larvenleben viele Läuse |
| Kleinvögel (Meisen u. a.) | Räuber | picken überwinternde Läuse aus Rindenritzen; mit Nistkästen fördern |
Wie diese Helfer zusammenwirken, kannst du an einem länger befallenen Apfel gut beobachten: Wo die Blutlauszehrwespe etabliert ist, durchsetzt sie eine Kolonie nach und nach mit schwarzen Mumien und drückt den Befall über die Generationen, während Ohrwürmer, Florflieg- und Marienkäferlarven die sichtbaren Polster abräumen. Genau hier liegt aber auch der häufigste Fehler: Breit wirkende Spritzmittel treffen die langsamer reagierende Zehrwespe und die Räuber härter als die geschützten, wachsumhüllten Läuse — und der nächste Befall fällt dann oft stärker aus. Wer die Gegenspieler schont, einen Teil des Befalls toleriert und im Winter Nistkästen und Ohrwurm-Quartiere anbietet, hat langfristig die ruhigeren Bäume.
Vorbeugen & Regulieren
Bevor du loslegst, steht auch hier die Abwägung: Musst du überhaupt eingreifen — und wie stark? Ein paar kleine Wollpolster an einem kräftigen, älteren Apfel sind kein Notfall und werden oft von der Blutlauszehrwespe und den Räubern in Schach gehalten. Ernster wird es bei jungen Bäumen und Neupflanzungen, bei starkem, ausgedehntem Befall und überall dort, wo sich bereits aufgerissene Krebsstellen zeigen — denn dann droht der Obstbaumkrebs. Frag dich also, ob die Schadschwelle wirklich überschritten ist, und greife dann in abgestufter Reihenfolge vom Schonendsten zum Stärksten ein.
- Vorbeugen über Sortenwahl, Wuchssteuerung und Wundpflege.
- Mechanisch abbürsten und stark befallene Triebe entfernen.
- Biologisch die Gegenspieler fördern und schonen.
- Öl- oder Schmierseifenpräparate erst als letztes, gezieltes Mittel.
| Maßnahme | Stufe | Wann / wie |
|---|---|---|
| Robuste Unterlagen/Sorten wählen | Vorbeugen | blutlaustolerante Unterlagen und weniger anfällige Sorten pflanzen (siehe Resistenz & Toleranz) |
| Stickstoffüberschuss vermeiden | Vorbeugen | maßvoll düngen — üppige, weiche Triebe sind das Lieblingsfutter der Blutlaus |
| Nicht zu stark schneiden | Vorbeugen | starker Rückschnitt treibt weiche Wassertriebe; lieber maßvoll und regelmäßig auslichten (siehe Auslichten) |
| Wunden vermeiden & pflegen | Vorbeugen | Schnitt- und Rindenwunden gering halten und sauber verheilen lassen — sie sind Befalls- und Krebs-Eintrittstore |
| Nützlinge fördern | Vorbeugen | Ohrwurm-Quartiere, Blühflächen, Nistkästen; die Blutlauszehrwespe schonen (Nützlinge) |
| Abbürsten mit Wasser/Schmierseife | Mechanisch | erreichbare Kolonien mit einer Bürste und Wasser-/Schmierseifenlösung (notfalls etwas Spiritus) abreiben |
| Befallstriebe ausschneiden | Mechanisch | stark befallene, krebsige Triebe herausschneiden und entsorgen, nicht kompostieren |
| Stammfuß/Wurzelhals prüfen | Mechanisch | unterirdische Kolonien freilegen und mitbehandeln, da sie sonst für Nachschub sorgen |
| Öl-/Schmierseifenpräparat | Letztes Mittel | bildet einen Film, der die Läuse erstickt; gezielt auf die Wollpolster, Wachshülle benetzen, Nützlinge schonen |
Die wirksamste und billigste Stufe ist auch bei der Blutlaus das Vorbeugen: Pflanze auf blutlaustolerante Unterlagen, dünge maßvoll (kein Stickstoffüberschuss), schneide den Baum nicht zu radikal und halte Wunden gering — damit nimmst du der Laus ihre Lieblingsbedingungen. Kommt es doch zum Befall, ist das Abbürsten an erreichbaren Stellen die Methode der Wahl: Mit einer Bürste und einer Wasser-Schmierseifen-Lösung (notfalls mit etwas Spiritus angereichert) reibst du die Wollpolster ab — das zerstört die schützende Wachshülle, ohne die sich die Läuse nur schwer halten können. Stark befallene, bereits krebsige Triebe schneidest du heraus und entsorgst sie im Restmüll, nicht auf dem Kompost.
Erst wenn das nicht reicht, kommen Öl- oder Schmierseifenpräparate ins Spiel. Sie wirken über einen erstickenden Film und müssen die wachsige Wolle wirklich durchdringen und benetzen — sonst perlt die Brühe ab. Setze sie deshalb gezielt auf die Kolonien und nicht flächig über den ganzen Baum ein, um die Blutlauszehrwespe und die Räuber zu schonen. Und vergiss den Wurzelhals nicht: Wer nur die sichtbaren Triebe behandelt, lässt die unterirdische Reserve übrig, aus der im nächsten Frühjahr neue Kolonien aufsteigen. Geduld und Wiederholung schlagen hier den einmaligen Rundumschlag — und schonen zugleich die Helfer, die dir die meiste Arbeit abnehmen.
Häufige Fehler und Mythen
“Der weiße Belag ist Schimmel oder ein Pilz.” Naheliegend, aber falsch. Die watteartige Wolle ist die wachsige Schutzhülle der Blutlaus, unter der die rotbraunen Tiere sitzen. Der einfache Test: Wisch über den Belag — tritt roter Saft aus, ist es die Blutlaus, kein Pilz. Echter Mehltau oder Rußtau bluten nicht.
“Die Blutlaus saugt Blut und ist für Menschen gefährlich.” Nein. Der Name kommt allein von der rotbraunen Körperflüssigkeit, die beim Zerdrücken austritt. Die Blutlaus saugt ausschließlich Pflanzensaft am Apfel und ist für Menschen und Haustiere völlig harmlos.
“Viel düngen und kräftig schneiden machen den Baum widerstandsfähig.” Das Gegenteil stimmt. Stickstoffüberschuss und starker Rückschnitt treiben weiche, saftige Triebe — und genau die liebt die Blutlaus. Maßvolle Düngung und ein zurückhaltender, regelmäßiger Schnitt machen das Holz widerstandsfähiger.
“Einmal kräftig spritzen, dann ist Ruhe.” Selten. Die Wachswolle lässt viele Mittel abperlen, und ein großer Teil der Population sitzt geschützt am Wurzelhals. Breitbandmittel erschlagen zudem die Blutlauszehrwespe — der nächste Befall fällt dann oft stärker aus. Abbürsten, Geduld und Nützlingsschutz wirken nachhaltiger.
“Die schwarzen Läuse in der Wolle sind tote Schädlinge — also Erfolg.” Genau prüfen lohnt sich: Schwarze, aufgeblähte Läuse mit Schlupfloch sind Mumien der Blutlauszehrwespe — ein Zeichen, dass dein wichtigster Helfer arbeitet. Wer sie samt Wolle wegputzt, schwächt die natürliche Regulierung. Lass parasitierte Kolonien möglichst stehen.
Abgrenzung zu ähnlichen Saugern und Belägen
Mehrere weiße, wollige oder belegartige Erscheinungen werden mit der Blutlaus verwechselt — sie verursachen teils ähnliche Bilder, brauchen aber andere Maßnahmen und treten an anderen Pflanzen auf. Diese Übersicht hilft dir, sie auseinanderzuhalten.
| Erscheinung | Aussehen / Vorkommen | Wie du sie von der Blutlaus unterscheidest |
|---|---|---|
| Blutlaus (Eriosoma lanigerum) | weiße Wollpolster an Apfelrinde, Trieben und Wurzelhals | beim Zerdrücken tritt roter Saft aus; knotige Wucherungen (Blutlauskrebs) am Apfel |
| Wollläuse / Schmierläuse | weiße, wollig-mehlige Tiere an Zimmer- und Kübelpflanzen | an Innen-/Kübelpflanzen statt am Apfelbaum; kein roter Saft beim Zerdrücken |
| Schildläuse | feste, braune oder weiße Schildchen, unbeweglich am Holz | sitzen unter einem harten Schild festgesaugt; keine lockere Wolle, kein roter Saft |
| Echter Mehltau (Pilz) | weißer, mehlig-abwischbarer Belag auf Blättern und Trieben | flächiger Pilzrasen auf der Oberfläche, keine Tiere, kein roter Saft (siehe Echter Mehltau) |
| Blattlaus (grüne/schwarze) | weiche Kolonien an Triebspitzen und Blattunterseiten | sitzt am weichen Laub statt an der Rinde; keine Wachswolle, kein roter Saft |
Die wichtigste Faustregel: Wisch über den Belag und schau auf den Saft und den Standort. Tritt am Apfelbaum roter Saft aus der weißen Wolle, und sitzt sie an Rinde, Trieben oder am Stammfuß, ist es zweifelsfrei die Blutlaus. Findest du dagegen wollige Tiere an einer Zimmer- oder Kübelpflanze ohne roten Saft, hast du Wollläuse vor dir. Feste, regungslose Schildchen sind Schildläuse, und ein flächiger, abwischbarer weißer Belag ohne Tiere ist Echter Mehltau. Wer richtig zuordnet, wählt die richtige Maßnahme — denn die Blutlaus bekämpfst du gezielt am Apfel über Abbürsten, Wuchssteuerung und ihre spezialisierte Zehrwespe.
Mitnehmen
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Die Blutlaus ist eine spezialisierte Rindenlaus am Apfel. Eriosoma lanigerum saugt mit ihrem Stechrüssel an Rinde, Trieben, Ästen und Wurzelhals — sie ist eine Verwandte der Blattlaus, kein Stechinsekt am Menschen.
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Weiße Wolle und roter Saft sind die sicheren Kennzeichen. Watteartige Polster in Rindenritzen, und beim Zerdrücken austretende rotbraune Flüssigkeit — daher der Name. Kein Pilz blutet so.
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Der Blutlauskrebs ist das eigentliche Problem. Der Speichel reizt das Holz zu knotigen Wucherungen, die aufreißen und zum Eintrittstor für den Obstbaumkrebs werden — besonders gefährlich für junge Bäume.
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Üppige Triebe und Wunden ziehen sie an. Stickstoffüberschuss und starker Rückschnitt treiben weiches Holz; maßvolle Düngung, zurückhaltender Schnitt und gepflegte Wunden nehmen der Laus ihre Lieblingsbedingungen.
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Die Blutlauszehrwespe ist dein Spezialhelfer. Aphelinus mali parasitiert die Läuse (schwarze Mumien!), dazu helfen Ohrwürmer, Florfliegen und Marienkäfer — schone sie und greife nicht voreilig mit Breitbandmitteln ein.
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Halte die Stufenfolge ein. Erst Schadschwelle abwägen, dann vorbeugen (Sorte, Wuchs, Wunden), dann mechanisch abbürsten und krebsige Triebe ausschneiden (auch am Wurzelhals), dann Nützlinge fördern — Öl und Schmierseife nur als letztes, gezieltes Mittel.
Verwandte Seiten
- Blattlaus — die nahe Verwandte der Blutlaus, deren Lebensweise (Jungfernzeugung, Honigtau) sie teilt, aber am Laub statt an der Rinde saugt
- Schlupfwespe — die Insektengruppe der Blutlauszehrwespe (Aphelinus mali), die als spezialisierter Parasitoid den Befall nachhaltig drückt
- Ohrwurm — nachtaktiver Räuber an Obstgehölzen, der viele Läuse vertilgt und sich mit Tontopf-Quartieren gezielt fördern lässt
- Marienkäfer — räuberischer Helfer, dessen gefräßige Larve auch Blutlauskolonien abräumt
- Nützlinge — der Überblick über alle Räuber und Parasitoide, die Läuse regulieren, und wie du sie im Garten förderst