Buchsbaumzünsler — der eingeschleppte Kahlfresser am Buchs
Buchsbaumzünsler — der eingeschleppte Kahlfresser am Buchs
Dein Buchsbaum sah letzte Woche noch tadellos aus, und jetzt blättern ganze Partien fahl und braun aus dem Inneren heraus. Wenn du einen Zweig zur Seite biegst, entdeckst du im Geäst feine weißliche Gespinste, grünliche Kotkrümel — und mittendrin daumenlange, grün-schwarz gestreifte Raupen, die ungerührt weiterfressen. Genau dieses Bild ist das Markenzeichen des Buchsbaumzünslers: Ein eingeschleppter Kleinschmetterling, dessen Raupen einen gepflegten Buchs in wenigen Tagen von innen heraus kahl fressen können — oft, bevor du den Befall überhaupt von außen bemerkst.
Bevor du resigniert zur Säge greifst, lohnt es sich, diesen Gegner zu verstehen. Der Buchsbaumzünsler ist kein heimisches Insekt, sondern ein Neozoon aus Ostasien, das hier kaum natürliche Feinde hat — und genau das macht ihn so gefährlich. Aber er ist berechenbar: Wer seinen Lebenszyklus, sein verstecktes Fraßmuster und seine eine echte Schwachstelle (das junge Raupenstadium) kennt, kann selbst große, alte Buchskugeln retten. Auf dieser Seite erfährst du, wie du den Zünsler früh erkennst, woher seine Durchschlagskraft kommt, warum die Vögel ihn meiden — und welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge wirklich helfen, statt nur Geld zu kosten.
Was ist der Buchsbaumzünsler?
Der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) ist ein Kleinschmetterling aus der Familie der Zünsler (Crambidae). Ursprünglich stammt er aus dem subtropischen Ostasien — Ostchina, Japan, Korea und das südöstliche Russland. Nach Mitteleuropa wurde er um 2006/2007 vermutlich mit dem Import von Buchsbaumpflanzen eingeschleppt und hat sich seither rasant ausgebreitet. Als Neozoon (eingewanderte, nicht heimische Art) trifft er hier auf eine Wirtspflanze ohne wirksame Abwehr und auf eine Tierwelt, die ihn kaum als Beute erkennt — die ideale Ausgangslage für eine Massenvermehrung.
Wirtspflanze ist nahezu ausschließlich der Buchsbaum (Buxus) in allen Sorten und Größen. Die Schäden richtet nicht der harmlose, nektarsaugende Falter an, sondern allein die Raupe: Sie frisst zunächst die Blätter, später auch die grüne Rinde junger Triebe — und das tückischerweise von innen nach außen. Der Befall beginnt also im dichten, dunklen Inneren der Pflanze und bleibt von außen lange unsichtbar, bis er sich an der Oberfläche zeigt. Genau deshalb wird er meist erst entdeckt, wenn schon ein erheblicher Teil der Pflanze verloren ist. Wird die grüne Rinde mitgefressen, kann der Buchs sogar bis zum Wurzelhals absterben.
Eine wichtige Eigenheit erklärt, warum dieser Schädling so schwer biologisch in Schach zu halten ist: Buchsbaum enthält für die meisten Tiere giftige Alkaloide (vor allem Buxin). Die Zünslerraupe lagert diese Stoffe in ihrem Körper ein und wird dadurch für Vögel weitgehend ungenießbar. Singvögel, die anderswo Raupen massenhaft an ihre Brut verfüttern, machen um den Buchsbaumzünsler in der Regel einen Bogen — ein heimischer Gegenspieler, der ihn von allein regulieren würde, fehlt damit fast vollständig.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Cydalima perspectalis (Familie Zünsler, Crambidae) |
| Einordnung | Kleinschmetterling, Neozoon aus Ostasien (eingeschleppt um 2006/2007) |
| Größe | Falter ca. 4–4,5 cm Flügelspannweite; Raupe ausgewachsen bis ca. 5 cm |
| Wirtspflanzen | nahezu ausschließlich Buchsbaum (Buxus) in allen Sorten |
| Schaden | Skelettier- und Kahlfraß an Blättern, Schälfraß an grüner Rinde, Gespinste mit Kot |
| Generationen/Jahr | meist 2–3 je nach Witterung und Lage |
| Überwinterung | als junge Raupe in einem festen Gespinstkokon zwischen Blättern im Inneren |
| Hauptgegenspieler | kaum heimische; Vögel meiden die Raupe (Alkaloide); Wespen/Hornissen begrenzt |
Erkennen & Schadbild
Die Raupe ist das auffälligste und wichtigste Stadium — an ihr machst du den Befall fest. Ausgewachsen wird sie bis zu fünf Zentimeter lang und ist auffällig gefärbt: ein gelblich-grüner bis kräftig grüner Körper mit durchgehenden schwarzen Längsstreifen, schwarzen und weißen Punktwarzen (jede mit einem feinen Borstenhärchen) und einer glänzend schwarzen Kopfkapsel. Schon die jungen Räupchen tragen diese Zeichnung in abgeschwächter Form. Die Puppe ruht versteckt in einem festen Gespinstkokon zwischen zusammengesponnenen Blättern, getarnt im Inneren der Pflanze.
Der Falter dagegen fällt kaum auf und wird oft übersehen. Mit etwa vier bis viereinhalb Zentimetern Spannweite ist er die Standardform weiß mit einem deutlichen braunen Flügelrand und einem seidig-perlmuttartigen Schimmer; daneben gibt es eine seltenere, fast vollständig braune Farbform. Er ist dämmerungs- und nachtaktiv, fliegt im Sommer und sitzt tagsüber gern an Hauswänden, Zäunen oder im Schatten von Hecken. Der Falter selbst frisst keinen Buchs — er sorgt nur für die nächste Raupengeneration, indem die Weibchen ihre Eier in flachen, durchscheinenden Gelegen an den Blattunterseiten ablegen.
Das Schadbild ist für ein geübtes Auge eindeutig, beginnt aber im Verborgenen. Achte auf die Reihenfolge: Zuerst nagen die jungen Raupen nur die Blattober- oder -unterseite ab und lassen das Blattgerüst stehen (Skelettierfraß), dabei spinnen sie feine Gespinstfäden zwischen die Zweige und hinterlassen grünliche, später bräunliche Kotkrümel. Erst wenn die Raupen größer werden, fressen sie die Blätter vollständig (Loch- und Kahlfraß) und schließlich die grüne Rinde der Triebe (Schälfraß) — spätestens dann verbräunt der ganze Strauch und kann absterben. Wichtig: Diese Fraßkontrolle musst du aktiv im Inneren der Pflanze machen, nicht nur an der Oberfläche.
| Schadbild | Wie es entsteht | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| Skelettierfraß | junge Raupen schaben Blätter einseitig ab und lassen das Adergerüst stehen | Durchscheinende, vergilbende Blätter mit übrig gebliebenem “Blattskelett”, oft tief im Inneren |
| Gespinste mit Kotkrümeln | Raupen verspinnen Zweige und Blätter; Kot fällt in die Gespinste | Feine weißliche Fäden zwischen den Zweigen, dazwischen grüne, später braune Kotkügelchen |
| Loch- und Kahlfraß | größere Raupen fressen die Blätter komplett | Kahle, blattlose Zweige; vom Inneren ausgehend, dann nach außen fortschreitend |
| Schälfraß an der Rinde | bei Blattmangel nagen Raupen die grüne Rinde junger Triebe | Hell abgeschälte, freiliegende Triebe; darüber sterben Zweige bis zum Wurzelhals ab |
| Verbräunung / Absterben | Summe aus Kahl- und Schälfraß entzieht der Pflanze alle Reserven | Strohig-braune Partien, “wie verdorrt”; bei Totalbefall stirbt der ganze Strauch |
Ein verbreiteter Irrtum: Die strohig-braune Verfärbung wird oft mit Trockenheit oder einer Pilzkrankheit verwechselt. Der entscheidende Unterschied liegt in den Gespinsten und Kotkrümeln — diese gibt es nur beim Zünsler. Wer im Frühjahr und über den Sommer regelmäßig die Triebe auseinanderbiegt und ins dunkle Innere schaut, erwischt den Befall, solange er noch klein und gut beherrschbar ist.
Lebensweise & Vermehrung
Die Durchschlagskraft des Buchsbaumzünslers beruht auf zwei Dingen: einer hohen Generationenzahl und dem Fehlen wirksamer Gegenspieler. Je nach Witterung und Region durchläuft er pro Jahr zwei bis drei Generationen, in besonders warmen Lagen und Jahren ausnahmsweise sogar eine angefangene vierte. Mit jeder Generation kann sich der Befall vervielfachen — aus wenigen überwinterten Raupen wird so bis zum Spätsommer eine erdrückende Masse.
Den Zyklus solltest du im Kopf haben, denn er bestimmt den Zeitpunkt deiner Maßnahmen. Der Zünsler überwintert als junge Raupe in einem festen, gut getarnten Gespinstkokon zwischen zusammengesponnenen Blättern tief im Inneren der Pflanze — geschützt vor Frost und Blicken. Im Frühjahr, etwa ab März/April bei steigenden Temperaturen, werden diese Raupen wieder aktiv und beginnen zu fressen. Sie verpuppen sich, und ab dem späten Frühjahr fliegt die erste Faltergeneration. Die Weibchen legen ihre Eier an die Blattunterseiten, aus denen die nächste Raupengeneration schlüpft — und der Kreislauf wiederholt sich über den Sommer mehrfach.
| Zeitraum (Richtwert) | Stadium | Was passiert |
|---|---|---|
| Winter | junge Raupe im Kokon | Überdauert frostsicher im Gespinst zwischen Blättern im Inneren der Pflanze |
| März–April | überwinterte Raupe | Wird mit der Wärme aktiv, frisst und wächst, verpuppt sich anschließend |
| Mai–Juni | 1. Faltergeneration | Falter fliegen (dämmerungs-/nachtaktiv), Eiablage an Blattunterseiten |
| Juni–Juli | 1. Sommer-Raupengeneration | Starker Fraß; Verpuppung; daraus 2. Faltergeneration |
| Juli–September | 2.–3. Generation | Höchster Befallsdruck und Fraßschaden; Generationen überlappen sich |
| Ab Herbst | Jungraupen | Spinnen Überwinterungskokons, gehen in die Winterruhe |
Praktisch wichtig ist diese Dynamik aus zwei Gründen. Erstens: Weil sich die Generationen über den Sommer überlappen, findest du oft gleichzeitig Eier, kleine und große Raupen und Falter — eine einmalige Behandlung reicht deshalb fast nie, du brauchst über die Saison wiederholte Kontrollen. Zweitens: Jede Generation hat ein kurzes, verwundbares Fenster im jungen Raupenstadium — genau dann wirken biologische Mittel am besten. Wer den Falterflug beobachtet (siehe Pheromonfallen weiter unten), kann den Behandlungszeitpunkt darauf abstimmen.
Natürliche Gegenspieler
Hier liegt die schlechte Nachricht — und der Grund, warum du beim Buchsbaumzünsler aktiver werden musst als bei heimischen Schädlingen wie der Blattlaus. Als eingeschleppte Art hat der Zünsler bei uns kaum natürliche Gegenspieler, die ihn von allein in Schach halten. Die übliche Kette aus Räubern und Parasitoiden, die das Gros der heimischen Schädlinge reguliert, greift hier nur lückenhaft. Einen Überblick, wie tierische Helfer im Garten grundsätzlich wirken, findest du unter Nützlinge.
Der wichtigste Grund ist die chemische Verteidigung über die Wirtspflanze: Die Raupen lagern die giftigen Buchsbaum-Alkaloide ein und werden dadurch für Vögel weitgehend ungenießbar. Singvögel, die sonst unermüdlich Raupen an ihre Brut verfüttern, meiden den Zünsler in aller Regel — der naheliegendste Gegenspieler fällt damit aus. Beobachtungen zeigen zwar, dass einzelne Vögel (etwa Haussperlinge oder Kohlmeisen) gelegentlich Raupen fressen und vereinzelt lernen, sie vor dem Verzehr “auszuquetschen”, doch das bleibt die Ausnahme und reicht zur Regulierung nicht aus.
| Gegenspieler | Wirkprinzip | Besonderheit |
|---|---|---|
| Vögel (Sperling, Meise) | Räuber | Meiden die Raupen meist wegen der eingelagerten Alkaloide; nur vereinzelt nutzbar |
| Wespen & Hornissen | Räuber | Erbeuten gelegentlich Raupen für ihre Brut, halten den Befall aber nicht auf |
| Raubwanzen, Spinnen | Räuber | Greifen einzelne kleine Raupen, ohne nennenswerten Regulierungseffekt |
| Parasitoide / Krankheiten | Parasitoid / Erreger | Heimische Schlupfwespen haben sich erst ansatzweise auf den Neozoon eingestellt |
Die nüchterne Erkenntnis lautet: Auf die Natur allein kannst du dich beim Buchsbaumzünsler nicht verlassen. Es lohnt sich trotzdem, einen vielfältigen, nützlingsfreundlichen Garten zu pflegen — über die Jahre könnten sich heimische Parasitoide und Krankheitserreger zunehmend auf die neue Beute einstellen, wie man es von anderen eingeschleppten Arten kennt. Bis dahin aber liegt die Regulierung im Wesentlichen bei dir: durch konsequente Kontrolle und den gezielten Einsatz des bakteriellen Mittels Bacillus thuringiensis, das die Lücke der fehlenden Fressfeinde teilweise schließt.
Vorbeugen & Regulieren
Auch beim Buchsbaumzünsler steht das Abwägen am Anfang — wenn auch unter anderen Vorzeichen als bei heimischen Schädlingen. Weil dieser Schädling einen Buchs vollständig vernichten kann und kaum eigene Gegenspieler hat, liegt seine Schadschwelle deutlich niedriger: Schon die ersten Raupen rechtfertigen ein Eingreifen, denn ein einzelner Anschub kann sich über die Generationen rasch zum Totalverlust auswachsen. Die entscheidende Frage ist hier weniger “ob”, sondern “wie schonend” — gehe in abgestufter Reihenfolge vom Schonendsten zum Stärksten vor.
- Vorbeugen & Monitoring — regelmäßig kontrollieren, Falterflug überwachen, früh dran sein.
- Mechanisch — Raupen absammeln und mit Hochdruck abspritzen.
- Biologisch — Bacillus thuringiensis gezielt im jungen Raupenstadium ausbringen.
- Letztes Mittel & Konsequenz — punktuelle Insektizide oder die Umstellung auf andere Gehölze.
| Maßnahme | Stufe | Wann / wie |
|---|---|---|
| Regelmäßige Kontrolle | Vorbeugen | Ab März wöchentlich die Triebe auseinanderbiegen und ins Innere schauen (Gespinste, Kot, Raupen) |
| Pheromonfallen zum Monitoring | Vorbeugen | Lockstofffallen fangen Männchen; zeigen den Falterflug an und timen die Behandlung — nicht als Bekämpfung |
| Standort luftig & einsehbar halten | Vorbeugen | Lockerer Schnitt erleichtert die Kontrolle und erschwert verstecktes Überwintern |
| Absammeln | Mechanisch | Bei geringem Befall Raupen und Gespinste von Hand entfernen und sicher entsorgen |
| Abspritzen mit Hochdruck | Mechanisch | Mit scharfem Wasserstrahl Raupen aus dem Inneren spülen (Folie/Eimer unterlegen, Raupen sammeln) |
| Algenkalk-Bestäubung | Mechanisch/unterstützend | Feuchtes Laub mit Algenkalk bestäuben; erschwert Fraß und Eiablage, ersetzt aber keine Bekämpfung |
| Bacillus thuringiensis (Bt) | Biologisch | Bakterienpräparat (B. t. ssp. kurstaki/aizawai) auf junge Raupen sprühen; sie stellen den Fraß ein und sterben |
| Punktuelles Insektizid | Letztes Mittel | Nur bei massivem Befall und gezielt; trifft auch Nützlinge — sparsam und überlegt einsetzen |
| Umstellung auf Alternativgehölze | Konsequenz | Bei wiederholtem Totalbefall auf buchsähnliche, nicht befallene Arten wechseln (z. B. Heckenmyrte/Ilex crenata, Eibe, Berg-Ilex) |
Der wirksamste Hebel ist das richtige Timing in Kombination mit Bacillus thuringiensis. Dieses Bodenbakterium bildet ein Eiweiß, das nur im Darm fressender Schmetterlingsraupen wirkt — es ist für Mensch, Haustiere, Bienen und die meisten Nützlinge unbedenklich. Entscheidend ist, dass du es auf die jungen, kleinen Raupen ausbringst: Große Raupen reagieren kaum noch darauf. Genau deshalb sind die Pheromonfallen so wertvoll — nicht weil sie den Befall fangen (das tun sie nicht nennenswert), sondern weil sie dir den Falterflug anzeigen. Etwa ein bis zwei Wochen nach einem Flughöhepunkt schlüpfen die jungen Raupen — das ist dein Behandlungsfenster. Weil mehrere Generationen aufeinanderfolgen, musst du dieses Spiel über den Sommer mehrfach wiederholen.
Ein Wort zur Konsequenz: Wenn dich der Buchs Jahr für Jahr in einen aufwendigen Kampf zwingt, ist die Umstellung auf andere Gehölze keine Niederlage, sondern oft die entspannteste Lösung. Japanische Stechpalme (Ilex crenata), Eibe (Taxus) oder Berg-Ilex sehen einem geschnittenen Buchs zum Verwechseln ähnlich, werden vom Zünsler aber nicht befallen. Wer einzelne alte, ortsbildprägende Buchse erhalten will, kann dort den jährlichen Aufwand betreiben — beim großen Heckenbestand lohnt der Wechsel meist mehr.
Häufige Fehler und Mythen
“Wenn der Buchs von außen grün ist, ist alles in Ordnung.” Falsch — der Befall beginnt im dunklen Inneren der Pflanze und frisst sich von innen nach außen vor. Bis die Schäden an der Oberfläche sichtbar werden, ist oft schon ein großer Teil verloren. Biege regelmäßig die Triebe auseinander und kontrolliere das Innere auf Gespinste, Kot und Raupen.
“Die Vögel werden den Zünsler schon fressen.” In aller Regel nicht. Die Raupen lagern die giftigen Buchsbaum-Alkaloide ein und sind für die meisten Singvögel ungenießbar. Anders als bei heimischen Raupen kannst du dich auf die natürlichen Fressfeinde hier nicht verlassen — du musst selbst aktiv werden.
“Einmal spritzen, dann ist Ruhe.” Der Zünsler bildet zwei bis drei Generationen pro Jahr, die sich überlappen. Eine einzige Behandlung erwischt immer nur einen Teil. Du brauchst über den Sommer wiederholte Kontrollen und mehrere gut getimte Behandlungen — am besten am Falterflug ausgerichtet.
“Pheromonfallen bekämpfen den Befall.” Nein. Die Fallen fangen nur Männchen und dienen dem Monitoring — sie zeigen dir, wann die Falter fliegen, damit du das junge Raupenstadium triffst. Als alleinige Bekämpfung sind sie wirkungslos, weil sie den Befall nicht nennenswert reduzieren.
“Bacillus thuringiensis wirkt zu jedem Zeitpunkt gleich gut.” Auch das stimmt nicht. Bt wirkt nur über das Fressen und vor allem auf junge, kleine Raupen. Große Raupen reagieren kaum noch. Wer zu spät spritzt, verschenkt die Wirkung — deshalb ist das Timing am Falterflug so wichtig.
Abgrenzung zu Buchs-Schäden und anderen Zünslern
Nicht jede Verbräunung am Buchs geht auf den Zünsler zurück — und nicht jeder Zünsler-Falter im Garten frisst Buchs. Diese Übersicht hilft dir, die Ursache richtig zuzuordnen, denn die Gegenmaßnahmen unterscheiden sich grundlegend.
| Ursache / Art | Erkennungszeichen | Wie du sie vom Buchsbaumzünsler unterscheidest |
|---|---|---|
| Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) | grün-schwarz gestreifte Raupe, Gespinste, grüne Kotkrümel | Tierischer Fraß mit Gespinst und Kot; Raupen sichtbar; Schaden von innen nach außen |
| Buchsbaum-Triebsterben / -Pilz (Cylindrocladium buxicola u. a.) | dunkle Blattflecken, schwarze Striche an Trieben, Blattfall | Pilzkrankheit ohne Raupen, Gespinste oder Kot; bei feuchtem Wetter; Sporen statt Fraß |
| Trockenheit / Wurzelschaden | flächiges, gleichmäßiges Verbräunen, kein Fraß | Keine Gespinste, kein Kot, keine Raupen; Blätter bleiben unversehrt, nur vertrocknet |
| Andere heimische Zünsler (z. B. Apfelwickler) | unscheinbare Falter, Raupen an Obst/anderen Pflanzen | Befallen Buchs nicht; andere Wirtspflanzen (Apfelwickler frisst in Apfel- und Birnenfrüchten) |
| Frostspanner-Raupen (Frostspanner) | grüne “Spannerraupen” im Katzenbuckel-Gang an Obstgehölzen | Spannerartige Fortbewegung, keine Längsstreifen; an Laubgehölzen, nicht am Buchs |
Die wichtigste Faustregel zur Unterscheidung vom Buchsbaum-Triebsterben: Such nach Gespinsten, Kotkrümeln und Raupen. Findest du sie, ist es der Zünsler — ein tierischer Schädling, den du mechanisch und mit Bacillus thuringiensis bekämpfst. Findest du nur dunkle Blattflecken, schwarz gestreifte Triebe und abfallende Blätter ohne jedes Tier, hast du es mit der Pilzkrankheit zu tun, gegen die ganz andere Maßnahmen (luftiger Standort, Schnitt, kein Über-Kopf-Gießen, befallenes Material entfernen) helfen. Beide können denselben Buchs befallen — eine genaue Diagnose erspart dir den falschen Aufwand. Vom Buchsbaumzünsler grundsätzlich abzugrenzen sind außerdem die vielen heimischen Schmetterling-Arten, deren Raupen ganz andere Pflanzen nutzen und im Garten meist erwünscht sind.
Mitnehmen
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Der Buchsbaumzünsler ist ein eingeschleppter Kleinschmetterling. Cydalima perspectalis stammt aus Ostasien, kam um 2006/2007 nach Mitteleuropa und befällt fast ausschließlich Buchsbaum — als Neozoon ohne wirksame heimische Gegenspieler.
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Nur die Raupe schadet, und zwar von innen. Die grüne Raupe mit schwarzen Längsstreifen und schwarzer Kopfkapsel frisst von innen nach außen — der Befall bleibt lange unsichtbar, bis ein großer Teil des Strauchs verloren ist.
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Erkenne ihn an Gespinst und Kot. Skelettierfraß, weißliche Gespinste mit grünen Kotkrümeln, dann Kahl- und Schälfraß: Diese Spuren unterscheiden den Zünsler eindeutig von der Pilzkrankheit (Buchsbaum-Triebsterben), bei der Raupen und Gespinste fehlen.
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Vögel meiden die Raupe. Weil sie die giftigen Buchsbaum-Alkaloide einlagert, ist sie für die meisten Singvögel ungenießbar — auf natürliche Regulierung kannst du dich hier nicht verlassen, du musst selbst eingreifen.
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Timing schlägt alles. Pheromonfallen zeigen den Falterflug an; behandle dann mit Bacillus thuringiensis gezielt die jungen Raupen. Wegen 2–3 überlappender Generationen sind über den Sommer mehrere Kontrollen und Behandlungen nötig.
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Halte die Stufenfolge ein — und denk an die Alternative. Erst kontrollieren und Falterflug überwachen, dann mechanisch absammeln/abspritzen, dann Bt biologisch, Insektizid nur als letztes Mittel. Bei dauerndem Totalbefall ist der Wechsel auf Alternativgehölze wie Ilex crenata oft die ruhigere Lösung.
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