Gründüngung im Gemüsebeet – Boden zwischen zwei Kulturen stärken
Gründüngung ist eine einfache Möglichkeit, freie Beetflächen nicht ungenutzt zu lassen. Statt nackter Erde wächst für einige Wochen oder Monate eine Zwischenkultur, die den Boden schützt, durchwurzelt und später als organische Masse im Beet bleibt. Die wichtigste Frage ist: Welche Pflanze passt zu welcher Jahreszeit – und wie lange brauche ich sie?
Geeignete Pflanzen nach Jahreszeit und Wirkung

| Pflanze | Aussaatzeit | Saatmenge | Wirkung | Frost-Verträglichkeit | Vor nächster Kultur |
|---|---|---|---|---|---|
| Buchweizen | Mai–August | 7–10 g/m² | schnelle Bodenbedeckung, 6 Wo Blüte (Nützlinge), Schwachzehrer | bis −3 °C | 4–6 Wochen vor Hauptkultur einarbeiten |
| Phacelia (Büschelschön) | März–August | 1–2 g/m² | schnell, Top-Bienenweide, bodenstabilisierend | leicht frostempfindlich | 6–8 Wochen einarbeiten |
| Gelbsenf | April–September | 2–3 g/m² | tiefe Durchwurzelung, schnell | leichte Fröste | 6–8 Wochen; ⚠ nicht vor Kohlgewächsen (Kreuzblütler!) |
| Sommerwicke | April–Juli | 15–20 g/m² | Stickstoffsammler, bodenlockernd | frostempfindlich | 8–10 Wochen einarbeiten |
| Winterwicke | August–Oktober | 15–20 g/m² | Stickstoffanreicherung, winterhart | sehr frosthart | überwintert, Frühjahr einarbeiten |
| Ölrettich | Juli–September | 3 g/m² | löst verdichtete Böden, tiefe Pfahlwurzel | mittel frosthart | friert oft ab, verrottet im Boden |
| Inkarnatklee | März–September | 2,5–3 g/m² | bindet bis 150 kg N/ha, leuchtend rote Bienenweide | bedingt winterhart | Frühjahr einarbeiten |
| Lupine | April–Juni | 12–15 g/m² | tiefwurzelnd, Stickstoffsammler; ⚠ ungiftige Sorten wählen | bis −5 °C | 8–12 Wochen einarbeiten |
| Dicke Bohnen (Ackerbohne) | Februar–Mai | 25–30 g/m² | tiefer Pfahlwurzel-Stickstoffsammler, kälteverträglichste Leguminose | bis −8 °C | 10–12 Wochen einarbeiten; klassische Vorfrucht vor Kohl/Kürbis |
| Borretsch | April–Juli | – (Pflanzabstand 30 cm) | Blüten für Nützlinge, locker, sät sich selbst aus | frostempfindlich | 6–8 Wochen einarbeiten |
| Raps/Winterraps | August–September | 3 g/m² | schnelles Wachstum, Boden bedecken | sehr frosthart | überwintert, Frühjahr einarbeiten |
| Winterroggen | September–November | 10–15 g/m² | sehr winterhart, schnelle Bodenbedeckung im Spätherbst | bis −25 °C | Frühjahr 4 Wochen vor Hauptkultur einarbeiten |
| Gewürz-Tagetes | Mai–Juli (Pflanzung) | (Pflanzabstand 25 cm) | bekämpft Nematoden im Boden, dekorativ | frostempfindlich | bis zum Frost stehen lassen |
Stickstoff-Tipp: Hülsenfrüchtler (Wicke, Klee, Lupine) reichern Stickstoff im Boden an und sind besonders wertvoll vor stickstoffhungrigen Kulturen wie Kohl oder Mais.
Spezialfälle:
- Vor Kohl-Gewächsen NIE Senf, Raps oder Ölrettich – gemeinsame Familie (Kreuzblütler), erhöht Kohlhernie-Risiko massiv.
- Vor Hülsenfrüchten NIE Wicke, Klee, Lupine – gemeinsame Familie, gemeinsame Krankheiten.
- Tagetes vor Tomaten/Möhren ist besonders wertvoll – die Tagetes-Wurzeln scheiden α-Terthienyl aus, was Wurzelnematoden tötet.
Untersaat – Gründüngung unter der wachsenden Hauptkultur

Modernes Permakultur-Konzept: Gründünger nicht erst nach der Ernte säen, sondern während die Hauptkultur noch steht.
| Hauptkultur | Untersaat | Wann säen |
|---|---|---|
| Mais (ab Juli) | Weißklee, Rotklee | wenn Mais 60 cm hoch |
| Kartoffeln (vor Ernte) | Buchweizen | 4 Wochen vor Kartoffelernte |
| Tomaten (Juli) | niedriger Weißklee | wenn Tomaten 80 cm hoch |
| Erdbeeren (nach Ernte) | Phacelia | direkt nach Juli-Ernte zwischen Reihen |
Die Untersaat etabliert sich unter Schatten, übernimmt nach der Ernte automatisch das Beet – kein Saat-Zeitfenster zu verpassen.
Wann sich Gründüngung besonders lohnt
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Frühkulturen (Spinat, Radieschen) fertig – Sommer liegt vor dir | Buchweizen oder Phacelia sofort nachsäen |
| Sommer-Ernte abgeschlossen, kein Herbstplan | Senf oder Ölrettich, bricht verdichteten Boden auf |
| Beet liegt den ganzen Winter brach | Winterwicke oder Inkarnatklee – überwintert, im Frühjahr einarbeiten |
| Beet in 3–4 Wochen wieder gebraucht | Buchweizen oder Phacelia (schnell, leicht einzuarbeiten) |
Konkretes Timing: Wann säen, wann einarbeiten?
| Schritt | Was tun |
|---|---|
| Hauptkultur geerntet | Beetreste entfernen, Fläche flach lockern (kein tiefes Graben) |
| sofort danach | Gründüngung säen – je früher, desto dichter bedeckt sie |
| 6–8 Wochen später | vor Blüte oder Samenreife abmähen / einarbeiten |
| 2–3 Wochen Ruhe | Masse verrottet flach im Boden |
| dann | nächste Hauptkultur pflanzen oder säen |
Wichtig: Gründüngung vor der Samenreife einarbeiten – sonst sät sie sich unkontrolliert aus.
So gehst du vor
1. Freie Fläche flach lockern – nur oberflächlich, Boden muss nicht umgegraben werden.
2. Saat gleichmäßig ausbringen – Samen mit Rechen leicht einarbeiten oder andrücken. Buchweizen und Phacelia nur leicht bedecken (Lichtkeimer), Senf und Wicke tiefer (1–2 cm).
3. Wachsen lassen – Kultur bedeckt das Beet, schützt vor Verdunstung und Erosion, bringt Wurzeln in den Boden.
4. Vor Samenreife einarbeiten – mähen und flach einarbeiten oder mulchen. Je grüner die Masse, desto schneller verrottet sie.
5. Kurze Ruhezeit – 2–3 Wochen, damit die organische Masse angearbeitet wird.
Kommerzielle Saatgut-Mischungen

Statt einzelne Saatgut-Tüten zu mischen, gibt es fertige Gründüngungs-Mischungen für verschiedene Saisons und Bodenbedürfnisse:
| Mischung | Zusammensetzung typisch | Aussaat | Wirkung |
|---|---|---|---|
| „Wickroggen-Mischung” | Winterwicke + Winterroggen | Aug–Okt | Stickstofffixierung + tiefe Wurzeln; klassisch über Winter |
| „Landsberger Gemenge” | Inkarnatklee + Winterwicke + Welsches Weidelgras | Aug–Sept | beste Mischung für Bauernhöfe – wintergrün, vielfältig |
| „Bienenweide-Mischung” | Phacelia + Buchweizen + Senf + Sonnenblume + Ringelblume | April–Juli | maximale Bestäuber-Wirkung |
| „Sommer-Gründüngung Bunt” | Phacelia + Buchweizen + Sonnenblume + Klee | Mai–Juli | dichte Bedeckung, schnelle Wirkung |
| „Tiefenlockerer-Mischung” | Ölrettich + Ackerbohne + Lupine | April–Juli | gegen verdichtete Böden bis 60 cm Tiefe |
| „Wildblumen Bienenweide” | 30+ Wildkräuter, mehrjährig | März–Sept | dauerhafte Bienenweide statt einjährig |
Bewährte Anbieter in Deutschland:
| Anbieter | Spezialgebiet |
|---|---|
| Bingenheimer Saatgut | Bio-Demeter, Mischungen, hohe Qualität |
| Dreschflegel | Bio-Saatgut, kleinere Mengen |
| Rieger-Hofmann | Regionale Wildblumen, sehr wertvoll für Biodiversität |
| Saaten Zeller | Profi-Mischungen für Landwirtschaft & große Gärten |
| Neudorff (Bio-Garten) | hobbygarten-gerechte Kleingebinde |
| Kiepenkerl, Sperli | breite Hobby-Auswahl im Gartencenter |
Preise: 5–25 € pro 100-g-Päckchen (reicht für 50–100 m²). Lokale Saatgut-Tauschbörsen und Bauernmärkte oft günstiger.
Tipp: Für den Hausgarten lohnen sich Mischungen mit 4–6 Pflanzenarten – das fängt unterschiedlich auf bei wechselndem Wetter und ergibt mehr Ertrag/Wirkung.
Infografik

Typische Fehler
- Beet nach der Ernte offen lassen – nackter Boden trocknet aus, verschlämmt und verliert Struktur
- Gründüngung zu spät säen – dann keine Entwicklung vor Winter
- Senf vor Kohlgewächsen einsetzen – Senf gehört zur Kohlfamilie und verstärkt Kohlkrankheiten
- Zu spät einarbeiten und Samen reifen lassen – unerwünschte Selbstaussaat
- Die Folgekultur nicht rechtzeitig mitdenken – wann wird die Fläche wieder gebraucht?
Häufige Fragen
Muss ich nach der Gründüngung Kompost zugeben? Nicht zwingend, aber empfehlenswert wenn stickstoffhungrige Kulturen folgen. Gründüngung verbessert die Bodenstruktur, ersetzt aber keine vollständige Nährstoffversorgung. Kleeartige Gründüngung (Wicke, Inkarnatklee) reichert Stickstoff selbst an.
Kann ich Gründüngung auch auf dem Balkon nutzen? In Kübeln kaum sinnvoll – der Effekt (Bodenstruktur verbessern) entsteht erst im größeren Maßstab. Auf dem Balkon eher den Kübel mit frischer Erde auffüllen oder Kompost einarbeiten.
Was ist besser: Gründüngung eingraben oder mulchen? Mulchen (liegen lassen) ist einfacher und stört das Bodenleben weniger. Eingraben beschleunigt die Zersetzung. Für harte, holzige Bestände besser häckseln und dann einarbeiten.