Sommerwicke anbauen – Aussaat und Gründüngung
Sommerwicke auf einen Blick
- Aussaat
- Aussaat April bis Mitte August; in milden Lagen Frühjahrssaat ab März möglichAussaat als Sommergründüngung Mitte Mai bis Mitte August
- Standort
- Standort sonnig; heller Halbschatten möglichBoden durchlässig, ausreichend feucht, nicht vernässt
- Abstand
- Saatmenge ca. 18 g/m² als Richtwert für dichte Reinsaat; Gemenge nach PackungReihenabstand etwa 20–30 cm bei Reihensaat; flächige Aussaat möglich
- Blüte
- meist Mai–Juli bei passendem Saattermin; abhängig von Sorte und Nutzung
Weitere Anbaudaten und Botanik
Sommerwicke als Gründüngung: direkt säen, das Beet bedecken und Pflanzenreste für die Folgekultur nutzen. Saattermin, Fruchtfolge und Beenden des Bestands beachten.
- Wuchshöhe
- meist 30–80 cm; abhängig von Bestand und Stütze
- Saattiefe
- etwa 3–5 cm; Packung und Bodenbedingungen beachten
- Boden-pH
- etwa 6,0–7,5; keine pauschale Kalkgabe
- Kulturdauer als Sommergründüngung
- etwa 6–8 Wochen bei wüchsigen Bedingungen; bei Kälte länger
- Bestand beenden
- vor Samenreife; Termin an Folgekultur und Blütennutzung anpassen
- Winterverhalten
- nicht verlässlich winterhart; milde Winter können lebende Pflanzen übrig lassen
- Botanisch
- Vicia sativa
- Familie
- Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
- Typ
- einjährig, krautig, rankend
Inhalt18 Abschnitte
Sommerwicke (Vicia sativa), auch Saat- oder Futterwicke genannt, ist eine einjährige Gründüngungspflanze. Ihre Wurzeln können mit passenden Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden. Ein dichter Bestand bedeckt freie Beete; Pflanzenreste liefern organisches Material für das Bodenleben. Im Gemenge kann Hafer den rankenden Trieben Halt geben. Für Blütennahrung muss ein Teil des Bestands bis zur Blüte stehen bleiben. Plane von Anfang an auch den Termin der Folgekultur und die Fruchtfolge ein.
Temperatur und Frost
Das Saatbett muss aufgetaut, bearbeitbar und ausreichend abgetrocknet sein. Kalter Boden verzögert Keimung und Aufwuchs; ein früher Saattermin allein garantiert keinen Vorsprung. In milden Lagen kann eine Frühjahrssaat ab März gelingen. Für die übliche Gartenaussaat ist April der einfachere Ausgangspunkt.
Sommerformen der Wicke sind keine verlässliche Winterbegrünung. Ob ein Bestand vollständig abfriert, hängt von Frost, Sorte und Entwicklung ab. Kontrolliere nach milden Wintern, ob Pflanzen weiterwachsen. Für lebenden Bewuchs über Winter kommt eher die rechtzeitig gesäte Winterwicke infrage.
Anbauplan: Frühjahr oder Sommergründüngung
- Frühjahr, meist April: Direktsaat auf einem freien Beet. In milden Lagen ist März möglich, sobald die Bodenbedingungen passen. Beachte die benötigte Standzeit bis zur nächsten Gemüsekultur.
- Sommergründüngung, Mitte Mai bis Mitte August: Auf frei werdenden Beeten säen, etwa nach Frühgemüse. Für spät geräumte Beete eine andere geeignete Gründüngung wählen.
- Nach etwa 6–8 Wochen im Sommer: Aufwuchs, Blühstadium und Folgekultur prüfen. Die Wochenzahl ist ein Orientierungswert für grüne Bodenbedeckung, keine Zusage für Blüte oder Samenreife.
- Vor der Folgekultur: Den Bestand wirksam beenden und meist zwei bis drei Wochen für den Abbau der Pflanzenreste einplanen; bei Kälte oder viel strohigem Material länger.
Standort und Boden
Sommerwicke wächst am besten sonnig und bei ausreichender Feuchtigkeit. Heller Halbschatten ist möglich, kann aber die Bestandsentwicklung begrenzen. Gut geeignet sind durchlässige, mittlere bis schwerere Böden ohne Staunässe. Auch leichtere Böden kommen infrage, wenn die Keimzone nicht austrocknet.
Ein Boden-pH von ungefähr 6,0–7,5 ist ein praktischer Orientierungsbereich. Kalke nicht vorsorglich, sondern bei nachgewiesenem Bedarf. Die Wurzeln erschließen den Boden und können seine Struktur unterstützen; starke Verdichtung oder Vernässung beseitigt eine einzelne Gründüngung nicht zuverlässig.
Aussaat und Saatmenge
- Entferne störende Beikräuter und lockere die Oberfläche, ohne nassen Boden zu bearbeiten.
- Wiege die Saatmenge ab. Für dichte Reinsaat im Hausgarten sind etwa 18 g/m² ein Richtwert. Das entspricht 180 kg/ha. Für 10 m² brauchst du damit rund 180 g; 100 g reichen für etwa 5,6 m². Die Angaben deiner Saatgutpackung gehen vor.
- Säe etwa 3–5 cm tief. Bei Reihensaat sind etwa 20–30 cm Reihenabstand praktikabel. Auch breitwürfige Aussaat ist möglich, wenn die Samen anschließend passend bedeckt werden.
- Drücke die Erde leicht an und halte die Keimzone bei Trockenheit gleichmäßig feucht. Die Samen müssen guten Bodenkontakt haben.
Gemenge mit Stützpflanzen: Hafer ist ein möglicher Partner für Sommerwicke. Auch andere Getreidearten können infrage kommen, sofern ihre Sorte und ihr Saatfenster zur geplanten Nutzung passen. Winterroggen ist kein pauschal gleichwertiger Ersatz für einen rasch aufwachsenden Sommerpartner. Verwende eine geeignete Mischung nach Packungsangabe; die Reinsaatmengen nicht einfach addieren oder ohne Bezugsgröße halbieren. Ein Gemenge kann die Standfestigkeit verbessern, Reinsaat ist aber ebenfalls möglich.
Düngung und Stickstoffwirkung
Für Sommerwicke als Gründüngung ist normalerweise keine zusätzliche Stickstoffdüngung nötig. Die Luftstickstoffbindung setzt funktionierende Knöllchen mit passenden Rhizobien voraus und hängt unter anderem von Boden, Feuchtigkeit und Bestandsentwicklung ab. Viel verfügbarer Bodenstickstoff kann die Fixierung vermindern. Bei schwachem Wuchs zuerst Trockenheit, Vernässung, Bodenbedingungen und Knöllchenbildung prüfen, statt automatisch Stickstoff zu geben. Eine Saatgutimpfung ist eine standortabhängige Maßnahme mit passenden Bakterien, kein allgemeines Muss im Garten.
Andere Nährstoffe bleiben für das Wachstum nötig. Auf armen Böden kann reifer Kompost bei entsprechendem Bedarf helfen; Kalk und weitere Nährstoffe nach Bodenuntersuchung einsetzen.
Für die Folgekultur: Stickstoff wird während der Zersetzung der Pflanzenreste nach und nach verfügbar. Die Düngewirkung ist abhängig von Aufwuchs, Zusammensetzung, Bodenfeuchtigkeit und Temperatur. Sie ersetzt keine bedarfsgerechte Nährstoffplanung. Wird die oberirdische Biomasse entfernt, fällt ihr Beitrag auf diesem Beet weg.
Pflege
- Wasser: Bei trockener Aussaat und während der Anfangsentwicklung die Keimzone feucht halten. Bei längerer Trockenheit nach Bedarf wässern.
- Beikräuter: Bis sich der Bestand schließt, störende Beikräuter entfernen. Erst ein ausreichend dichter, gut entwickelter Bestand kann Unkraut wirksam unterdrücken.
- Rankwuchs: Achte darauf, dass die Triebe benachbartes Gemüse nicht überwachsen. Eine Stützpflanze im Gemenge kann helfen, ist aber keine Garantie gegen Lager oder Fäulnis.
- Samenbildung: Hülsenentwicklung beobachten und rechtzeitig beenden, wenn keine Selbstaussaat gewünscht ist.
Sommerwicke als Gründüngung beenden
Der passende Termin hängt vom nächsten Gemüse und von deinem Ziel ab. Brauchst du das Beet früh, kannst du den grünen Bestand vor der Blüte beenden. Willst du Blütennahrung anbieten, lasse ihn zunächst blühen und beende ihn rechtzeitig vor der Samenreife. Blüte allein macht die Wicke nicht ungeeignet als Gründüngung.
- Bestand wirksam abtrennen: Trenne die Pflanzen flach unterhalb des Wurzelhalses ab oder entferne sie. Einfaches hohes Mähen kann Wiederaustrieb zulassen. Im Gemenge auch die Stützpflanze beenden.
- Pflanzenreste nutzen: Zerkleinert und bei Bedarf etwas angewelkt als Mulch liegen lassen oder oberflächlich einarbeiten. Frische Grünmasse nicht tief eingraben; unter Luftabschluss kann sie faulen.
- Wiederaustrieb kontrollieren: Treibt der Bestand erneut aus, nochmals abtrennen oder entfernen. Auf starken Frost allein ist kein Verlass.
- Folgekultur vorbereiten: Meist etwa zwei bis drei Wochen warten. Bei kaltem Boden, viel Material oder hohem Getreideanteil kann mehr Zeit nötig sein. Für feine Direktsaaten eine saubere Saatrille schaffen.
Die Reste versorgen das Bodenleben mit organischem Material und können Nährstoffe freisetzen. Wie viel dauerhafter Humus entsteht, hängt vom Material und dessen Abbau ab. Bodenbedeckung, Strukturwirkung und Stickstoffwirkung sind verschiedene Vorteile; keine davon ist eine garantierte Ertragssteigerung.
Krankheiten und Schädlinge
| Problem | Was du tun kannst |
|---|---|
| Mehltau oder andere Blattkrankheiten | Nicht übermäßig dicht säen, den Bestand beobachten und stark erkranktes Material entfernen |
| Spinnmilben bei trockenem Wetter | Trockenstress vermindern, Befall prüfen und Nützlinge schonen |
| Erbsenlaus (Acyrthosiphon pisum) | Nützlinge fördern; starken Befall bei Bedarf vorsichtig mit Wasser abspülen |
| Schnecken an jungen Pflanzen | Jungbestand nach feuchten Nächten kontrollieren und Schnecken absammeln |
| Kümmerwuchs oder Wurzelfäule | Vernässung, Verdichtung und Fruchtfolge prüfen; nicht mit zusätzlichem Dünger überdecken |
Gemeinsame Fuß- und Wurzelkrankheiten sind ein Grund, Sommerwicke nicht beliebig zwischen andere Hülsenfrüchte zu setzen. Ein Getreidegemenge verhindert Krankheiten nicht zuverlässig.
Verzehr und Tierfutter
Sommerwicke ist hier eine Gründüngungs- und Futterpflanze, kein Gemüse für die Küche. Ihre Samen enthalten unter anderem Cyanoalanin-Verbindungen und weitere problematische Inhaltsstoffe. Einfaches Aufkochen, Salzwasser oder eine vermeintliche Entbitterung begründen keine sichere Verzehrfreigabe. Samen, Sprossen und andere Pflanzenteile nicht mit Gemüseerbsen gleichsetzen.
Die landwirtschaftliche Futterverwendung ist von Pflanzenmaterial, Sorte, Aufbereitung, Tierart und gesamter Ration abhängig. Daraus folgt keine pauschale Eignung für Haustiere und keine allgemein unbedenkliche Tagesmenge. Nutze Gartenaufwuchs nicht ohne fachliche Abklärung als Tierfutter. Das gilt besonders auch für Samen und samenhaltiges Material.
Gemenge und Nachbarschaft
Getreide wie Hafer kann die rankenden Triebe stützen. Futtererbsen und Ackerbohnen kommen in landwirtschaftlichen Gemengen vor; sie sind selbst Hülsenfrüchte und erweitern die Pflanzenfamilien-Vielfalt einer solchen Mischung nicht.
Eine Gründüngung braucht Platz und kann angrenzendes Gemüse überwachsen oder mit ihm um Wasser konkurrieren. Gemengepartner, gleichzeitige Gemüsenachbarn und spätere Folgekulturen sind deshalb getrennt zu betrachten. Aus der Eignung als Mischungspartner folgt keine allgemeine Empfehlung als „guter Nachbar“ im Gemüsebeet.
Passendes Werkzeug: Mischkultur-Planer
Fruchtfolge und Folgekultur
Auch als kurze Zwischenfrucht zählt Sommerwicke zur Familie der Hülsenfrüchtler. Vermeide eine unmittelbare Folge mit Erbsen, Bohnen, Lupinen, Klee oder anderen Wicken und berücksichtige deren frühere Nutzung auf dem Beet. Familienbezogene Krankheiten können auch durch eine Gründüngung weitergetragen werden.
Für die Gartenplanung ist eine Pause von etwa vier Jahren zwischen Hülsenfruchtanbauten ein vorsichtiger Ausgangspunkt. Bei bekannten Bodenkrankheiten können längere Pausen oder andere Maßnahmen nötig sein; die passende Pause hängt auch von den angebauten Arten ab. Als Alternative ohne Hülsenfruchtanteil kann etwa Phacelia infrage kommen.
Nach einem gesunden, wirksam beendeten Bestand können beispielsweise Kohl, Kürbis oder Kartoffeln folgen. Ob die Wicke deren Nährstoffbedarf teilweise deckt, hängt von der tatsächlichen Pflanzenmasse und ihrer Zersetzung ab. Prüfe außerdem, ob diese Folgekulturen selbst zur Beetgeschichte passen.
Passendes Werkzeug: Fruchtfolge-Planer
Saatgut und Sorten
Für den Hausgarten genügt geeignetes Saatgut, das ausdrücklich als Sommerwicke (Vicia sativa) für Gründüngung angeboten wird. EBENA ist eine Sommerwicken-Sorte für Reinsaat und Gemenge. Entscheidend sind passendes Saatfenster, Saatmenge und Verwendungszweck der Packung.
Winterwicke (Vicia villosa) und Pannonische Wicke (Vicia pannonica) sind andere Arten und keine Sorten der Sommerwicke. Auch Gemüse- oder Futtererbsen haben eigene Anbaudaten.
Biomasse und Nutzen fürs Beet
Sommerwicke wird hier für Bodenbedeckung und organisches Material angebaut, nicht für einen essbaren Ertrag. Die Menge an Frischmasse hängt stark von Saattermin, Standdauer, Wasser, Boden und Mischung ab. Eine feste Kilogrammmenge je Quadratmeter oder eine benötigte Fläche für vier Personen ist dafür keine sinnvolle Zusage.
Plane die Saatgutmenge nach der tatsächlich freien Beetfläche. Der Nutzen entsteht durch einen passend entwickelten Bestand, das Belassen beziehungsweise Nutzen seiner Reste und eine geeignete Folgekultur.
Blüten und ökologische Bedeutung
Die Blüten werden unter anderem von Bienen und Hummeln genutzt. Bei passendem Frühjahrsanbau liegt die Blüte häufig im Zeitraum Mai bis Juli; Sorte, Saattermin und Bestandsentwicklung können sie verschieben. Eine späte Sommeraussaat garantiert weder rechtzeitige Blüte noch eine lange Herbsttracht. Wer vor der Blüte mäht oder abtrennt, bietet keine Blütennahrung.
An den Nebenblättern besitzt Sommerwicke Nektarien außerhalb der Blüten. Deren Nektar kann Ameisen und andere Insekten anlocken. Daraus ergibt sich kein verlässlicher Schutz vor Schädlingen; auch Blattläuse und ihre Wechselwirkungen mit Ameisen spielen eine Rolle. Raupen können das Laub nutzen. Den gesamten Bestand jederzeit als schädlingsfrei oder für alle Insekten gleichermaßen wertvoll darzustellen, wäre zu pauschal.
Häufige Fehler beim Sommerwicke-Anbau
- Saatfenster vermischen: Frühjahrsanbau und Sommergründüngung getrennt planen; für Sommergründüngung möglichst bis Mitte August säen.
- Zu viel Saatgut: Richtwert für Reinsaat beachten; Mischungen haben eigene Saatmengen.
- Frischen Aufwuchs tief vergraben: Als Mulch nutzen oder flach einarbeiten, damit das Material nicht unter Luftabschluss fault.
- Mähen mit vollständigem Beenden gleichsetzen: Auf Wiederaustrieb prüfen und nötigenfalls erneut entfernen.
- Blütennutzen versprechen und vorher mähen: Für Blütennahrung ausreichend Standzeit lassen, anschließend vor Samenreife beenden.
- Stickstoffwirkung überschätzen: Menge und Freisetzung hängen vom Bestand und dessen Abbau ab.
- Hülsenfruchtpause ignorieren: Auch eine kurze Gründüngung zählt für die Fruchtfolge.