Chicorée anbauen und treiben – Aussaat, Pflege und Ernte
Chicorée auf einen Blick
- Aussaat
- Aussaat (Direktsaat) meist Mai–Juni; Saatgutpackung und örtliche Witterung beachten
- Standort
- sonnig; tiefgründiger, lockerer, möglichst steinfreier Boden
- Abstand
- Pflanzabstand 10–15 cm nach dem VereinzelnReihenabstand etwa 30–40 cm
- Ernte
- Wurzelernte meist Oktober–November; je nach Sorte und Reife bereits ab September
Weitere Anbaudaten und Botanik
Chicorée wächst zuerst im Sommerbeet. Seine geernteten Wurzeln treiben später im Dunkeln helle Sprossen für die Winterküche. Entscheidend sind geeignete Sorten, gesunde Wurzeln und eine unverletzte Herzknospe.
- Saattiefe
- etwa 1–3 cm, je nach Saatgutempfehlung
- Temperatur Keimung
- etwa 12–20 °C als Orientierung, sortenabhängig
- Keimdauer
- etwa 6–18 Tage, abhängig von Temperatur und Feuchte
- Sprossenernte
- im Winter, nach der Lagerphase und dem Treiben
- Treiben
- vollständig dunkel, meist 12–18 °C; etwa 3–5 Wochen, bei kühleren Bedingungen länger
- Ertrag
- in der Regel eine Hauptsprosse je geeigneter Wurzel; Größe und Ausfälle variieren
- Botanisch
- Cichorium intybus var. foliosum
- Familie
- Korbblütler (Asteraceae)
- Lebensform
- zweijährig; Wurzelanzucht und anschließende Treibkultur
Inhalt10 Abschnitte
Chicorée (Cichorium intybus var. foliosum) ist ein Gemüse mit zwei Kulturphasen: Im Sommer wachsen im Beet Blätter und kräftige Speicherwurzeln. Im Herbst erntest du die Wurzeln und lässt daraus später im Dunkeln die hellen, dicht geschlossenen Sprossen wachsen. Diese sogenannten Zapfen kommen roh oder gegart in die Winterküche. Botanisch ist Chicorée zweijährig; für die Sprossenernte nutzt du die Wurzeln aus der ersten Anbausaison.
Die richtige Chicoréesorte zum Treiben wählen
Kaufe Saatgut einer Treibchicoréesorte. Radicchio und Zuckerhut sind verwandte Zichorien, werden aber anders kultiviert. Auch Wurzelzichorien für Kaffeeersatz sind eine andere Nutzungsform.
Achte auf „Treiberei ohne Deckerde“: Diese Sorten eignen sich für die unten beschriebene Eimerkultur. Die Sprossen müssen vollständig verdunkelt werden, brauchen aber keine Erdschicht darüber. Sorten für die Treiberei mit Deckerde benötigen zusätzlich die vom Anbieter beschriebene Erd- oder Sandauflage. Eine dunkle Haube allein ersetzt diese nicht zuverlässig. Auch der passende Treibzeitraum kann sich zwischen Sorten unterscheiden.
Chicorée säen und vereinzeln
Säe meist im Mai oder Juni direkt in ein gelockertes, unkrautarmes Beet. Sehr frühe Saaten können bei kühler Witterung vorzeitig Blüten bilden; das beeinträchtigt die Wurzelanzucht. Beachte die Termine der Saatgutpackung.
Ziehe etwa 1–3 cm tiefe Rillen mit ungefähr 30–40 cm Reihenabstand, verteile die Samen dünn und bedecke sie mit Erde. Halte das Saatbett gleichmäßig feucht. Vereinzle die jungen Pflanzen auf 10–15 cm, sobald sie sich gut greifen lassen.
Direktsaat ist für gleichmäßig geformte Treibwurzeln besonders unkompliziert. Voranzucht und Verpflanzen sind möglich, bergen aber das Risiko beschädigter oder verformter Wurzeln. Setze Jungpflanzen rechtzeitig und mit möglichst ungestörtem Wurzelballen.
Standort und Pflege im Sommerbeet
- Boden: tiefgründig, locker und möglichst steinfrei. Verdichtungen können die Wurzelbildung behindern; Staunässe vermeiden.
- Wasser: Saaten gleichmäßig feucht halten und eingewachsene Pflanzen bei Trockenheit gründlich wässern. Trockenheit kann die Wurzelbildung beeinträchtigen. Tipps findest du unter richtig gießen.
- Unkraut: besonders während der Jugendentwicklung regelmäßig jäten und nur flach hacken, um die Wurzeln zu schonen.
- Düngung: mäßig und nach der vorhandenen Bodenversorgung düngen. Reifer Kompost kann zur Versorgung beitragen; Kompost aus dem Vorjahr reicht nicht automatisch für jedes Beet. Hohe oder späte Stickstoffgaben können die Qualität der späteren Sprossen verschlechtern.
- Fruchtfolge: für Chicorée etwa 3–4 Jahre Anbaupause auf derselben Fläche einplanen. Nahe verwandte Zichorien wie Radicchio und Endivien berücksichtigen. Bei Krankheiten kann eine längere oder gezielt angepasste Pause nötig sein. Mehr dazu unter Fruchtfolge.
Chicoréewurzeln ernten und kühl lagern
Die Hauptzeit der Wurzelernte liegt im Oktober und November; frühe Sorten können schon im September reif sein. Zum Treiben eignen sich gesunde, möglichst gleichmäßig geformte Wurzeln mit etwa 3–6 cm Durchmesser am oberen Bereich. Sehr dünne, faulende oder stark verletzte Wurzeln aussortieren.
Löse die Pflanzen vorsichtig mit einer Grabegabel und ernte vor stärkerem Frost. Kürze das Laub etwa 3–4 cm über dem Wurzelkopf und lass die Herzknospe in der Mitte unverletzt. Nicht bündig am Kopf abschneiden: Daraus soll später die Hauptsprosse wachsen.
Lagere die Wurzeln zunächst kühl und frostfrei in leicht feuchtem Sand, möglichst nahe 0 °C. Eine Lagerphase von mindestens etwa zwei Wochen ist eine brauchbare Orientierung; Sorte und Treibtermin entscheiden mit. Kontrolliere auf Fäulnis und Austrocknung. Eine monatelange Haltbarkeit setzt geeignete Lagerbedingungen voraus und ist im Hausgarten keine Garantie. Hinweise findest du unter Lagergemüse richtig einlagern.
Im kühlen Lager sollen die Wurzeln ruhen. Zum Treiben kommen jeweils nur so viele in einen wärmeren Raum, wie du bald ernten möchtest.
Chicorée im Eimer treiben: Schritt für Schritt
Diese Anleitung gilt für Sorten ohne Deckerde. Du brauchst gesunde gelagerte Wurzeln, einen sauberen ausreichend hohen Eimer oder Topf, feuchte Erde oder Sand und eine lichtundurchlässige Haube.
- Gefäß vorbereiten: Fülle etwas Substrat ein. Bei Gefäßen mit Abzugslöchern einen Untersetzer verwenden; ohne Abzug besonders vorsichtig gießen, damit kein Wasser im Gefäß stehen bleibt.
- Wurzeln einsetzen: Stelle die Wurzeln dicht nebeneinander aufrecht hinein und fülle Substrat zwischen die Wurzeln. Die Köpfe mit den Herzknospen bleiben an der Oberfläche frei.
- Vorsichtig angießen: Feuchte das Substrat gut an, ohne die Wurzelköpfe und späteren Sprossen zu durchnässen. Es soll feucht, aber nicht vernässt bleiben.
- Vollständig verdunkeln: Setze beispielsweise einen zweiten undurchsichtigen Eimer darüber. Verschließe mögliche Lichtöffnungen und lass mindestens etwa 20 cm Raum über den Köpfen. Sorge für Luftaustausch ohne Lichteinfall; nicht luftdicht verpacken.
- Passend aufstellen: Wähle einen Raum mit meist 12–18 °C. Prüfe gelegentlich kurz auf Feuchtigkeit und Fäulnis und decke danach wieder ab. Bei kühleren Temperaturen dauert das Treiben länger.
- Geschlossene Sprossen ernten: Meist nach etwa 3–5 Wochen sind die hellen Zapfen erntereif. Ernte, solange die Blätter dicht geschlossen sind, indem du die Sprosse am Ansatz von der Wurzel abschneidest.
Aus einer treibfähigen Wurzel wächst gewöhnlich eine Hauptsprosse. Manchmal folgt ein kleinerer Nachtrieb, auf den du deine Ernteplanung aber nicht stützen solltest. Durch portionsweises Treiben kannst du die Winterernte verteilen.
Bewahre geerntete Zapfen gekühlt und lichtgeschützt im Gemüsefach auf, zum Beispiel in einem feuchten Tuch. Meist bleiben sie etwa 4–5 Tage frisch; regelmäßig kontrollieren. Licht kann die Blätter grün und stärker bitter werden lassen.
Mischkultur mit Chicorée planen
Plane Begleitpflanzen nach ihrem Platzbedarf, ihrer Höhe, Kulturzeit und Versorgung. Chicorée braucht während der Wurzelanzucht genügend Licht und Wasser. Früh geerntete Begleitkulturen können Platz freigeben; stark beschattende oder dicht stehende Nachbarn können Konkurrenz erzeugen.
Pauschale Listen guter und schlechter Nachbarn bieten keine verlässliche Wirkungszusage. Gleichzeitige Beetnachbarschaft und Fruchtfolge sind unterschiedliche Fragen: Die gemeinsame Pflanzenfamilie allein macht eine Nachbarpflanze nicht grundsätzlich ungeeignet. Eine Einordnung findest du unter Mischkultur.
Passendes Werkzeug: Mischkultur-Planer
Nährwerte der rohen Chicoréesprossen
Die folgenden Orientierungswerte beziehen sich auf 100 g rohe, essbare Sprossen, nicht auf die Treibwurzel. Sorte und Kulturbedingungen können die Zusammensetzung verändern.
| Bestandteil | Ungefähr pro 100 g |
|---|---|
| Energie | 17 kcal |
| Wasser | 94,5 g |
| Eiweiß | 0,9 g |
| Fett | 0,1 g |
| Gesamtkohlenhydrate, einschließlich Ballaststoffen | 4,0 g |
| Davon Ballaststoffe | 3,1 g |
| Folat | 37 µg |
| Vitamin C | 2,8 mg |
| Kalium | 211 mg |
| Calcium | 19 mg |
Die Gesamtkohlenhydrate schließen hier die Ballaststoffe ein; sie entsprechen deshalb nicht der Angabe verfügbarer Kohlenhydrate auf europäischen Nährwertkennzeichnungen. Bitterstoffe tragen zum charakteristischen Geschmack bei. Daraus lässt sich keine bestimmte gesundheitliche Wirkung einer Portion Chicorée ableiten.
Krankheiten und Schädlinge erkennen
Fäulnis beim Treiben: Weiche oder braune Stellen an Wurzeln und Sprossen können verschiedene Ursachen haben. Pilze wie Botrytis oder Sclerotinia kommen infrage; allein anhand dieser Symptome ist keine sichere Diagnose möglich. Verwende gesunde Wurzeln, reinige die Gefäße zwischen den Durchgängen und vermeide Vernässung sowie nasse Sprossen. Sorge für Luftaustausch und entferne faulende Wurzeln zeitnah.
Blatt- und Wurzelläuse: Kolonien am Laub oder weißliche Wachsausscheidungen an den Wurzeln können auf Läuse hinweisen. Kontrolliere Pflanzen im Beet und Wurzeln vor dem Einsetzen. Nützlinge können bei Blattläusen helfen; schwer befallene Wurzeln für die Treiberei aussortieren. Gleichmäßiges Wässern ersetzt keine Befallskontrolle.
Schnecken: Junge Pflanzen können abgefressen werden. Prüfe die Saatreihen besonders bei feuchtem Wetter und schütze gefährdete Jungpflanzen bei Bedarf mechanisch.
Häufige Fehler beim Chicoréeanbau
- Zu frühe Saat bei Kälte: erhöht das Schossrisiko; Saatzeit der Sorte beachten.
- Zu dichter Stand oder Trockenheit: kann die Ausbildung kräftiger Treibwurzeln beeinträchtigen.
- Zu viel Stickstoff: kann zu lockeren Sprossen und schlechterer Treibqualität führen.
- Herzknospe beim Laubschnitt verletzt: die Hauptsprosse kann ausbleiben oder sich schlecht entwickeln.
- Deckerde-Sorte ohne passende Erdauflage getrieben: die dunkle Haube allein genügt nicht zuverlässig.
- Lager- und Treibtemperatur verwechselt: bis zum Treibtermin kühl lagern, dann portionsweise wärmer stellen.
- Lichteinfall oder zu wenig Platz unter der Haube: kann die Sprossenqualität beeinträchtigen.
- Vernässtes Substrat und nasse Köpfe: begünstigen Fäulnis; Feuchtigkeit kontrollieren und bedarfsgerecht gießen.