Winterwicke anbauen – Aussaat und Gründüngung über Winter
Winterwicke auf einen Blick
- Aussaat
- Direktsaat Freiland Anfang August bis Mitte September als empfohlenes Fenster für Winterbegrünung
- Standort
- möglichst sonnig, durchlässig, ohne Staunässe
- Abstand
- Saatmenge ca. 18 g/m² für dichte Reinsaat im Hausgarten; Gemenge nach PackungsangabeReihenabstand etwa 15–25 cm oder breitwürfig
- Blüte
- häufig Juni–August; je nach Sorte und Aussaat auch früher
Weitere Anbaudaten und Botanik
Winterwicke als Gründüngung: im Spätsommer säen, Fruchtfolge beachten und den Bestand im Frühjahr wirksam beenden. Auch im Gemenge mit Winterroggen möglich.
- Saattiefe
- etwa 2–5 cm; nach Saatgutpackung und Bodenbedingungen
- Wuchsform
- rankend; ohne Stützpflanze überwiegend bodennah
- Boden-pH
- günstig etwa 6–7; mäßig saure Standorte werden vertragen
- Düngung
- normalerweise keine zusätzliche Stickstoffdüngung; andere Nährstoffe nach Bodenbedarf
- Vegetationsdauer
- Herbst bis Frühjahr; Beendigung nach geplanter Folgekultur
- Winterhärte
- Überwinterung möglich; keine feste Minusgradgarantie
- Flächenbedarf
- nur auf Beeten mit passender Fruchtfolge und genügend Zeit bis zur Folgekultur
- Pflanze
- Winterwicke / Zottelwicke (Vicia villosa)
- Nutzungsgruppe
- Gründüngung, Stickstoffsammler; Blütennahrung bei ausreichender Standzeit
- Lebensform
- im Anbau meist einjährig, bei Herbstsaat überwinternd
- Familie
- Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Inhalt11 Abschnitte

Winterwicke (Vicia villosa), auch Zottelwicke genannt, eignet sich als überwinternde Gründüngung für Beete, die nach der Sommerernte bis ins Frühjahr frei bleiben. Sie kann mithilfe von Knöllchenbakterien Luftstickstoff binden. Ihre Pflanzenreste liefern organisches Material und geben beim Abbau Nährstoffe frei. Rechtzeitig angewachsene Bestände können den Boden über Winter bedecken; wie gut sie überwintern, hängt von Sorte, Witterung und Standort ab. Vor der nächsten Gemüsekultur muss der lebende Bestand wirksam beendet werden.
Winterwicke aussäen
Für eine gut entwickelte Winterbegrünung ist Anfang August bis Mitte September ein sinnvoller Richtwert. In kühlen Lagen früh im Fenster säen. Eine spätere Saat ist nicht überall ausgeschlossen, wird mit sinkenden Temperaturen aber unsicherer. Weitere Saattermine dienen anderen Nutzungsformen und sind keine ebenso verlässliche Empfehlung für Winterbegrünung. Wird das Beet erst im Oktober frei, helfen der Gründüngungs-Finder und die Hinweise zu Gründüngung im Oktober bei der Auswahl.
- Erntereste und störenden Aufwuchs entfernen, die Oberfläche lockern und ein ausreichend feines Saatbett vorbereiten. Vernässten Boden nicht bearbeiten.
- Saatgut gleichmäßig in Reihen oder breitwürfig verteilen. Für dichte Hausgarten-Reinsaat etwa 18 g/m² einplanen; die Angabe auf der Saatgutpackung beachten.
- Samen etwa 2–5 cm mit Erde bedecken und leicht andrücken, damit sie Bodenkontakt haben. Auf schwerem Boden eher flacher, auf lockerem Boden nach Packungsangabe säen.
- Bis zum Auflaufen gleichmäßig feucht halten, ohne den Boden zu vernässen. Trockene Spätsommerwitterung kann das Anwachsen erschweren.
Bei etwa 18 g/m² reichen 100 g Saatgut für rund 5,6 m². In Gemengen gilt dieser Reinsaatwert nicht für die gesamte Mischung: Wicke und Stützpflanze erhalten jeweils eine eigene, aufeinander abgestimmte Saatmenge.
Standort und Pflege für Winterwicke
Ein sonniger Platz mit durchlässigem Boden erleichtert den Anbau. Im Halbschatten kann der Aufwuchs schwächer sein. Staunässe und verdichtete, schlecht durchlüftete Böden sind ungünstig. Nach dem Auflaufen bei längerer Trockenheit die Bodenfeuchte prüfen und bei Bedarf gießen.
Zusätzliche Stickstoffdüngung ist normalerweise nicht nötig, wenn die Symbiose mit Knöllchenbakterien funktioniert. Phosphor, Kalium und weitere Nährstoffe braucht die Pflanze trotzdem; eine Bodenuntersuchung hilft, Mangel und unnötige Düngung zu vermeiden.
Reinsaat ist möglich. Die rankenden Triebe bilden dann eher eine bodennahe Decke. Im Gemenge kann Winterroggen als Stütze dienen und Bodenstickstoff aufnehmen. Sommerhafer kann im Herbst stützen, friert aber meist ab und ersetzt keine verlässlich überwinternde Stützpflanze. Mischungen nach Packungsangabe verwenden; ein pauschales Verhältnis 1:3 passt nicht zu jedem Saatgut und Anbauziel.
Winterwicke im Frühjahr beenden
Plane vom Termin der nächsten Aussaat oder Pflanzung rückwärts. Für sehr frühe Frühjahrskulturen passt Winterwicke oft weniger gut: Ein großer Teil ihres Aufwuchses entsteht erst im Frühjahr. Ein früher beendeter Bestand liefert entsprechend weniger Pflanzenmasse. Mehr Aufwuchs und Blütennahrung erfordern eine längere Standzeit.
Vor Samenreife beenden. Wer die Pflanzen für Insekten blühen lässt, muss Hülsenbildung und Reife beobachten. Hartschalige Samen können im Boden überdauern und später unerwünscht auflaufen. Ein fester Monat oder grundsätzliches Entfernen vor der ersten Blüte ersetzt diese Kontrolle nicht.
- Lebenden Bestand stoppen: Auf kleinen Beeten die Pflanzen flach unterhalb des Wurzelhalses abtrennen oder herausnehmen. Bei einem Gemenge auch den Roggen wirksam beenden. Den Bestand anschließend auf Wiederaustrieb prüfen und lebende Reste erneut entfernen; nötigenfalls lichtdicht abdecken. Frühes Mähen allein kann unzureichend sein.
- Reste nutzen: Zerkleinert und bei Bedarf angewelkt flach einarbeiten oder als Mulch auflegen. Frische Grünmasse nicht tief vergraben; unter Luftabschluss kann sie faulen.
- Abstand zur Folgekultur: Nach Einarbeitung meist etwa zwei bis drei Wochen für erste Zersetzung einplanen. Bei kaltem oder nassem Boden sowie viel Roggenmaterial kann mehr Zeit nötig sein. Der Abstand bedeutet nicht, dass anschließend der gesamte Stickstoff verfügbar ist.
- Pflanzen oder säen: Für Jungpflanzen lassen sich Pflanzstellen in der abgestorbenen Mulchdecke freimachen. Für feine Direktsaat ein geeignetes Saatbett herstellen und grobe Reste aus der Saatreihe nehmen. Lebende Wicken dürfen die Folgekultur nicht überwachsen.
Wichtige Punkte beim Anbau von Winterwicke
- Fruchtfolge zuerst prüfen: Winterwicke zählt als Leguminose mit, auch wenn sie nur zur Gründüngung wächst. Nicht auf jedem freien Beet passt sie zur vorherigen und nächsten Kultur.
- Überwinterung ist bedingt: Frühes Anwachsen hilft; Sorte, Kahlfrost, Schneedecke und Bodenbedingungen beeinflussen das Ergebnis.
- Knöllchenbakterien: Passende Rhizobien können bereits im Boden vorhanden sein. Bei fehlender Anbaugeschichte oder gestörten Böden kann eine für Wicken geeignete Saatgutimpfung sinnvoll sein. Nur passende Präparate nach Anleitung verwenden. Eine lange Leguminosenpause allein beweist keinen Impfbedarf.
- Zielkonflikte einplanen: Frühe Beetfreigabe, großer Aufwuchs und lange Blüte lassen sich nicht immer gleichzeitig erreichen.
Winterwicke in Gemengen und in der Fruchtfolge
Gemengepartner: Winterroggen kann die Triebe stützen und vorhandene Nährstoffe aufnehmen. Beide Arten müssen rechtzeitig anwachsen und im Frühjahr beendet werden. Für den reinen Bodenschutz ist auch Reinsaat möglich; ein Gemenge ist keine Pflicht.
Mögliche Folgekulturen: Tomaten, Kürbis, Kartoffeln, Kohl oder Mais können von den abgebauten Pflanzenresten profitieren. Entscheidend ist auch ihr Pflanztermin: Frühe Kartoffeln können das Beet schon benötigen, bevor Winterwicke viel Frühjahrsmaterial gebildet hat. Eine ausreichende Versorgung mit allen Nährstoffen ist damit nicht zugesichert.
Familienpause: Zu Erbsen, Bohnen und anderen Leguminosen ausreichenden Abstand halten, weil gemeinsame Fuß- und Wurzelkrankheiten möglich sind. Für die einfache Beetplanung sind vier Jahre Abstand ein konservativer Richtwert. Die erforderliche Pause hängt von Kultur und Krankheitsgeschichte ab; bei bekannten Problemen genügt eine pauschale Kalenderregel nicht. Gemenge bringen zusätzlich die Familie der Stützpflanze in die Fruchtfolge ein.
Passendes Werkzeug: Fruchtfolge-Planer
Winterwicke: Sortenwahl und Nutzung
Wähle Saatgut, das ausdrücklich für die überwinternde Nutzung vorgesehen ist, und beachte die Angaben zu Saatfenster und Verwendung. Andere Wickenarten wie Sommerwicke (Vicia sativa) oder Pannonische Wicke (Vicia pannonica) sind keine Sorten von Vicia villosa und dürfen nicht mit ihren Anbaudaten gleichgesetzt werden.
Die Hauptnutzung im Hausgarten ist die Winterbegrünung mit anschließender Verwendung der Pflanzenreste. Zur Blüte liefert Winterwicke Nahrung für Bienen und Hummeln. Häufig liegt die Blüte im Juni bis August; je nach Sorte und Aussaat kann sie früher beginnen. Wird der Bestand vorher beendet, entfällt dieses Blütenangebot.
Winterwicke ist nicht für den menschlichen Verzehr vorgesehen. Samen und Triebe nicht als Gemüse, Sprossen oder Küchenzutat verwenden.
Stickstoffbindung und Bodenwirkung
Die Stickstofffixierung bringt zusätzlichen Stickstoff aus der Luft in den Pflanzenbestand. Gleichzeitig nehmen die Pflanzen Nährstoffe aus dem Boden auf. Der gesamte Stickstoff in der Biomasse ist deshalb nicht mit der neu gebundenen Menge gleichzusetzen.
Nach dem Beenden werden Nährstoffe durch Mineralisierung nach und nach frei. Wie viel die Folgekultur nutzen kann, hängt von Aufwuchs, Bodenfeuchte, Temperatur und Behandlung der Reste ab. Winterwicke kann den Düngebedarf verringern; eine feste Stickstoffgabe pro Quadratmeter lässt sich für das einzelne Gartenbeet nicht zusichern.
Junges Wickenmaterial hat ein vergleichsweise enges C/N-Verhältnis und kann sich unter passenden Bedingungen zügig zersetzen. Viel älteres Roggenmaterial im Gemenge verändert das Verhältnis und kann die kurzfristige Nährstofffreisetzung bremsen. Die Fruchtfolge und der Bedarf der nächsten Kultur bleiben deshalb Teil der Düngeplanung.
Aufwuchs und Nutzen im Hausgarten
Erntegewicht ist hier kein sinnvolles Erfolgsmaß. Wichtiger sind eine möglichst geschlossene Bodendecke, gesunder Aufwuchs und die rechtzeitige Beetfreigabe. Aussaattermin, Winterverlauf und Standzeit im Frühjahr verändern die Pflanzenmasse deutlich; eine feste Frischmasse je Quadratmeter ist kein verlässlicher Erwartungswert.
Beende den Bestand so, dass die nächste Kultur rechtzeitig starten kann. Die Reste können vor Ort genutzt werden. Ein hoher Roggenanteil liefert anderes Mulchmaterial als reine Wicke und verlangt entsprechend mehr Aufmerksamkeit bei Zersetzung und Saatbettbereitung.
Häufige Fehler beim Anbau von Winterwicke
- Sehr spät säen und eine sichere Winterdecke erwarten: Das empfohlene Herbstfenster nutzen; bei später Beetfreigabe andere Begrünung oder Mulch prüfen.
- Leguminosen in der Beetgeschichte übersehen: Auch Wicken-Gründüngung zählt bei der Familienpause zu Erbsen und Bohnen mit.
- Lebende Pflanzen als fertigen Mulch behandeln: Zuerst wirksam beenden und Wiederaustrieb kontrollieren.
- Samen ausreifen lassen: Besonders nach bewusstem Blühen rechtzeitig vor Samenreife eingreifen.
- Frische Pflanzenmasse tief vergraben: Nur flach einarbeiten oder als Mulch verwenden.
- Eine feste Düngewirkung voraussetzen: Aufwuchs und Zersetzung berücksichtigen; die Folgekultur kann weiterhin zusätzliche Nährstoffe benötigen.
Weiterlesen
- Gründüngung im Hausgarten – Bodenwirkung und Auswahl passender Arten.
- Gründüngungs-Finder – Saatzeit, Pflanzenfamilie und nächste Beetnutzung vergleichen.
- Gemüsegarten im August und im September – freie Beete rechtzeitig nutzen.
- Pflanzenübersicht – Gemüse, Kräuter und Gründüngungspflanzen.