Winterwicke anbauen – Stickstoff sammeln über den Winter
Winterwicke anbauen: Direktsaat August–September; 8–15 g/m²; bindet bis 200 kg N/ha; winterhart bis -25 °C; Einarbeiten im Frühjahr vor der Hauptkultur.

Die Winterwicke ist die winterhärteste Gründüngungspflanze im Hausgarten: Sie überlebt Frost bis -25 °C, bindet über Knöllchenbakterien bis zu 200 kg Stickstoff pro Hektar aus der Luft und schützt nackten Boden vor Erosion und Auswaschung über den Winter. Ideal als Zwischenfrucht nach Ernte der Hauptkultur (August/September) bis zur nächsten Frühjahrssaat. Im Gemenge mit Winterroggen entsteht ein selbststehendes, ineinandergreifendes Wuchsbild. Im Frühjahr vor der Blüte einarbeiten – dann steht das gespeicherte N für die nächste Starkzehrer-Kultur bereit.
Winterwicke auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Pflanze | Winterwicke, auch Zottige Wicke (Vicia villosa) |
| Nutzungsgruppe | Gründüngung / Stickstoffsammler / Bienenweide |
| Lebensform | einjährig, überwinternd; sehr winterhart |
| Direktsaat Freiland | August bis Mitte September |
| Saatmenge | 8–15 g/m² (Reinkultur); 5–8 g/m² (mit Winterroggen) |
| Reihenabstand | 15–25 cm oder breitwürfig |
| Saattiefe | 2–4 cm |
| Wuchshöhe | 50–120 cm rankend |
| Standort | sonnig bis halbschattig, durchlässig |
| Boden-pH | 5,5–7,5 |
| Düngung | keine (bindet selbst Luftstickstoff) |
| Vegetationsdauer | August–Mai (überwinternd) |
| Stickstoff | bis 200 kg N/ha |
| Biomasse | 2–4 kg/m² Frischmasse vor Blüte |
| Winterhärte | bis -25 °C |
| Familienbedarf (4 Pers.) | für Zwischenfrucht skalierbar; alle abgeernteten Beete |
| Herkunft | Mittelmeerraum, Vorderasien |
| Botanisch | Vicia villosa |
| Familie | Hülsenfrüchtler (Fabaceae) |
Standort und Pflege für Winterwicke
- Standort: sonnig bis halbschattig; durchlässige Böden; verträgt auch mäßig saure Standorte.
- Düngung: keine erforderlich – Stickstoff bezieht sie über Knöllchenbakterien aus der Luft.
- Gießen: nach der Aussaat im August nur, wenn der Boden austrocknet; danach selbstversorgend.
- Wuchsform: rankend; alleine wachsen die Pflanzen flach am Boden, im Gemenge mit Winterroggen klettern sie an Roggenhalmen hoch.
- Stützfrucht: Winterroggen oder Hafer als Mischpartner empfohlen – verbessert Standfestigkeit und Mischverhältnis 1:3 (1 Teil Wicke, 3 Teile Roggen).
- Einarbeiten: im Frühjahr vor der Blüte (April–Mai) flach in den Boden harken oder fräsen. Mindestens 2–3 Wochen vor der Hauptkultur, damit der N freigesetzt werden kann.
- Mulchen: alternativ liegen lassen als Frühjahrsmulch und nur einritzen für Pflanzlöcher.
Wichtige Punkte beim Anbau von Winterwicke
- Hülsenfrucht-Sperre: nicht in Fruchtfolge mit Erbsen, Bohnen oder anderen Wicken stellen – 4 Jahre Abstand zu allen Fabaceae.
- Saatzeit kritisch: zu spät (nach Mitte September) gesät, wächst sie nicht genug bis zum Frost; zu früh (Juli) blüht sie noch im Herbst und friert dann erst recht zurück.
- Mit Winterroggen mischen für Standfestigkeit – Reinkultur fällt sonst um.
- Vor der Blüte einarbeiten – nach der Blüte verholzen die Stängel und der N-Anteil sinkt.
- Knöllchenbakterien meist im Boden vorhanden; bei stark gestörten Böden ggf. Impfung mit Rhizobien-Präparat.
Winterwicke in der Mischkultur
- Gut als Stützfrucht-Mischung: Winterroggen, Hafer – stabilisieren die rankenden Triebe.
- Gut als Vor-/Nachkultur: Kürbis, Tomaten, Kartoffel, Kohl, Mais – alle Starkzehrer profitieren vom hinterlassenen Stickstoff.
- Schlecht (Hülsenfrucht-Sperre): Erbsen, Dicke Bohnen, Buschbohnen, Stangenbohnen, Sommerwicke – Fabaceae-Krankheiten kumulieren.
- Klassisch in Wintergründüngungs-Mischungen (Wicke-Roggen-Mischung 1:3) verkauft.
Winterwicke Sorten und Nutzung
- Standardsorte: “Hungvillosa” – am weitesten verbreitet, gut winterhart.
- Pannonische Wicke (Vicia pannonica): nahe Verwandte, etwas frühere Blüte, oft als Alternative oder Mischpartner.
- Garten-Nutzung: Winter-Gründüngung, Bienenweide im späten Frühjahr, Erosionsschutz auf Hanglagen.
- Küche: keine kulinarische Nutzung – Samen enthalten Bitterstoffe; junge Triebe nicht roh essbar.
- Imkerei: ausgezeichnete Bienen- und Hummelweide bei voller Blüte im Mai (wenn nicht eingearbeitet wird).
Nährwerte / Inhaltsstoffe
Winterwicke wird im Hausgarten nicht für die Küche angebaut. Wichtig sind die agronomischen Inhaltsstoffe:
- Stickstoff-Bindung: 100–200 kg N/ha über die Vegetationsperiode.
- Biomasse-Stickstoff: 3–5 % N in der Trockenmasse.
- C/N-Verhältnis: ca. 15:1 – günstig für schnelle Mineralisierung nach Einarbeitung.
- Wurzeltiefe: 60–80 cm – erschließt auch tiefere Bodenschichten.
- Saponine und Bitterstoffe in Samen – nicht für die Küche geeignet.
Ertrag von Winterwicke im Hausgarten
Als Gründüngung ist nicht Ernte, sondern Bodenverbesserung das Ziel. Pro m² liefert die Winterwicke 2–4 kg Frischmasse und stellt nach Einarbeitung dem Folgekultur 5–10 g Stickstoff pro m² zur Verfügung – das entspricht einer mittleren Düngergabe für Tomaten oder Kürbis. Ein 100-g-Saatgutbeutel (ca. 3–5 € im Handel) deckt 8–12 m².
Häufige Fehler beim Anbau von Winterwicke
- Reinkultur ohne Stützfrucht – Pflanzen fallen um, vermatschen, weniger Biomasse; immer mit Winterroggen mischen
- Zu späte Aussaat (nach Mitte September) – nicht genug Wuchs vor Frost; bringt im Frühjahr wenig
- Nach Blüte einarbeiten – Stängel verholzen, N-Wirkung sinkt; Schnitt-Zeitpunkt ist die beginnende Blüte
- In Fruchtfolge mit Bohnen/Erbsen – Fabaceae-Krankheiten und Schädlinge kumulieren; 4 Jahre Abstand
- Knöllchenbakterien-Impfung vergessen auf “neuen” Beeten – frische Beete oder lange Fabaceae-Pause: ggf. Saatgut impfen für volle N-Bindung