Gundermann anbauen – Standort, Pflege und Ernte
Gundermann auf einen Blick
- Aussaat
- Aussaat / Pflanzung bewurzelte Ausläufer oder Teilstücke im Frühjahr oder Herbst pflanzen; Aussaat nach Saatgutpackung
- Standort
- Standort vorzugsweise Halbschatten; Sonne bei ausreichender Feuchte, heller Schatten möglichBoden humos, frisch bis feucht, ausreichend nährstoffreich und durchlässig
- Abstand
- Pflanzabstand etwa 25–30 cm als Richtwert für eine flächige Pflanzung
- Ernte
- junge Blätter und Triebspitzen während des Wachstums, häufig März–Oktober; Blüten während der Blüte
- Blüte
- Blütezeit meist April–Juni
Weitere Anbaudaten und Botanik
Gundermann ist ein mehrjähriges, kriechendes Wildkraut für frische bis feuchte Plätze. Seine Blüten bieten Bienen Nahrung; junge Blätter und Blüten werden in kleinen Mengen als Würze verwendet. Ausläufer regelmäßig begrenzen. Für Pferde ist die Pflanze stark giftig.
- Wuchshöhe
- aufsteigende Triebe meist etwa 10–40 cm; lange kriechende Ausläufer
- Saattiefe
- keine einheitlich belegte cm-Angabe; Lichtbedarf und Abdeckung laut Saatgutpackung beachten
- Boden-pH
- anpassungsfähig; keine feste pH-Spanne erforderlich
- Winterhärte
- im Garten winterhart; Topfwurzeln bei starkem Frost schützen
- Pflanze
- Gundermann / Gundelrebe (Glechoma hederacea)
- Nutzungsgruppe
- Wildkraut / Würzkraut / Bodendecker
- Lebensform
- mehrjährig, kriechend, wintergrün
- Familie
- Lippenblütler (Lamiaceae)
- Herkunft
- Eurasien; in Mitteleuropa heimisch
Inhalt13 Abschnitte
Gundermann, auch Gundelrebe genannt, ist ein heimisches, mehrjähriges Wildkraut mit blauvioletten Lippenblüten. Er eignet sich als Bodendecker an frischen bis feuchten Gartenplätzen und liefert im Frühjahr Nahrung für Bienen. Junge Blätter und Blüten werden in kleinen Mengen als aromatische Würze verwendet. Seine kriechenden Triebe wurzeln bei Bodenkontakt und können sich weit ausbreiten: Plane einen kontrollierbaren Bereich oder nutze einen Topf. Für Pferde ist Gundermann stark giftig.
Gundermann pflanzen und vermehren
Am einfachsten startest du mit einer Jungpflanze oder einem bereits bewurzelten Ausläufer. Im Frühjahr oder Herbst ist das Anwachsen bei feuchtem Boden meist leichter als in sommerlicher Hitze.
- Lockere die Pflanzstelle und entferne konkurrierende Wurzeln und Unkraut. Bei magerem Boden etwas reifen Kompost einarbeiten.
- Setze die Pflanze etwa so tief, wie sie zuvor gewachsen ist. Für einen Bodendecker sind ungefähr 25–30 cm Abstand ein brauchbarer Ausgangspunkt.
- Gieße gründlich an und halte den Boden bis zum Anwachsen gleichmäßig feucht, ohne ihn dauerhaft zu vernässen.
- Trenne zur Vermehrung einen bewurzelten Ausläufer von der Mutterpflanze ab und pflanze ihn neu ein. Auch Teilung oder weiche Stecklinge im späten Frühjahr sind möglich; die Bewurzelungsdauer hängt von den Bedingungen ab.
Gundermann aus Samen ziehen
Aussaat ist möglich, aber weniger unkompliziert als die Vermehrung über Ausläufer. Saatgutanleitungen unterscheiden sich: Es gibt Empfehlungen zur Vorkultur im Winter und zur Direktsaat im Spätsommer sowie Anleitungen mit einer anfänglichen Warmphase und anschließender Kältebehandlung. Beachte deshalb die Angaben auf deiner Saatgutpackung, besonders zu Vorbehandlung, Lichtbedarf und Abdeckung. Halte das Substrat gleichmäßig feucht. Eine feste Keimdauer oder eine allgemeine Saattiefe in Zentimetern lässt sich daraus nicht zuverlässig ableiten.
Standort und Pflege für Gundermann
- Licht: Halbschatten ist ein guter Ausgangspunkt. Sonnige Plätze funktionieren bei ausreichender Bodenfeuchte. In dichtem, trockenem Schatten ist mit schwachem Wuchs und wenig Ernte zu rechnen.
- Boden: humos, frisch bis feucht und durchlässig. Gundermann wächst auf unterschiedlichen Böden; eine Kalkgabe ist nicht grundsätzlich nötig.
- Gießen: nach dem Pflanzen und bei längerer Trockenheit den Boden prüfen und nach Bedarf wässern. Trockenheit kann Welke und auch Pflanzenverluste verursachen.
- Düngen: auf ausreichend nährstoffreichem Gartenboden meist keine zusätzliche Düngung nötig. Eine kleine Kompostgabe kann auf mageren Böden sinnvoll sein.
- Ausbreitung begrenzen: Ränder regelmäßig kontrollieren und unerwünschte Ausläufer samt bewurzelten Knoten entfernen. Eine unterirdische Wurzelsperre allein hält die oberirdisch kriechenden Triebe nicht auf. Abgetrennte Triebe nicht auf feuchter Erde liegen lassen, wo sie erneut wurzeln können.
- Schneiden: bei Bedarf einkürzen. Lass während der Blüte einen Teil des Bestands für Insekten stehen.
Gundermann im Topf und auf dem Balkon
Gundermann lässt sich auch im Topf oder in einer Ampel ziehen. Verwende ein Gefäß mit Wasserabzug und humoses, durchlässiges Substrat. Prüfe die Feuchte regelmäßig: Im Topf trocknet der Wurzelballen schneller aus als im Beet. Überschüssiges Wasser muss ablaufen können.
Überhängende Triebe können in benachbarten Töpfen oder im Boden wurzeln. Kürze sie ein, wenn du die Ausbreitung begrenzen möchtest. Im Winter schützt ein geschützter Stellplatz oder eine Isolierung des Gefäßes die Topfwurzeln bei starkem Frost; an frostfreien Tagen bei Bedarf sparsam gießen.
Verwendung und wichtige Sicherheitshinweise
Für Pferde stark giftig: Gundermann darf nicht verfüttert werden. Auch getrocknetes Kraut ist kein sicheres Pferdefutter. Halte Schnittgut von Futter und Pferdeausläufen fern; auf betroffenen Weiden oder Futterflächen muss der Bestand berücksichtigt werden. Bei Verdacht auf eine Aufnahme tierärztlich abklären lassen.
Als Würze für Menschen: Kleine Mengen sicher bestimmter Blätter und Blüten werden in der Küche verwendet. Eine tierartspezifische Giftigkeit erlaubt keine direkte Aussage über die Giftigkeit für Menschen. Ebenso wenig ist die übliche Verwendung als Würzkraut eine Freigabe für große Mengen, konzentrierte Extrakte oder eine medizinische Anwendung.
Vor der Ernte sicher bestimmen: Gundermann hat gegenständige, gestielte, nieren- bis herzförmige Blätter mit gekerbtem Rand, vierkantige Stängel und blauviolette Lippenblüten in den Blattachseln. Beim Zerreiben riecht er herb-würzig. Ein vierkantiger Stängel oder der Geruch allein reichen zur Bestimmung nicht aus. Sammle nur eindeutig erkannte, saubere und gesunde Pflanzenteile.
Gundermann als Bodendecker und Pflanzpartner
Unter Gehölzen und in halbschattigen Beeten kann Gundermann freie Bodenstellen begrünen. Frühjahrsblüher wie Schneeglöckchen oder Krokusse kommen als Pflanzpartner bei passenden Standortbedingungen infrage. Auch Bärlauch wächst an vergleichbaren Gartenplätzen. Das sind Standortkombinationen; ein besonderer Mischkulturvorteil ist daraus nicht abzuleiten.
Beobachte, ob der Gundermann schwächere Nachbarpflanzen bedrängt, und entferne dann Ausläufer. In einem bewusst gepflegten Rasen kann er unerwünscht sein; in einer naturnahen Fläche darf er Teil des Bewuchses bleiben.
Würzkraut-Ernte und Zierpflanzen auseinanderhalten: Schneeglöckchen und Zierkrokusse gehören nicht in den Kräuterkorb. Bestimme beim Ernten jedes Blatt und vermeide gemischte Handvoll-Ernten zwischen anderen Pflanzen.
Passendes Werkzeug: Mischkultur-Planer
Gundermann: Sorten und Verwendung
- Wildform: grüne Blätter und meist blauviolette Blüten; geeignet für naturnahe Pflanzungen und kleine Würzkraut-Ernten.
- ‘Variegata’: weiß gerandete Blätter; eine Zierform für Gefäße und Bodendecker-Pflanzungen. Auch sie bildet wurzelnde Ausläufer und braucht gegebenenfalls Begrenzung.
- Küche: sparsam fein gehackte Blätter oder junge Triebspitzen in Kräuterquark, Kräuterbutter, Suppen und anderen Speisen verwenden. Auch Blüten werden in kleinen Mengen genutzt. Der Geschmack ist kräftig herb-würzig. Gundermann gehört nicht zu den sieben klassischen Kräutern der Frankfurter Grünen Soße.
- Traditionelle Heilkunde: historische Anwendungen sind überliefert. Daraus folgt keine ausreichend gesicherte Wirksamkeit oder eine Empfehlung, Beschwerden mit Gundermann-Tee oder Tinkturen selbst zu behandeln.
Ernte und Lagerung von Gundermann
Ernte erst, wenn die Pflanze angewachsen ist und neue Triebe bildet. Junge Blätter und Triebspitzen lassen sich während der Wachstumszeit nach Bedarf schneiden, häufig vom Frühjahr bis in den Herbst. Blüten erntest du während der Blüte, meist April–Juni. Die Zeitfenster hängen von Standort und Witterung ab. Lass genügend Laub und einen Teil der Blüten stehen.
Frisch verwendet ist das Aroma am besten nutzbar. Bei kurzer Aufbewahrung kühl lagern und bald verbrauchen. Zum Trocknen die Pflanzenteile locker, luftig und vor direkter Sonne geschützt auslegen. Erst vollständig trocken in ein sauberes, luftdichtes Gefäß füllen und dunkel lagern. Getrocknetes Kraut verliert mit der Zeit Aroma; feuchte oder schimmelige Vorräte entsorgen.
Passendes Werkzeug: Lager-Finder
Wie viel Gundermann braucht der Hausgarten?
Für gelegentliches Würzen kann schon ein Topf oder ein kleiner kontrollierter Bestand reichen. Eine feste Fläche zur Versorgung einer Familie lässt sich nicht sinnvoll zusagen: Wuchs, Erntehäufigkeit und gewünschte Würzmenge unterscheiden sich. Beginne klein und erweitere nur, wenn du mehr benötigst.
Krankheiten und Schädlinge bei Gundermann
Gundermann ist meist robust und wenig krankheitsanfällig. Schnecken können besonders junge Pflanzenteile anfressen. Bei schwachem Wuchs oder welken Blättern zuerst Bodenfeuchte, Wasserabzug und Standort prüfen. Beschädigte oder auffällig verfärbte Pflanzenteile nicht für die Küche ernten.
Häufige Fehler beim Anbau von Gundermann
- Nur auf eine Wurzelsperre vertrauen: Oberirdische Triebe können Grenzen überwachsen und erneut wurzeln. Den Rand regelmäßig kontrollieren.
- Pferdewarnung verharmlosen: Weder frisches Kraut noch getrocknete Pflanzenteile oder Schnittgut verfüttern.
- Aussaat ohne Packungsanleitung: Vorbehandlung und Temperaturphasen können je nach Saatgut unterschiedlich sein; keinen einfachen Warmkeimer-Verlauf voraussetzen.
- Trockenheit oder Staunässe übersehen: Besonders in Gefäßen die Feuchte und den Wasserabzug prüfen.
- Gemischte Kräuterbüschel ernten: Jedes Pflanzenteil sicher bestimmen; Zierpflanzen nicht mitsammeln.
- Den gesamten Bestand in der Blüte abschneiden: Einen Teil als Nahrung für Bestäuber erhalten.
Gundermann als Nahrung für Bienen und andere Insekten
Die Frühjahrsblüten bieten Nektar und Pollen für Bienen. Zu den beobachteten Blütenbesuchern gehören Pelzbienen; auch Hummeln können die Blüten nutzen. Welche Insekten tatsächlich erscheinen, hängt vom örtlichen Artenbestand und weiteren Lebensraumbedingungen ab. Blütenbesuch ist von der Nutzung einer Pflanze als Raupenfutter zu unterscheiden.
Lass einen Teil des Gundermanns ausblühen und kombiniere ihn mit Pflanzen, die zu anderen Zeiten blühen. Passende Nistplätze ergänzen das Nahrungsangebot. Mehr dazu findest du bei Wildbienen, Hummeln und Wildbienen und Bestäubern in Pflanzengilden.