Rhabarber anbauen – Standort, Pflege und Ernte
Der Rhabarber auf einen Blick
- Pflanzzeit
- März–April oder September–Oktober als Orientierung für Topfpflanzen und Rhizomstücke
- Standort
- Standort vollsonnig bis leicht halbschattigBodenart tiefgründig, humos, wasserspeichernd, keine Staunässe
- Abstand
- Pflanzabstand etwa 1,0–1,5 m in alle Richtungen, je nach Sorte und Wuchs
- Ernte
- Zeit bis Ernte im ersten Jahr nicht; im zweiten wenige Stiele; regulär meist ab dem dritten JahrErntezeitraum eingewachsene Pflanzen meist April bis etwa 24. Juni; im zweiten Jahr nur kurz bis etwa Mai
Weitere Anbaudaten und Botanik
Rhabarber ist eine langlebige Staude für sonnige bis hell halbschattige Plätze. Junge Pflanzen zunächst schonen; später liefern sie Blattstiele für die Küche.
- Dünger
- hoher Nährstoffbedarf; bedarfsgerecht düngen, nur gut verrotteten Mist verwenden
- Fruchtfolge
- Dauerkultur; vor Neuanlage auf derselben Fläche etwa fünf Jahre Anbaupause
- Schwierigkeit
- unkompliziert nach dem Anwachsen; Wasser, Nährstoffe und Ernteschonung beachten
- Lebensform
- mehrjährig; bei guter Pflege zehn Jahre und länger
- Botanischer Name
- Rheum rhabarbarum; Gartensorten auch als Rheum × hybridum geführt
- Familie
- Knöterichgewächse (Polygonaceae)
- Herkunft
- Ostasien
Inhalt16 Abschnitte
Rhabarber ist eine langlebige Staude, deren Blattstiele du für Kompott, Kuchen und herzhafte Gerichte verwenden kannst. Er braucht einen dauerhaften Platz, ausreichend Bodenfeuchte und Zeit zum Anwachsen. Im ersten Jahr nach der Pflanzung bleibt die Ernte aus; im zweiten werden nur wenige Stiele entnommen.
Pflanzzeit und Pflanzung von Rhabarber
Günstige Pflanzzeiten sind Frühjahr und Herbst, häufig März–April beziehungsweise September–Oktober. Entscheidend sind frostfreier Boden und ausreichend Feuchtigkeit. Geteilte Rhizome möglichst in der Ruhephase setzen, im Herbst nach dem Einziehen des Laubs oder im zeitigen Frühjahr vor starkem Austrieb. Topfpflanzen lassen sich auch außerhalb dieser Monate pflanzen, sofern es weder sehr heiß und trocken noch frostig ist.
- Einen dauerhaften Platz wählen und Wurzelunkräuter entfernen. Verdichteten Boden lockern und bei Bedarf reifen Kompost mit der Gartenerde mischen.
- Eine gesunde Topfpflanze oder ein kräftiges Rhizomstück mit mindestens einer gut entwickelten Knospe und gesunden Wurzeln verwenden.
- Topfpflanzen etwa in bisheriger Tiefe setzen. Rhizomstücke flach nach der Pflanzanleitung des Anbieters einsetzen; die Knospen nicht tief begraben. Für alle Pflanzmaterialien gilt keine einheitliche Zentimeterangabe.
- Erde vorsichtig andrücken und gründlich angießen. Während des Anwachsens bei Trockenheit nachgießen. Mulch um die Pflanze verteilen und die Krone frei lassen.
Aussaat ist möglich, braucht aber mehr Zeit und ergibt häufig unterschiedlich ausgeprägte Pflanzen. Für einen raschen, sortenechten Start sind Topfpflanzen oder Teilstücke meist praktischer. Saatpflanzen können länger brauchen, bis eine schonende Ernte möglich ist.
Pflanzabstand
Plane etwa 1,0–1,5 m Abstand zwischen den Pflanzen ein. Kleine Sorten benötigen weniger Raum als große Horste. Das entspricht rechnerisch etwa 1–2,25 m² je Pflanze, zuzüglich Platz für Wege und Erntezugang. Die ausladenden Blätter können Nachbarn beschatten; ein großzügiger Stand erleichtert Pflege und Ernte.
Passendes Werkzeug: Pflanzabstand-Rechner
Standort und Winterhärte
Rhabarber wächst gut an einem sonnigen bis hell halbschattigen Platz. In heißen, trockenen Lagen kann leichter Schatten hilfreich sein; tiefer Schatten und Konkurrenz um Wasser sind ungünstig. Der Boden sollte tiefgründig und humos sein, Wasser speichern und überschüssiges Wasser abführen.
Eingewachsene Pflanzen sind im Beet gut winterhart. Junge Austriebe können trotzdem durch Spätfrost geschädigt werden; bei angekündigtem Frost vorübergehend mit Vlies schützen. Heiße, trockene Sommer können das Wachstum bremsen. Bei üblichen Sorten fördert die winterliche Kältephase den folgenden Austrieb.
Dünger und Boden
Rhabarber hat einen hohen Nährstoffbedarf. Im Frühjahr kann eine maßvolle Gabe reifen Komposts oder gut verrotteten Stallmists die Bodenversorgung verbessern. Ob zusätzliche Düngung nötig ist, hängt von Boden, bisheriger Versorgung und Wachstum ab. Eine Bodenuntersuchung hilft, Überdüngung zu vermeiden; reichlich Kompost oder Mist jedes Jahr ist nicht automatisch besser.
Bei schwachem Wuchs zuerst auch Wasser, Licht und Wurzelgesundheit prüfen. Stickstoff bei Bedarf mit einem geeigneten Dünger nach Anwendungshinweisen ergänzen. Humusversorgung und Durchlässigkeit sind wichtiger als ein enger pH-Bereich. Mehr dazu unter Kompost richtig einsetzen.
Rhabarbersorten und Verwendung
Sorten unterscheiden sich in Frühzeitigkeit, Wuchsstärke, Stiel- und Fleischfarbe sowie Geschmack. Die äußere Stielfarbe ist nicht mit der Fleischfarbe gleichzusetzen und erlaubt keine zuverlässige Aussage über Verträglichkeit oder Oxalsäuregehalt.
- Timperley Early: frühe Sorte; die Stiele können grüne, rosa und rote Anteile aufweisen.
- Victoria: bewährte Sorte mit überwiegend grünlichen, rot überhauchten Stielen; kein eindeutiges Beispiel für durchgehend roten Rhabarber.
- Glaskins Perpetual: auch als Saatgut erhältlich; Sämlinge können grüne, rosa oder rote Stiele entwickeln.
Für Kompott, Kuchen, Crumble, Konfitüre, Chutney oder Sirup werden die Blattstiele verwendet, üblicherweise gegart oder gebacken. Dicke, faserige Stiele bei Bedarf abziehen; dünne zarte Stiele müssen nicht grundsätzlich geschält werden. Bei speziellen Sommer- oder Herbstsorten die sorteneigenen Erntehinweise beachten; diese gelten nicht für alle Rhabarberpflanzen.
Oxalsäure und sichere Verwendung
Die Blattstiele enthalten Oxalsäure; die Blätter sind nicht zum Verzehr geeignet. Der Gehalt in den Stielen kann im Saisonverlauf steigen, hängt aber auch von Sorte und Witterung ab. Am 24. Juni gibt es keinen plötzlichen Wechsel. Die Erntepause dient vor allem der Regeneration der Staude. Mehr zur Einordnung unter Johannistag im Garten.
Rhabarberblätter nicht essen, auch nicht gekocht. Verwende die Blattstiele üblicherweise gegart. Für gesunde Menschen sind gegarte Blattstiele in üblichen Mengen normalerweise unproblematisch. Bei Nierenerkrankungen oder einer Neigung zu Calciumoxalatsteinen den Verzehr ärztlich abklären.
Nährwerte der rohen Blattstiele
Ungefähre, gerundete Werte pro 100 g essbarem rohem Anteil. Sorte und Anbaubedingungen können die Zusammensetzung beeinflussen. Rohwerte sind keine Empfehlung zum Rohverzehr und gelten nicht für gezuckertes Kompott oder Kuchen. Die Kohlenhydratmenge enthält in dieser Tabelle auch die Ballaststoffe; beide Mengen werden nicht zusätzlich addiert.
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Energie | 21 kcal |
| Wasser | 93,6 g |
| Kohlenhydrate einschließlich Ballaststoffen | 4,5 g |
| Eiweiß | 0,9 g |
| Fett | 0,2 g |
| Ballaststoffe | 1,8 g |
| Vitamin C | 8 mg |
| Vitamin K | 29 µg |
| Kalium | 288 mg |
| Calcium | 86 mg |
Nachbarn und Platz im Beet
Rhabarber passt häufig an den Rand eines Beetes oder auf eine eigene Fläche für Dauerkulturen. Unter seinen großen Blättern haben lichtbedürftige Pflanzen wenig Platz. Entscheidend sind ausreichendes Licht, Wasser und Abstand; pauschale Listen guter oder schlechter Nachbarn ersetzen diese Planung nicht.
Erdbeeren können in der Nähe stehen, wenn sie genügend Sonne und eigenen Wurzelraum bekommen. Daraus folgt kein garantierter Mischkulturvorteil. Auch Kräuter und Stauden nach ihren jeweiligen Standortansprüchen auswählen und nicht dicht unter den Rhabarber setzen.
Ertrag im Hausgarten
Eine kräftige, gut eingewachsene Pflanze kann unter günstigen Bedingungen mehrere Kilogramm Blattstiele pro Saison liefern. Sorte, Pflanzenalter, Wasserversorgung und Ernteintensität beeinflussen den Ertrag stark; bei jungen oder schwachen Pflanzen zählt das Anwachsen mehr als die Erntemenge.
Für gelegentlichen Kompott- und Kuchenbedarf sind ein bis zwei Pflanzen für einen Haushalt oft eine brauchbare Planungsgröße. Wer viel einfrieren oder einkochen möchte, braucht möglicherweise mehr. Eine feste Kilogrammmenge oder Versorgung für vier Personen lässt sich daraus nicht zusagen.
Pflege und Verjüngung
- Gießen: junge Pflanzen während des Anwachsens besonders beachten. Eingewachsene Pflanzen bei längerer Trockenheit gründlich wässern, auch nach der Ernte. Keine Staunässe erzeugen.
- Mulchen: reifer Kompost, Laub oder gut verrotteter Mist können die Bodenfeuchte halten. Die Krone und Knospen nicht unter einer dicken Schicht begraben.
- Blütenstiele entfernen: für die Stielernte frühzeitig bodennah entfernen, ohne übrige Triebe zu verletzen. Blütenbildung macht die verbleibenden Blattstiele nicht plötzlich giftig.
- Teilen: bei nachlassendem Wuchs oder innen verkahlenden Horsten kann Teilung helfen. Im Herbst nach dem Einziehen des Laubs oder im zeitigen Frühjahr jedes Teilstück mit kräftiger Knospe und gesunden Wurzeln neu pflanzen. Danach wieder eine Anwuchsphase ohne Ernte einplanen. Anleitung: Stauden durch Teilung vermehren.
- Standortwechsel: die Dauerkultur wandert nicht jährlich durch die Beete. Nach dem Entfernen eines alten Bestands jedoch möglichst einen anderen Platz wählen; vor erneutem Rhabarber auf derselben Fläche etwa fünf Jahre Pause einplanen.
Rhabarber richtig ernten
Im ersten Jahr nach der Pflanzung nicht ernten. Im zweiten Jahr nur wenige Stiele von kräftigen Pflanzen entnehmen und die Ernte früh beenden, etwa im Mai. Schwache Pflanzen länger schonen. Reguläre Ernte ist gewöhnlich ab dem dritten Jahr möglich.
Erntereif sind kräftige, gut entwickelte Stiele mit entfalteten Blättern. Die Farbe allein zeigt die Reife nicht an. Den Stiel tief am Ansatz fassen und vorsichtig mit einer ziehenden Drehbewegung lösen, ohne Krone oder benachbarte Knospen zu beschädigen. Anschließend das Blatt vom geernteten Stiel entfernen.
Je Erntegang höchstens etwa ein Drittel der vorhandenen Stiele entnehmen; bei schwachem Wuchs weniger. Das gilt auch bei wiederholter Ernte: nur weiter ernten, wenn die Pflanze kräftig nachwächst und ausreichend gesundes Laub behält.
Bei üblichen Hausgartensorten dauert die Saison meist von April bis etwa Johanni am 24. Juni. Danach gesundes Laub belassen und bei Trockenheit weiter versorgen, damit die Staude Reserven für das nächste Jahr aufbaut. Junge, geschwächte oder stark vertrocknete Pflanzen früher schonen.
Rhabarber lagern und einfrieren
Frische Stiele ohne Blätter in ein feuchtes Tuch wickeln und im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahren. Sie halten dort meist einige Tage. Gesunde Stiele zum Einfrieren waschen, gegebenenfalls grobe Fasern abziehen, in Stücke schneiden und portionsweise verpacken. Blanchieren ist nicht grundsätzlich erforderlich.
Kompott lässt sich ebenfalls einfrieren. Zum Einkochen ein geeignetes, erprobtes Rezept mit passenden Zeiten verwenden.
Passendes Werkzeug: Lager-Finder
Häufige Probleme erkennen
- Dünne Stiele oder schwacher Wuchs: eine junge Pflanze, Überernte, Trockenheit, Schatten oder ein alter dichter Horst können Ursachen sein. Nicht automatisch mehr düngen.
- Braune Blattflecken: besonders bei feuchter Witterung möglich. Stark befallenes Laub entfernen und nicht als Mulch unter der Pflanze belassen; ausreichend gesundes Laub erhalten.
- Weiche, faulende Krone oder Wurzeln: Staunässe und Wurzelkrankheiten prüfen. Erkrankte Teilstücke nicht zur Vermehrung verwenden.
- Fraß am jungen Austrieb: Schnecken können junge Triebe schädigen; Pflanzen kontrollieren und bei Bedarf schützen.
- Geschädigte Triebe nach kalten Nächten: auch bei einer winterharten Staude ist Spätfrost möglich. Matschige oder geschädigte Stiele nicht als Ernte verwenden und gesunden Neuaustrieb abwarten.
Bei unklaren Symptomen hilft der Pflanzen-Doktor bei der Einordnung möglicher Ursachen.
Häufige Fehler beim Anbau von Rhabarber
- Im Pflanzjahr oder von schwachen Pflanzen ernten.
- Zu viele Stiele entnehmen oder bei üblichen Sorten ohne Erntepause weiterpflücken.
- Tief pflanzen, die Krone mit Mulch begraben oder Staunässe zulassen.
- Nach der Ernte jede Pflege einstellen, obwohl die Pflanze bei Trockenheit Wasser braucht.
- Die Farbe mit Reife oder Verträglichkeit gleichsetzen.
- Blätter verwenden – sie bleiben auch gekocht ungeeignet.
Weiterlesen
- Teilung – ältere Stöcke vermehren und verjüngen.
- Gemüsegarten im September – Arbeiten im Herbst planen.
- Johannistag im Garten – Erntepause und Regeneration einordnen.
- Pflanzenübersicht – Gemüse, Kräuter und Beeren anbauen.
Infografik