Fusarium-Trockenfäule an Kartoffeln: erkennen und vorbeugen
Inhalt8Abschnitte
Eine Kartoffel im Vorrat hat eine eingesunkene, faltige Stelle. Beim Aufschneiden erscheint darunter trockenes, braunes Gewebe, manchmal mit einem Hohlraum und hellem Pilzbelag. Fusarium-Trockenfäule ist eine mögliche Ursache. Oft werden die Schäden erst während der Lagerung sichtbar, obwohl die Eintrittsstelle bereits bei der Ernte entstanden ist.
Die Bezeichnung „Trockenfäule“ beschreibt das typische Schadbild. Sie bedeutet nicht, dass die Knolle nur zu wenig Wasser bekommen hat. Diese Seite hilft dir, Auffälligkeiten einzuordnen und den übrigen Kartoffelvorrat zu schützen.
Was ist Fusarium-Trockenfäule an Kartoffeln?
Die Krankheit wird von verschiedenen Pilzen der Gattung Fusarium verursacht, beispielsweise Fusarium sambucinum und Fusarium coeruleum, in älteren Quellen auch F. solani var. coeruleum. Je nach Erreger unterscheiden sich Farbe und Verlauf der Faulstellen. Die Pilzart lässt sich am Aussehen allein nicht sicher bestimmen.
Es handelt sich vor allem um eine Knollen- und Lagerkrankheit. Befallenes Pflanzgut kann im Boden weiter faulen und zu Fehlstellen beim Aufgang führen. Fusarium-Trockenfäule ist von der Fusarium-Basalfäule an Zwiebeln und von Welkekrankheiten zu unterscheiden.
| Merkmal | Einordnung |
|---|---|
| Betroffene Pflanze | Kartoffel, vor allem die Knollen |
| Typisches Schadbild | eingesunkene braune Stellen, oft mit ringförmigen Falten; innen trockenes, verfärbtes Gewebe |
| Weitere Hinweise | Hohlräume und weiße, teils rosa, violette oder bläuliche Pilzpolster möglich |
| Eintrittspforten | Verletzungen der Knollenschale, etwa durch Graben, Stöße, Sortieren oder Schneiden |
| Infektionsquellen | belastete Erde, Pflanzenreste, befallene Knollen und verschmutzte Lagerbehälter |
| Folgen | Lagerverluste; bei befallenem Pflanzgut Knollenzerfall und Auflaufschäden |
Fusarium-Trockenfäule erkennen und Verwechslungen prüfen
Anfangs fallen kleine braune Stellen an einer Verletzung auf. Später kann die Schale dort einsinken und sich in Falten legen. Im Inneren wird das Gewebe braun bis dunkelbraun, trocken und bröckelig. Bei fortschreitendem Befall entstehen Hohlräume; stark geschädigte Knollen können weitgehend eintrocknen.
Ein sichtbarer Pilzbelag muss nicht vorhanden sein. Umgekehrt beweist ein heller Belag allein keinen Fusarium-Befall. Prüfe Oberfläche, Gewebe und Verlauf zusammen. Eine zur Untersuchung angeschnittene verdächtige Knolle nicht wieder in den Vorrat legen; das Messer anschließend reinigen.
Trockenfäule, Nassfäule oder eine andere Knollenkrankheit?
| Mögliche Ursache | Hinweise zur Unterscheidung |
|---|---|
| Fusarium-Trockenfäule | oft von einer Wunde ausgehend; eingesunkene, faltige Schale und trockenes braunes Gewebe, teils Hohlräume mit Pilzpolstern |
| Bakterielle Nassfäule | weiches, wässriges bis breiig zerfallendes Gewebe; kann zusätzlich zur Trockenfäule auftreten |
| Kraut- und Braunfäule | häufig auch braune Blatt- und Stängelflecken; Knollen mit bleigrauen, eingesunkenen Stellen und braunen Faulbereichen im Inneren |
| Alternaria-Knollenfäule | eingesunkene Flecken mit trockener, fester, bräunlichschwarzer Fäule; meist vergleichsweise scharf vom gesunden Gewebe abgegrenzt |
| Phoma-Fäule beziehungsweise Gangrän | ebenfalls eingesunkene dunkle Stellen und trockene innere Hohlräume; Abgrenzung zu Fusarium kann eine Laboruntersuchung erfordern |
| Kartoffelschorf | korkige, raue oder vertiefte Schalenstellen; kein typischer fortschreitender Zerfall mit inneren Pilzpolstern |
| Wurzeltöterkrankheit | schwarze, fest haftende Pocken auf der Schale; Dry Core kann örtlich trockenes abgestorbenes Gewebe verursachen |
| Druckstellen oder Wasserverlust | Verletzungen können innen verfärbt sein, zu trockene Luft lässt Knollen schrumpfen; beides allein belegt keine Fusarium-Infektion |
Durch zusätzliche Bakterien kann aus einem zunächst trockenen Schaden eine Nassfäule werden. Bei wiederholten großen Lagerverlusten oder unklarem Schadbild hilft die regionale Pflanzenschutzberatung. Weitere Schadbilder findest du unter Kartoffeln: Krankheiten und Schädlinge.
Ursachen, Lebensweise und Überdauerung
Fusarium-Pilze können im Boden, an Pflanzenresten und auf Knollen überdauern. Mit anhaftender Erde gelangen sie ins Lager. Für die typische Knolleninfektion brauchen sie eine Verletzung; intakte, ausgereifte Schale bietet Schutz. Auch kleine Abschürfungen sind deshalb relevant.
Ernte, Transport und spätere Sortierung können neue Wunden erzeugen. Das Teilen von Pflanzkartoffeln vergrößert die ungeschützte Oberfläche. Eine zunächst unauffällige Knolle kann später erkranken; eine Sichtprüfung garantiert kein gesundes Pflanzgut.
Wärme begünstigt die Entwicklung vieler Erreger. Kühle Lagerung bremst den Befall, beseitigt aber keine bestehende Infektion. Ausgeheilte Wunden senken das Risiko neuer Infektionen. Eine Fruchtfolge gehört zur Anbauhygiene, ersetzt jedoch weder gesundes Pflanzgut noch eine schonende Ernte und saubere Lagerkisten.
Fusarium-Trockenfäule vorbeugen
Verletzungen vermeiden und gesunde Knollen richtig einlagern sind die wichtigsten Ansatzpunkte. Mehrere Maßnahmen ergänzen sich.
| Maßnahme | Praktische Umsetzung |
|---|---|
| Gesundes Pflanzgut | möglichst zertifizierte Pflanzkartoffeln verwenden; faule, stark verletzte oder verdächtige Knollen aussortieren |
| Schalenreife prüfen | für den Vorrat schalenfeste Knollen ernten; zartschalige Frühkartoffeln zügig nutzen |
| Schonend behandeln | mit Abstand zur Staude graben, geringe Fallhöhen einhalten und Kartoffeln nicht werfen |
| Vor dem Lagern sortieren | faule oder verdächtige Knollen entsorgen; gesunde, beim Ernten angeschnittene Knollen getrennt halten und zeitnah gegart nutzen |
| Oberfläche abtrocknen | ungewaschen, luftig und vor Licht geschützt abtrocknen lassen; keine dicht geschlossenen Plastikbeutel |
| Wundheilung ermöglichen | kleine Verletzungen nur an gesunden frisch geernteten Knollen abheilen lassen; Dunkelheit, Belüftung und ausreichend feuchte Luft ermöglichen |
| Passend lagern | anschließend kühl, dunkel, belüftet und frostfrei; Kondenswasser vermeiden |
| Hygiene und Kontrolle | Erde und Knollenreste aus Kisten entfernen, Behälter reinigen und den Vorrat regelmäßig prüfen |
Abtrocknung, Wundheilung und Lagerung unterscheiden
Abtrocknen bedeutet, Feuchtigkeit auf der Oberfläche zu entfernen. Bei der Wundheilung bildet die gesunde Knolle eine schützende Schicht an kleinen Verletzungen. Dafür braucht sie andere Bedingungen als für die anschließende dauerhafte kühle Lagerung. Die Abheilphase saniert keine faulen Kartoffeln.
Für frisch geerntete, gesunde Kartoffeln mit kleinen Verletzungen sind im Hausgarten etwa ein bis zwei Wochen bei ungefähr 15–18 °C eine Orientierung. Die Knollen dabei dunkel und belüftet halten und regelmäßig kontrollieren. Dauer und Temperatur hängen vom Zustand der Knollen und den Lagerbedingungen ab. Eine bereits faulende Partie nicht zum Abheilen warm stellen.
Eine ausreichend feuchte Luft unterstützt die Abheilung, während die Knollenoberfläche trocken bleiben soll. Luftbewegung ist deshalb wichtig. Kartoffeln nicht besprühen oder in nasse Tücher wickeln. Anschließend schrittweise kühler lagern. Die praktische Anleitung findest du unter Kartoffeln lagern.
Für den Hausvorrat sind anschließend möglichst gleichmäßige 4–6 °C eine Orientierung. Sorteneignung, Lagerdauer und spätere Verwendung spielen ebenfalls eine Rolle. Zu trockene Luft fördert Schrumpfen; eine nasse Oberfläche und schlechte Belüftung begünstigen weitere Fäulnisprobleme.
Fusarium-Trockenfäule: Was tun bei Befall?
Faule Knollen entfernen und den Vorrat prüfen
- Auffällige Kartoffeln aussortieren: faule Knollen zügig aus der Kiste nehmen. Auch die benachbarten Kartoffeln auf Schäden und Feuchtigkeit kontrollieren.
- Befallenes Material entsorgen: faulende Knollen nicht auf den kühlen Hauskompost oder zurück ins Beet geben. Einen örtlich zulässigen Entsorgungsweg nutzen.
- Lagerbedingungen verbessern: Kondenswasser, mangelnde Luftbewegung und Wärme prüfen. Den übrigen Vorrat vorsichtig sortieren, ohne neue Verletzungen zu erzeugen.
- Behälter reinigen: verschmutzte Kisten von Erde und Knollenresten befreien und vor erneuter Nutzung reinigen und trocknen lassen. Hinweise unter Gartenhygiene.
- Weiter kontrollieren: zunächst häufiger nachsehen. Nehmen die Schäden zu, ist fachlicher Rat sinnvoll; symptomfreie Knollen sind nicht automatisch infektionsfrei.
Befallene Kartoffeln nicht essen und nicht als Pflanzgut aufheben. Das Ausschneiden einer Faulstelle macht eine kranke Knolle nicht zuverlässig verwendbar. Eine heilende Behandlung für bereits verfaultes Gewebe gibt es nicht.
Manche Fusarium-Erreger können Schimmelpilzgifte (Mykotoxine) bilden. Auch Kochen macht befallene Kartoffeln deshalb nicht zuverlässig wieder verwendbar. Entsorge die ganze befallene Knolle.
Hausmittel und Pflanzenschutzmittel einordnen
Milch, Natron oder Essig sind keine verlässliche Sanierung eines befallenen Kartoffelvorrats. Das Waschen oder Besprühen der Knollen kann zusätzliche Feuchtigkeit und neue Schäden verursachen. Eine Blattspritzung heilt keine Fäulnis im Knolleninneren.
Vorbeugende Pflanzgut- und Lagerbehandlungen kommen nur bei entsprechender Zulassung der konkreten Anwendung infrage. Empfehlungen aus dem Ausland lassen sich nicht auf den deutschen Hausgarten übertragen. Vor einem Mitteleinsatz die aktuelle Zulassung für Kultur, Schaderreger, Anwendung und Anwenderkategorie sowie sämtliche Anwendungsvorgaben prüfen. Für den Hausvorrat stehen sorgfältiges Aussortieren, Hygiene und passende Lagerbedingungen im Vordergrund.
Häufige Fragen zur Fusarium-Trockenfäule
Ist jede schrumpelige Kartoffel befallen?
Nein. Allgemeines Schrumpfen kann durch Wasserverlust entstehen. Eine örtlich eingesunkene Faulstelle, trockenes braunes Gewebe und Pilzpolster sind zusätzliche Hinweise. Eine genaue Erregerbestimmung ist allein damit nicht möglich.
Kann Trockenfäule auch nass und breiig werden?
Ja. Zusätzliche Nassfäulebakterien können das Gewebe weich und wässrig zerfallen lassen. Der Name Trockenfäule schließt einen Mischbefall nicht aus.
Muss ich die ganze Kartoffelkiste wegwerfen?
Nicht automatisch. Entferne die faulen Knollen, kontrolliere den Rest sorgfältig und verbessere ungünstige Lagerbedingungen. Bei weiter zunehmendem Befall erneut sortieren und die Ursache fachlich klären lassen.
Kann ich eine befallene Kartoffel nach Wegschneiden der Stelle pflanzen?
Nein. Sichtbare Faulstellen auszuschneiden schafft keine zuverlässig gesunde Pflanzknolle und erzeugt neue Wunden. Befallenes Pflanzgut kann im Boden zerfallen und Fehlstellen verursachen.
Verhindert kühle Lagerung jeden Befall?
Nein. Sie bremst die Entwicklung, heilt aber bereits infizierte Knollen nicht. Gesundes Ausgangsmaterial, schonende Behandlung, Wundheilung und regelmäßige Kontrolle bleiben wichtig.
Verwandte Seiten
- Kartoffeln anbauen — Pflanzung und Pflege im Überblick
- Kartoffeln: Krankheiten und Schädlinge — weitere Schadbilder einordnen
- Kartoffeln ernten — Schalenreife prüfen und Knollen schonen
- Kartoffeln lagern — Abtrocknung, Abheilung und Lagerbedingungen
- Bakterielle Nassfäule — weiches, breiig zerfallendes Gewebe unterscheiden
- Kraut- und Braunfäule — Blatt- und Knollenschäden durch Phytophthora
- Dürrfleckenkrankheit — Alternaria-Blattflecken und trockene Knollenfäule unterscheiden
- Wurzeltöterkrankheit — Kartoffelpocken und Dry Core erkennen
- Gartenhygiene — Pflanzenreste, Werkzeuge und Behälter beachten
Infografik