Meerrettich anbauen – Standort, Pflanzung und Ernte
Meerrettich auf einen Blick
- Pflanzzeit
- Fechser vor allem März–April, je nach Witterung bis Mai; Teilstücke/Jungpflanzen auch im Herbst bei offenem Boden
- Standort
- Standort Sonne bis HalbschattenBoden tiefgründig, locker, humos und gleichmäßig feucht; keine Staunässe
- Abstand
- Pflanzabstand etwa 30–40 cm; bei dauerhaften Horsten mehr Platz einplanenReihenabstand etwa 60–75 cm als Richtwert
- Ernte
- Erntezeitraum hauptsächlich Oktober–März bei offenem Boden, vor kräftigem NeuaustriebErste Ernte bei kräftigen Frühjahrspflanzungen im ersten Herbst möglich; schwache oder spät gepflanzte Bestände länger wachsen lassen
Weitere Anbaudaten und Botanik
Meerrettich ist eine winterharte, mehrjährige Würzpflanze für Sonne bis Halbschatten. Pflanze Fechser in lockeren Boden oder einen tiefen Kübel und plane die Ausbreitung ein.
- Vermehrung
- meist Wurzelstücke (Fechser), Teilung oder Jungpflanzen
- Boden-pH
- etwa 6,0–7,5 als günstiger Richtbereich
- Frosttoleranz
- im Freiland gut winterhart; im Kübel Wurzelballen bei starkem Frost schützen
- Ertrag
- abhängig von Pflanzmaterial, Standort, Pflege und Kulturweise; keine feste Menge je Pflanze
- Lagerung
- ganze, gesunde Wurzeln kühl und dunkel in leicht feuchtem Sand; unter guten Bedingungen mehrere Monate
- Pflanze
- Meerrettich / Kren (Armoracia rusticana)
- Nutzungsgruppe
- Wurzelgemüse / scharfes Gewürz
- Lebensform
- mehrjährig; für Speisewurzeln häufig jährlich geerntet und neu gepflanzt
- Familie
- Kreuzblütler (Brassicaceae)
Inhalt9 Abschnitte
Meerrettich (Armoracia rusticana), auch Kren genannt, ist eine mehrjährige Würzpflanze aus der Familie der Kreuzblütler. Seine helle Wurzel entwickelt beim Reiben die typische Schärfe. Er wird seit Jahrhunderten in Mitteleuropa kultiviert und ist stellenweise verwildert. Im Garten ist er winterhart, kann sich aber über Wurzeln und zurückbleibende Wurzelstücke ausbreiten. Plane deshalb einen kontrollierbaren Standort oder einen großen, tiefen Kübel ein.
Standort und Pflege für Meerrettich
Für kräftige Wurzeln braucht Meerrettich einen tiefgründigen, lockeren und ausreichend nährstoffreichen Boden. Schwere, verdichtete oder steinige Böden erschweren die Ernte und können unförmige Wurzeln begünstigen. Sonne ist günstig, ein heller halbschattiger Platz ist ebenfalls möglich.
- Wasser: gleichmäßig feucht halten, besonders nach der Pflanzung und während des Wurzelwachstums im Spätsommer. Trockenstress kann holzige Wurzeln begünstigen; anhaltende Nässe fördert Fäulnis. Kübel trocknen schneller aus als Gartenboden.
- Nährstoffe: für die Wurzelkultur wird Meerrettich meist zu den Starkzehrern gerechnet. Die tatsächliche Düngung richtet sich nach Boden, Vorkultur und Wachstum. Reifer Kompost kann zur Versorgung beitragen; er ist keine pauschale Garantie für ausreichende Nährstoffe. Zu viel Stickstoff fördert Laub und Verzweigung. Mehr dazu unter Kompost richtig einsetzen.
- Bodenpflege: junge Pflanzen zunächst von konkurrierendem Unkraut freihalten. Eine dünne Mulchschicht hilft, Feuchtigkeit zu halten; den Pflanzenansatz frei lassen.
Fechser richtig pflanzen
Fechser sind schlanke Seitenwurzeln, aus denen neue Meerrettichpflanzen wachsen. Verwende gesundes, festes, möglichst biegsames Material mit hellen Schnittflächen; verfärbte, aufgeplatzte oder faulende Stücke aussortieren.
- Wähle etwa 20–30 cm lange Wurzelstücke. Markiere die Wuchsrichtung: Das obere, der Mutterwurzel näher liegende Ende wird gerade, das untere schräg geschnitten.
- Lockere den Boden tief und entferne größere Steine. Pflanze im Frühjahr, sobald der Boden bearbeitbar und weder gefroren noch vernässt ist.
- Lege den Fechser etwa im 45-Grad-Winkel ein, mit dem oberen Ende nach oben. Dieses liegt ungefähr 5 cm unter der Oberfläche; das untere Ende entsprechend tiefer. Die Tiefe des unteren Endes ist keine Saattiefe.
- Halte etwa 30–40 cm Abstand in der Reihe und etwa 60–75 cm zwischen Reihen. Drücke die Erde vorsichtig an und gieße an.
Im Herbst lassen sich etablierte Pflanzen teilen oder Jungpflanzen setzen. Rechne dabei nicht mit einer nennenswerten Ernte wenige Wochen später. Für die übliche Wurzelkultur ist vegetatives Pflanzmaterial praktischer als die selten angebotene Samenaussaat. Die Grundlagen erläutert Vermehrung über Stecklinge und Wurzelstücke.
Glatte Stangen sind ein Kulturziel: Im Erwerbsanbau werden Seitentriebe und seitliche Wurzeln gezielt entfernt. Im Hausgarten darf Meerrettich auch verzweigte Wurzeln bilden; diese sind bei gesundem Gewebe ebenfalls verwendbar. Wiederholtes Freilegen und Putzen ist eine zusätzliche Pflegemaßnahme, keine Voraussetzung für eine essbare Ernte.
Ausbreitung begrenzen: Beet oder Kübel
Meerrettich bildet aus seitlichen Wurzeln und verbliebenen Wurzelstücken neue Pflanzen. Ein eigenes, gut zugängliches Beet mit regelmäßiger Ernte und Kontrolle erleichtert die Begrenzung. Zerkleinere unerwünschte Wurzeln nicht mit einer Bodenfräse und verteile lebensfähige Wurzelreste nicht im Garten oder auf einem offenen Kompost.
Für kleine Gärten ist ein großer, tiefer Kübel oft übersichtlicher. Wähle mindestens etwa 30 cm Breite und Tiefe; mehr Wurzelraum erleichtert die Kultur. Verwende nährstoffreiches, durchlässiges Substrat und freie Abzugslöcher. Kontrolliere regelmäßig, ob Wurzeln durch die Löcher in den Boden wachsen; ein kontrollierbarer Untergrund erleichtert das. Wasser und Nährstoffe müssen im Gefäß häufiger überprüft werden. Bei starkem Winterfrost den Kübel geschützt stellen und den Ballen vor langem Durchfrieren schützen.
Eine Wurzelsperre im Beet kann die seitliche Ausbreitung vermindern. Sie muss aber zum tiefen Wurzelsystem passen und kontrolliert werden: Eine offene Sperre kann unterwachsen werden und verhindert keinen Austrieb aus Wurzelresten außerhalb der Begrenzung. Sie ersetzt auch keinen geeigneten Wühlmausschutz. Ein Drahtkorb schützt nicht zuverlässig vor Engerlingen.
Mischkultur und Fruchtfolge bei Meerrettich
Ein eigener Platz ist oft sinnvoller als Meerrettich zwischen jährlich wechselnde Gemüsekulturen zu setzen. Berücksichtige die große Blattmasse, den Wurzelraum und die Arbeit beim Ausgraben.
Die häufig genannte Kombination mit Kartoffeln ist eine überlieferte Gartenempfehlung. Ein verlässlicher Schutz vor Kartoffelkäfern oder Krautfäule lässt sich daraus nicht ableiten. Auch Knoblauch wird hier nicht als nachweislich fördernder Nachbar eingestuft. Mehr zur Planung und zu ihren Grenzen findest du unter Mischkultur.
Meerrettich gehört wie Kohl, Rettich und Radieschen zu den Kreuzblütlern. Einige Krankheiten und Schädlinge können mehrere dieser Kulturen betreffen. Das ist ein Grund für eine sorgfältige Fruchtfolge, aber kein allgemeines Verbot, sie nebeneinander anzubauen.
Für jährlich neu gepflanzte Wurzelkulturen ist eine mehrjährige Anbaupause am selben Platz sinnvoll; etwa vier Jahre sind ein vorsichtiger Planungsrichtwert für Kreuzblütler. Bei bestätigten bodenbürtigen Krankheiten kann eine längere oder anders geplante Pause nötig sein. Eine dauerhaft stehende Pflanze passt nicht in dieselbe Rotation: Verwende gesundes Pflanzmaterial und prüfe den Standort regelmäßig auf Krankheitszeichen.
Meerrettich ernten und lagern
Ernte hauptsächlich im Spätherbst und Winter, wenn die Wurzeln kräftig entwickelt sind und der Boden offen ist. Frühjahrspflanzungen können im ersten Herbst verwendbare Wurzeln liefern; kleine Jungpflanzen oder Herbstpflanzungen brauchen unter Umständen bis zum folgenden Herbst. Frost ist keine zwingende Voraussetzung für die Ernte. Kühle Herbstbedingungen können die Aromaentwicklung begünstigen; eine garantierte Milderung durch Frost gibt es nicht.
Lockere die Erde mit einer Grabegabel seitlich und tief genug, damit die Wurzeln möglichst wenig abbrechen. Bei jährlicher Wurzelkultur erntest du die Hauptwurzel und hebst gesunde Seitenwurzeln als Fechser für die nächste Pflanzung auf. Entferne unerwünschte Reste möglichst vollständig und kontrolliere späteren Neuaustrieb.
Soll die Pflanze im Kübel weiterwachsen, entnimm höchstens etwa die Hälfte der Wurzeln und pflanze den verbleibenden Teil wieder ein. Eine mehrjährige Pflanze bleibt erhalten, aber einzelne alte Wurzeln können holzig und faserig werden. Regelmäßige Ernte und Erneuerung sind deshalb wichtiger als eine feste Standzeit von fünf oder zehn Jahren.
- Ganze Wurzeln: nur gesunde, möglichst unbeschädigte Wurzeln lagern. Laub entfernen, lose Erde abschütteln und für die Sandlagerung nicht waschen. Kühl, dunkel und frostfrei bei etwa 0–4 °C in leicht feuchtem, nicht nassem Sand einschlagen. Unter guten Bedingungen sind mehrere Monate möglich; regelmäßig auf Fäulnis und Austrocknung prüfen. Eine Anleitung bietet Sandkiste und Erdmiete.
- Angeschnittene Wurzeln: im Kühlschrank vor Austrocknung schützen und möglichst innerhalb von etwa zwei Wochen aufbrauchen. Diese Haltbarkeit ist deutlich kürzer als bei ganzen Lagerwurzeln.
- Einfrieren: gereinigte Wurzelstücke oder kleine Portionen einfrieren; das Aroma kann nachlassen. Frisch geriebenen Meerrettich zeitnah verwenden.
Für die Küche: Wasche und schäle die Wurzel vor der Verwendung. Beim Reiben entstehen aus Senfölglycosiden die scharfen Senföle; gut lüften und Augen, Haut und Schleimhäute vor Spritzern schützen. Kleine Mengen als Würze verwenden. Längeres Erhitzen schwächt die Schärfe, deshalb für kräftiges Aroma erst gegen Ende zugeben. Auch junge Blätter und Blüten lassen sich sparsam als Salatzugabe nutzen; für die Wurzelernte ausreichend Laub stehen lassen.
Passendes Werkzeug: Lager-Finder
Nährwerte von frischem Meerrettich
Gerundete Orientierungswerte je 100 g rohe, essbare Wurzel. Sorte, Anbau, Lagerung und Verarbeitung können die Zusammensetzung verändern; die Werte gelten nicht für Sahnemeerrettich oder fertige Saucen.
| Bestandteil | Je 100 g |
|---|---|
| Energie | etwa 84 kcal |
| Wasser | etwa 71,1 g |
| Eiweiß | etwa 5,9 g |
| Fett | etwa 0,3 g |
| Verfügbare Kohlenhydrate | etwa 11,7 g |
| Ballaststoffe | etwa 4,3 g |
| Vitamin C | etwa 114 mg |
| Kalium | etwa 559 mg |
| Calcium | etwa 78 mg |
| Magnesium | etwa 43 mg |
Meerrettich wird meist in kleinen Würzmengen gegessen. Eine Portion von 10 g liefert rechnerisch nur ein Zehntel der Tabellenwerte. Senföle erklären seine Schärfe; aus ihrem Vorkommen folgt keine Behandlung von Atemwegs- oder Harnwegsinfekten durch den Verzehr.
Krankheiten und Schädlinge an Meerrettich
Gesundes Pflanzmaterial ist besonders wichtig, weil sich Erreger mit den Fechsern weiterverbreiten können. Verwende keine auffällig verfärbten oder faulenden Wurzeln zur Vermehrung.
- Weißer Rost (Albugo candida): helle Flecken auf der Blattoberseite, weiße Pusteln unterseits und eventuell Verformungen. Stark befallene Blätter entfernen, luftigen Stand und Abtrocknen fördern; nicht mit echtem Mehltau verwechseln.
- Meerrettichschwärze (Verticillium spp.): mögliche Hinweise sind ringförmige Verbräunungen im Wurzelquerschnitt, spröde Wurzeln, Kümmerwuchs und Welke. Daraus allein ergibt sich keine sichere Diagnose. Verdächtige Wurzeln nicht als Fechser verwenden, Werkzeuge reinigen und bei wiederholtem Befall die Anbauplanung fachlich abklären.
- Wurzelfäulen: weiche oder faulende Wurzeln können bei vernässtem Boden auftreten. Wasserabfluss verbessern und erkrankte Wurzeln nicht einlagern oder vermehren.
- Meerretticherdfloh (Phyllotreta armoraciae): Käfer verursachen Fenster- und Lochfraß; Larven können Blattstiele minieren. Besonders den jungen Austrieb kontrollieren. Ein geeignetes, frühzeitig dicht aufgelegtes Schutznetz kann Zuflug vermindern; bereits vorhandene Käfer bleiben darunter. Mehr dazu unter Erdflöhe erkennen und begrenzen.
- Blattkäfer (Phaedon spp.) und Kohlweißlingsraupen können Blätter schädigen. Bei kleinen Beständen Käfer und Raupen absammeln und den weiteren Fraß beobachten.
- Wühlmäuse: können Wurzeln anfressen. Eine seitliche Wurzelsperre ist kein zuverlässiger Schutz; bei Bedarf einen passenden, geschlossenen Wurzelschutz prüfen.
Häufige Fehler beim Anbau von Meerrettich
- Ausbreitung unterschätzen: Wurzelreste verteilen oder Kübel auf Erde stellen, ohne austretende Wurzeln zu kontrollieren.
- Fechser falsch ausrichten: oberes und unteres Ende verwechseln oder das obere Ende pauschal 10–15 cm tief vergraben.
- Trockenstress oder Staunässe: robuste Pflanzen liefern unter ungünstiger Wasserversorgung nicht automatisch gute Wurzeln.
- Jede Pflanzung sofort beernten: kleine oder im Herbst gesetzte Pflanzen brauchen erst eine ausreichende Wachstumszeit.
- Alte Wurzeln jahrelang stehen lassen: die Pflanze ist mehrjährig, die Qualität einzelner Speisewurzeln kann jedoch abnehmen.
- Kranke Fechser weitergeben: dadurch können Erreger in neue Beete gelangen.
- Auf Begleitpflanzen als Pflanzenschutz verlassen: für Meerrettich neben Kartoffeln gibt es hier keine belastbare Schutzwirkung.